Wirtschaft : Lufthansa deutlich im Aufwind

Gutes erstes Quartal / 1996 sank jedoch das Ergebnis / Neue Arbeitsplätze auch in Berlin

FRANKFURT (MAIN)(ro).Nach den vor allem durch Treibstoffpreise und Gebühren verursachten Problemen des vergangenen Jahres befindet sich die Deutsche Lufthansa AG (LH), Köln, wieder deutlich im Aufwind.Zum ersten Mal in ihrer Geschichte konnte sie ein erstes Quartal mit einem Gewinn abschließen.Im April verbuchte man nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Jürgen Weber sogar noch höhere Steigerungsraten und eine Auslastung der Jets, "wie wir sie zu dieser Jahreszeit noch nie erreicht haben".Nach dem Vorsteuer-Gewinn von 20 Mill.DM im ersten Quartal ist man sich bei LH sicher, daß man 1997 ein deutlich besseres Ergebnis erzielen wird als im Vorjahr. Das Ergebnis des ersten Quartals ist mehr als ein Indiz.Der Umsatz kletterte, wie Finanzchef Klaus Schlede auf der Bilanzpressekonferenz bekannt gab, um 8,5 Prozent auf knapp 5 Mrd.DM.Das Ergebnis verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahresabschnitt um fast 70 Mill.DM auf plus 20 Mill.DM, obwohl die Treibstoffpreise 37 Prozent höher waren als ein Jahr zuvor.40 Mill.DM des Ergebnis-Umschwunges kommen aus dem Passagiergeschäft. Trotzdem kämpft die LH noch mit Problemen.Dazu gehört der Frachtbereich ­ LH-Cargo ­ der 1996 einen Verlust von 60 Mill.DM hinnehmen mußte und im ersten Quartal mit 10 Mill.DM in den Miesen steckte.Dazu gehört auch der Flugbetrieb in Deutschland, der der Lufthansa auch 1996 einen dreistelligen Millionen-Verlust bescherte.Nach wie vor bereiten Weber und Co die Treibstoffe-Preise und die Gebühren Kopfzerbrechen.1996 kletterten die Treibstoffkosten um 22 Prozent auf 1,8 Mrd.DM, obwohl das Flugangebot nur um 3,6 Prozent ausgeweitet wurde.Für Gebühren mußte die Lufthansa 3,9 Mrd.DM ausgeben, sieben Prozent mehr als im Vorjahr.Schließlich machen der LH zumindest indirekt die starken Subventionen für viele europäische Konkurrenten zu schaffen: Auf 19,7 Mrd.DM beziffern sich nach Angaben von Weber die von Brüssel seit 1991 genehmigten Staatshilfen.Allein 6 Mrd.DM flossen an Air France.Den LH-Chef ärgert auch die Deutsche Britisch Airways, die dank der Unterstützung aus London seit 5 Jahren nur Verluste im innerdeutschen Wettbewerb gegen die LH einfliege. Trotz all dieser Probleme sieht Weber die Kranich-Airline auf dem richtigen Weg.Angesichts eines "problematischen Marktumfeldes" mit einer schwachen Konjunktur, mit Überkapazitäten und einem noch aggressiverem Wettbewerb sei der Vorsteuergewinn von 686 Mill.DM im vergangenen Jahr "beachtlich", obwohl er 70 Mill.DM niedriger lag als 1995.Bis auf LH Cargo erwirtschafteten alle Konzern-Gesellschaften Gewinn, im Passagiergeschäft waren es 409 Mill.DM.Nach Steuern blieben der LH im vergangenen Jahr 558 Mill.DM, 6,5 Prozent weniger als 1995.Der Umsatz kletterte 1996 um knapp 5 Prozent auf 20,8 Mrd.DM.Die Aktionäre sollen eine unveränderte Dividende von 0,50 DM je 5-DM-Aktie erhalten. Als überaus erfreulich wertet Weber die Allianzen mit anderen Fluggesellschaften.Sie brachten 1996 Einsparungen von 200 Mill.DM.Dies soll in den nächsten Jahren bedeutend mehr werden, etwa durch die neue "Star-Allianz", den weltgrößten Luftfahrtverbund, aus LH, United Airlines, Thai Airways, Scandiavian Airlines und Air Canada, die am 14.Mai offiziell in Frankfurt vorgestellt wird und durch einen zweiten Partner in Asien verstärkt wird, der noch in diesem Jahr gefunden werden soll.Auch der Sparkurs "Programm 15" erweise sich als richtig.850 Mill.DM an möglichen Einsparungen hat man schon ausgemacht, 1,5 Mrd.DM sollen es bis 2001 sein.Nach dem jüngsten Tarifabschluß sieht Weber auch bei den Personalkosten bis 1999 Planungssicherheit.Auf jeden Fall will er das weitere Wachstum mit nahezu konstanter Mitarbeiterzahl erreichen.1996 waren es im Schnitt knapp 58 000, rund 400 mehr als ein Jahr zuvor. Spätestens 1998 sollen auch in Berlin neue Jobs entstehen: Dort wird die LH-Tochter Condor einen neuen Ableger für das Chartergeschäft mit kleineren Maschinen gründen.Sechs Airbusse sind bereits geordert.Die Zahl der Mitarbeiter steht noch nicht fest.

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