• Lufthansa geht mit den Preisen runter Konzern will teilweise die Billigflieger kopieren/Auslastung der Maschinen im Juli gestiegen

Wirtschaft : Lufthansa geht mit den Preisen runter Konzern will teilweise die Billigflieger kopieren/Auslastung der Maschinen im Juli gestiegen

Matthias Eberle

Frankfurt am Main - Im Kampf gegen die Billigflieger baut die Lufthansa ihr Angebot an ihrem drittgrößten Standort Hamburg kräftig aus. Vom 15. Oktober an werden 40 Prozent mehr Plätze und sechs neue Ziele angeboten, teilte die Lufthansa am Montag in Frankfurt mit. Die Einstiegstarife beginnen bei 99 Euro für den Hin- und Rückflug plus einer Ticketgebühr von zehn Euro bei Buchung im Internet. Für das Angebot werden vier weitere Boeing-737-Jets in Hamburg stationiert. Die Aktie reagierte mit Kursgewinnen.

In den vergangenen Monaten war spekuliert worden, Lufthansa wolle in Hamburg sogar mit dem Aufbau einer eigenen Billig-Airline auf die wachsende Konkurrenz reagieren. Mit der massiven Angebotsausweitung und niedrigen Einstiegspreisen nähert sich Lufthansa nun allerdings auch ohne eine neue Airline dem Geschäftsmodell der Billigflieger an. Eine Sprecherin wies in Frankfurt allerdings Vermutungen zurück, Hamburg sei ein Testprojekt für ähnliche Strategien an anderen Flughäfen.

Neu aufgenommen werden in den Hamburger Lufthansa-Flugplan die Städte Budapest, Göteborg, Madrid, Nizza, Prag und Rom. Zudem werden bislang mit Turboprop-Maschinen bediente Strecken wie zum Beispiel von Hamburg nach Amsterdam auf Jets umgestellt. Pro Reisetag sollen bis zu 3000 Tickets zum Einstiegstarif angeboten werden.

„Unsere Stärke ist, dass wir immer wieder für innovative Überraschungen gut sind – sowohl bei Produkten und Zielen, aber auch bei den Preisen“, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Kürzlich hat der Konzern die Aldi-Preisaktion des Wettbewerbers dba gekontert und 900000 Hin- und- Rückflug-Tickets zum Preis von 99 Euro inklusive Steuern, Gebühren und Service-Zuschläge angeboten.

Pikant ist, dass die Lufthansa mit ihrer Hamburger Billigoffensive in direkte Konkurrenz zu ihrem Partner Germanwings treten wird. Lufthansa hält an dem Billigflieger – indirekt über dessen Muttergesellschaft Eurowings – 49 Prozent. Germanwings will in Hamburg eine Basis zum Winterflugplan 2005/2006 aufbauen. Hamburg sei mit Billigflügen noch „deutlich unterversorgt“, betonte Germanwings-Geschäftsführer Andreas Bierwirth. Lufthansa-Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber sitzt im Aufsichtsrat bei Germanwings. Seine Pläne, parallel dazu im Billigsegment anzutreten, werden Lufthansa-intern als „kontrolliertes Experiment“ bezeichnet. Es ist allerdings umstritten. Der Vertrieb fordert dringend Abwehrmaßnahmen, um den rasant wachsenden Billigflugmarkt nicht Anbietern wie Easyjet oder Air Berlin zu überlassen. Auf der anderen Seite warnen Konzernstrategen, die Premiummarke Lufthansa vertrage sich nicht mit aggressiven Preisaktionen.

Weltweit hatte die Lufthansa im Ferienmonat Juli die Passagierzahl und die Auslastung ihrer Flugzeuge weiter steigern können. Knapp 4,8 Millionen Fluggäste und damit 2,2 Prozent mehr als im Vorjahresmonat wurden gezählt. Die für den Gewinn wichtige Auslastung der Sitze stieg um 3,4 Punkte auf 77,9 Prozent. Die Zahl der Passagierflüge ging gleichzeitig um 1,1 Prozent auf 53 901 zurück, was auf den verstärkten Einsatz größerer Flugzeuge hindeutet. Überdurchschnittliche Steigerungen wies erneut die Langstrecke auf. An diesem Mittwoch legt die Lufthansa ihre Geschäftszahlen für das erste Halbjahr vor.

HB, mit dpa

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