Wirtschaft : Lufthansa fliegt auf die Nachbarn

Nach der Swiss soll nun auch die Austrian Airlines übernommen werden / Bündnis der Billiglinien gegen Air Berlin geplant

David C. Lerch

Düsseldorf - Die Lufthansa treibt die Konsolidierung in der deutschen und europäischen Luftfahrtbranche aktiv voran. Die größte deutsche Fluggesellschaft forderte am Wochenende die Unterlagen für die zum Verkauf stehende Austrian Airlines an und bekundete damit offiziell ihr Interesse an der angeschlagenen halbstaatlichen Fluglinie aus Österreich. Das teilte ein Konzernsprecher am Montag mit.

Darüber hinaus scheint die Lufthansa auch im Segment der Billigflieger in die Offensive zu gehen. Medienberichten zufolge will der Konzern, wie berichtet, seine Tochter Eurowings in ein Dreierbündnis von Germanwings, Condor und Tuifly einbringen. Das würde den Druck auf Air Berlin erhöhen.

Mit den Österreichern würde sich die Lufthansa nach der Übernahme der Schweizer Swiss im Jahr 2005 die zweite Fluglinie einverleiben und zur französisch-niederländischen Gesellschaft Air France-KLM aufschließen. Doch so weit ist es noch nicht. In der Nacht zu Montag endete zunächst die Frist, um sich die Bieterunterlagen zuschicken zu lassen. Bis zum 12. September haben nun die Interessenten Zeit, ein Angebot abzugeben.

Wer abgesehen von der Lufthansa noch mit im Rennen ist, ist unklar. Air France-KLM, im Vorfeld als aussichtsreicher Kandidat gehandelt, wollte sich nicht äußern. Auch über die potentiellen Bieter Air China und Turkish Airlines wurde nichts bekannt. Russlands Nummer Eins, Aeroflot, lehnte ab. Nur die russische Fluglinie S7 bestätigte Interesse an einer Übernahme. Die österreichische Regierung äußerte sich weder zur Zahl noch zu den Namen der Interessenten.

Die Österreicher sind für die Lufthansa durch die Nähe zum Wachstumsmarkt Osteuropa und durch einige lukrative Strecken in den Nahen Osten interessant. Da beide Gesellschaften jedoch schon seit Jahren eng über das Luftfahrtbündnis Star Alliance verknüpft sind und auch in der Technik kooperieren, ist der Zugewinn einer Übernahme begrenzt.

„Lufthansa will mit diesem Deal verhindern, dass sich ein Konkurrent in die Allianz einkauft“, sagte Per-Ola Hellgren, Luftfahrtexperte bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Die Partnerschaft mit den Österreichern wäre ein kleines Plus. Würde jemand anderes zuschlagen, wäre das für die Lufthansa dagegen ein großes Minus, sagte der Analyst.

Bei den Überlegungen der Lufthansa, Eurowings in das Bündnis mit Tuifly, Condor und der anderen Lufthansa-Tochter Germanwings einzubringen, ist der Experte skeptisch. „Strategisch ist das nicht unbedingt sinnvoll“, sagte Hellgren. Zudem sei es sehr fraglich, ob das Kartellamt einer solchen Fusion zustimmen würde. Seiner Meinung nach gibt es nur einen Grund für die Pläne der Frankfurter. „Wenn die Lufthansa das Viererbündnis anstrebt, dann nur, um Air Berlin nachhaltig zu schwächen.“

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