Lufthansa gegen Ufo : Gewerkschaft hängt an Tarifsystem von 1955

Lufthansas Gehaltssystem für Flugbegleiter wurde seit der Neugründung der Gesellschaft im Kern nie reformiert. Der Konzernvorstand will das Ändern. Die Gewerkschaft hat daran aber gar kein Interesse.

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BerlinWie dieses Gebilde wurde, was es ist, wissen selbst die Tarifspezialisten in der Lufthansa-Zentrale und bei der Gewerkschaft Ufo nicht so genau. Schließlich war keiner von ihnen dabei, als die Vergütungsstruktur der Flugbegleiter ursprünglich geregelt wurde: Es muss im Jahre 1955 bei der Neugründung der Gesellschaft gewesen sein, hieß es am Donnerstag bei der Lufthansa. Das Regelwerk sei seither immer weiter ergänzt, aber im Kern nie verändert worden.

Der seit einem Jahr anhaltende Tarifkonflikt, der heute in einem der größten Streiks der Unternehmensgeschichte gipfeln dürfte, lässt sich also auf die Frage verdichten: Soll man diese „extrem komplexen Tarifverträge“, wie sie Lufthansas Personalchef Peter Gerber dieser Tage nannte, grundlegend reformieren? Er ist dafür, Ufo dagegen. Ufo fordert im aktuellen Streikaufruf sogar die Wiedereinführung der Vergütungssystematik, wie sie vor dem Jahr 2005 gegolten hat.

Heute gibt es für Flugbegleiter bei der Lufthansa 17 Gehaltsstufen. In der Regel nimmt eine Flugbegleiterin alle zwei Jahre eine Stufe. Die Einsteiger erhalten 1533 Euro brutto, mit Schichtzulage und Abwesenheitsgeld bei Auslandsflügen kommen sie so auf 1800 Euro. In der höchsten Stufe kommen Flugbegleiter auf 4000 Euro. Inklusive der 1023 Euro Urlaubsgeld können diese erfahrensten Mitarbeiter im besten Fall 52 492 Euro verdienen. Zum Vergleich: Bei Air Berlin reicht die Spanne der Jahresgehälter in der Kabine von 19 453 bis 23 680 Euro.

Da scheint verständlich, warum die Lufthanseaten hinter jeder Reform eine Verschlechterung wittern. Sie fordern nun pauschal fünf Prozent mehr Gehalt über alle Stufen für zwölf Monate. Lufthansa bietet scheinbar kaum weniger, 3,5 Prozent – die allerdings bei einer Laufzeit von drei Jahren. Gleichwohl scheint eine Einigung in dem Punkt am schnellsten erreichbar. Auch Ufos Forderung nach einem Verzicht auf Leiharbeit ist fast schon obsolet: „Darauf kann man sich sicher einigen, zumindest für eine Zeit lang“, sagte ein Konzerninsider gestern.

Bei der Neuordnung der uralten Tarifstruktur mit ihren 17 Stufen aber will Lufthansa hart bleiben. Nachdem man diese beim Bodenpersonal im Jahre 2005 reformiert habe und wenig später auch bei den Piloten, müsste sich nun auch das Kabinenpersonal der Moderne beugen: 17 Stufen sind zu viel. Die Frequenz der Gehaltssprünge müsse „entschleunigt werden“, heißt es. Ufo sagt: Das würde nicht nur zu reellen Gehaltseinbußen führen und Kollegen davon abhalten, die höchste Stufe zu erreichen – es hätte auch negative Auswirkung auf die Alters- und Übergangsversorgung. Letztere ist Ufo besonders wichtig: Schließlich steht keine Stewardess noch mit 65 hinterm Saftwagen.

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