Wirtschaft : Lufthansa droht Streit mit Gewerkschaften

Kabinenpersonal weist Sparpläne für die Belegschaft zurück: Mehr Arbeit gibt es nur für mehr Geld

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Berlin (fw). Die Lufthansa steuert mit ihrer Forderung nach weiteren Zugeständnissen von den Mitarbeitern auf einen Konflikt mit den Gewerkschaften zu. „Mehr Arbeit ist nur für mehr Geld möglich“, sagte Mirco Vorwerk, Vorstandsvorsitzender der Gewerkschaft des fliegenden Personals Ufo und Mitglied im Aufsichtsrat der Lufthansa, dem Tagesspiegel am Montag. LufthansaChef Wolfgang Mayrhuber hatte am Samstag im Tagesspiegel-Interview erneut gefordert, dass das Lufthansa-Personal mehr arbeiten soll, ohne dafür besser bezahlt zu werden. Die Konzernleitung habe die Gewerkschaften offiziell zu neuen Tarifverhandlungen aufgefordert, sagte Vorwerk – am Donnerstag findet bereits ein erstes Gespräch mit der Ufo-Gewerkschaft statt.

Die Lufthansa hatte im vergangenen Herbst bekannt gegeben, 1,2 Milliarden Euro Kosten einsparen zu wollen – davon 300 Millionen beim Personal. Im vergangenen Jahr hatte die Lufthansa wegen des Irak-Krieges, der Seuche Sars und der schwachen Konjunktur erhebliche Buchungsrückgänge erlitten. Das Unternehmen rechnet allerdings damit, bei der Bilanzpressekonferenz im März ein ausgeglichenes Ergebnis vorlegen zu können, und blickt optimistisch in das neue Jahr. Dennoch will Mayrhuber die Kosten weiter senken, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Das sehen die Gewerkschaften zwar grundsätzlich ein, wollen aber etwas im Tausch für eventuelle Zugeständnisse haben. Ufo-Chef Vorwerk, der für 12 000 fliegende Mitarbeiter spricht, glaubt Mayrhuber nicht, dass die Mitarbeiter dann in besseren Zeiten vom Gewinn mehr abbekommen. „Das ist eine Illusion, der wir uns nicht hingeben“, sagte Vorwerk. Die Geschäftsführung spreche ihnen gegenüber von „nachhaltiger Wirkung“ der Einschnitte, die Zugeständnisse würden bestimmt nicht mehr zurückgenommen werden. Zudem glaubt Vorwerk nicht, dass der Konzern unter starkem Sparzwang steht. Die Konzernleitung argumentiere damit, dass auch in diesem Jahr die Ticketpreise sinken würden – Ufo glaube dagegen, dass die Preise sich mit anziehender Konjunktur stabilisieren würden.

Auch beim Bodenpersonal ist die Reaktion zurückhaltend. „Es wird nicht einfach sein, mehr Arbeit für das gleiche Geld zu bekommen“, heißt es in betriebsratsnahen Kreisen. Die Piloten wollen sich nicht detailliert äußern, da die Verhandlungen gerade laufen. „Wir führen konstruktive Gespräche“, sagte Markus Kirschneck, Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, dem Tagesspiegel.

Bei den Piloten und dem fliegenden Personal will Mayrhuber zum Beispiel gleitende Arbeitszeitkonten einführen, beim Bodenpersonal die Schichtplanung verändern. Insgesamt plant die Lufthansa auch, mindestens 2000 Stellen abzubauen – allerdings ohne betriebsbedingte Kündigungen, wie das Unternehmen immer wieder betont.

Harter Kurs mit Reisebüros

Unterdessen hält die Lufthansa trotz massiver Kritik der Reisebüros an ihrem neuen Preismodell bei Flugtickets fest. An der Streichung der Verkaufsprovisionen für die Reisebüros und am Zeitplan dafür werde sich nichts ändern, teilte Lufthansa am Montag mit. Lufthansa will auch beim Vertrieb sparen und leitete deswegen diese Reform ein. Der Deutsche Reisebüro- und Reiseveranstalterverband (DRV) droht nun mit einer Klage. Mehr als 600 Reisebüros haben für kommende Woche mit einem dreitägigen Verkaufsboykott für Lufthansa-Tickets gedroht.

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