Wirtschaft : Lufthansa-Gewinne im Steigflug

HAMBURG (beu/HB).Mehr als 5000 Aktionäre waren dem Ruf des Kranichs nach Hamburg gefolgt.Sie stellten die Organisatoren der Lufthansa-Hauptversammlung auf eine harte Probe.Auf diesen Ansturm waren sie nicht vorbereitet.Doch blieb der um 40 Minuten verspätete Beginn der einzige Wermutstropfen: Die Lufthansa stellte ihren Anteilseignern erneut einen Milliarden-Gewinn in Aussicht.Nur Brüssel kann die Rekordernte noch verhageln.

"Kaufen Sie weiter Lufthansa-Aktien.Sie werden es nicht bereuen", forderte der Vorstandsvorsitzende der Deutsche Lufthansa AG, Jürgen Weber, die Aktionäre auf der Hauptversammlung in Hamburg auf, die zusammen 31,9 Prozent des Unternehmens repräsentierten.Wie bereits auf der Bilanzpressekonferenz angekündigt, schlug der Vorstand vor, an die 490 000 Lufthansa-Aktionäre eine Dividende von 90 Pfennig pro 5-DM-Aktie auszuschütten.Die Lufthansa habe sich in diesem Jahr das Ziel gesetzt, beim Ergebnis vor Steuern die Marke von zwei Mrd.DM zu überschreiten, erklärte Weber weiter.Die Vorgabe stütze sich auf das "hervorragende Ergebnis" der ersten fünf Monate, das um mehr als 20 Prozent über dem des Vorjahres liegt.Es werde geprägt von weiterem Wachstum des Fluggastaufkommens und nochmaliger Verbesserung der Auslastung, besonders in Europa und Nordamerika.

Auch erwartet Weber aus dem Verkauf des 18prozentigen Anteils an Hapag-Lloyd einen Buchgewinn von 377 Mill.DM.Dazu kommen aus dem Verkauf von Cargolux 33 Mill.DM.Der aus der Zusammenführung von Condor und NUR entstandene Konzern C & N Touristic AG werde voraussichtlich ein Ergebnis von 255 Mill.DM erzielen, deutlich mehr als Condor und NUR allein.

Die Luftfahrt-Allianzen, die 1997 mit 400 Mill.DM zum Ergebnis beigetragen haben, sollen nach Webers Worten behutsam ausgebaut werden.Sie seien "Triebfedern" des Lufthansa-Erfolgs.So seien zur Star Alliance zwischen Lufthansa, United Airlines, Air Canada, SAS, Varig und Thai Airways im pazifischen Raum Ansett Australia und Air New Zealand hinzugestoßen.Die bilaterale Zusammenarbeit mit ANA in Japan und Singapore Airlines beginne im Juli.Obwohl sich die Lufthansa nach Webers Worten grundsätzlich nicht finanziell an anderen Fluggesellschaften beteiligen will, sei sie bereit, dies bei Thai Airways und South African Airways aus defensiven Gründen zu tun.Da in beiden Fällen nur ein Anteil von 10 bis 20 Prozent zur Disposition stehe, "habe ich keine Sorge, daß unser Kapital knapp wird".Weber: "Wir wollen weder Thai noch SAA in den Händen von British Airways sehen."

Zur Kontroverse mit EU-Wettbewerbskommissar Karel van Miert über die Bewertung der europäisch-amerikanischen Allianzen, erinnerte Weber daran, daß die Lufthansa die EU-Konditionen zum 1.Juli erhalten werde.Danach blieben Einspruchsfristen, so daß eventuelle negative Auswirkungen nicht vor dem Winterflugplan 1999 zu erwarten seien.

Das Bundeskartellamt in Berlin bestätigte unterdessen am Mittwoch, daß die EU-Kommission die Allianz der Lufthansa AG mit der amerikanischen Fluggesellschaft United Airlines (UA) nur unter Einschränkung der Landerechte genehmigen wolle.Nach den Brüsseler Vorstellungen soll die Kranich-Linie bis zu 100 Landerechte, sogenannte Slots, in Frankfurt (Main) aufgeben, bestätigte ein Sprecher des Bundeskartellamts, das parallel zur Brüsseler Kommission das Vorhaben prüft.Dagegen drohten der Lufthansa am zweiten deutschen Luftkreuz München keine Einschränkungen.

Wie die Düsseldorfer "Wirtschaftswoche" (Donnerstagausgabe) weiter berichtete, werde es scharfe Einschnitte für die Lufthansa voraussichtlich auf den Strecken von Frankfurt (Main) nach Chicago und Washington geben.Dort sowie auf anderen Strecken solle die deutsche Fluggesellschaft Slots abgeben, wenn sich Wettbewerber für den Betrieb dieser Strecken melden.Deren Passagieren solle die Lufthansa zudem den Zugang zu ihrem Vielflieger-Programm "Miles and more" ermöglichen.

Die EU-Kommission will ihre Vorstellungen zu den Auflagen den Angaben zufolge in den nächsten zwei Wochen offiziell bekanntgeben.Das Berliner Kartellamt werde dann in enger Abstimmung mit der Kommission seine Entscheidung treffen, sagte der Sprecher.Einen zeitlichen Rahmen dafür könne er noch nicht nennen.

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