Wirtschaft : Lufthansa erwartet hohen Quartalsverlust

Irak-Krieg, Wirtschaftsflaute und SARS belasten – drastische Einsparungen bei den Personalkosten geplant

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Berlin (fw). Die Lufthansa rechnet für das erste Quartal dieses Jahres mit einen unerwartet hohen operativen Verlust. Die „negative Entwicklung“ sei besonders auf erhebliche Nachfragerückgänge, vor allem im Passagiergeschäft, zurückzuführen, teilte die Lufthansa am Dienstagabend nach einer Vorstandssitzung mit. Konkrete Zahlen wurden nicht genannt. Unverändert schlechte konjunkturelle Rahmenbedingungen vor allem in Deutschland, die Auswirkungen des IrakKrieges und die noch nicht abschätzbaren Folgen der Lungenkrankheit Sars belasteten die Geschäftsentwicklung nachhaltig, hieß es. Um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise zu begrenzen, habe der Vorstand neben Anpassungen im Flugplan auch weitere Maßnahmen zur Personalkostensenkung eingeleitet.

Der Vorstandsbeschluss sehe vor, dass kurzfristig mit den Betriebspartnern der Krisenfall festgestellt und ab dem 15. April für alle in Deutschland beschäftigten Boden-Mitarbeiter der Lufthansa Passage Airlines die wöchentliche Arbeitszeit um 1,5 Stunden auf 36 Stunden mit entsprechenden Gehaltsabschlägen reduziert werden soll. Auch die Mitarbeiter in der Konzernverwaltung seien in diese Maßnahmen mit einbezogen. Damit nutzt die Lufthansa zum ersten Mal die in der zurückliegenden Tarifrunde mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi Ende Februar vereinbarte Flexibilisierungsregel.

Auch für das Kabinenpersonal solle Kurzarbeit eingeführt werden, teilte die Lufthansa mit. Die Verhandlungskommission der Flugbegleiter und Purser (leitende Flugbegleiter) hat sich am Montag bereits auf die Eckpunkte der Kurzarbeit geeinigt, sagt Susanne Winkler, Vorsitzende der Gruppenvertretung der Purser, dem Tagesspiegel. Die Flugbegleiter sollen 3,5 bis fünf Stunden monatlich weniger arbeiten, sagte Winkler. Offen sei noch, wie lange die Kurzarbeit dauern soll – mindestens seien sieben Monate geplant bis zum Ende des Sommerflugplans.

In den Tarifverträgen des Kabinenpersonals gibt es eine Krisenklausel, die Kurzarbeit vorsieht, wenn es für mehr als 30 Prozent des Personals zehn Prozent weniger Arbeit gibt. Die Flugbegleiter bekommen dafür vom Arbeitsamt einen Lohnausgleich. Nach dem 11. September wurde beim Kabinenpersonal schon einmal Kurzarbeit eingeführt.

Auch Piloten sollen weniger arbeiten

Die Kosten sollten gesenkt werden, ohne betriebsbedingt kündigen zu müssen. „Wir wollen beides, Kostenentlastung und Beschäftigungssicherung“, sagte Lufthansa-Vorstand Stefan Lauer. Weitere Maßnahmen könnten nicht ausgeschlossen werden.

Lufthansa-Chef Jürgen Weber will auch mit den Piloten über kürzere Arbeitszeiten verhandeln. Der Sprecher der Pilotengewerkschaft Cockpit, Georg Fongern, kündigte am Dienstag gegenüber dem Tagesspiegel Widerstand gegen die von Weber angekündigten Gespräche zur Einführung von Arbeitszeitkonten an. „In unserem Tarifvertrag ist genügend Flexibilität enthalten“, sagte Fongern. Er sehe keine Notwendigkeit zur weiteren Verringerung der Arbeitszeit der Piloten. Über Arbeitszeitkonten sollen nicht geflogene Stunden auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden können. „Jeder muss seinen Beitrag leisten“, sagte ein Lufthansa-Sprecher.

Die Lufthansa hatte in den vergangenen Wochen wegen der Konjunkturkrise und des Irak-Krieges bereits sieben Flugzeuge stillgelegt und ein Programm zur Kostensenkung und Steigerung der Profitabilität im Kontinentalverkehr gestartet.

An der Börse zählte die Lufthansa-Aktie am Dienstag abend zu den Verlierern: Die Titel verloren 6,2 Prozent auf 8,53 Euro.

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