• Lufthansa: Hans-Dietrich Genschers Flugplan. Von den Talenten eines Vielfliegers, der zum Tarifschlichter für die Piloten wurde

Wirtschaft : Lufthansa: Hans-Dietrich Genschers Flugplan. Von den Talenten eines Vielfliegers, der zum Tarifschlichter für die Piloten wurde

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Die Ampel stand auf Rot. Nach sieben Verhandlungsrunden waren alle Möglichkeiten einer Einigung zum Stillstand gekommen. Da musste schon ein Mann im gelben Pullunder kommen, um den Verkehr wieder ins Rollen zu bringen. Heute morgen dann sprang die Ampel auf Grün um. Die beiden Verhandlungsparteien Lufthansa und die Pilotenvereinigung Cockpit hatten sich einstimmig für den früheren Außenminister Hans Dietrich Genscher als Schlichter entschieden. Vor dem Hintergrund seiner internationalen und vor allem tarifpolitischen Erfahrung genieße er ihr volles Vertrauen, sagte sie. Denn Genscher, den man vor allem mit seinen 18 Jahren als vielfliegender Außenminister in Verbindung bringt, war zuvor, von 1969 bis 1974 fünf Jahre Innenminister. Im Gegensatz zu seinem Verhandlungsgeschick als Außenminister musste er in dieser Zeit jedoch einige Niederlagen hinnehmen. So schaffte er es nicht, in der Tarifrunde 1973 die Sockelbeträge im öffentlichen Dienst, die er für leistungshemmend hielt, abzuschaffen. Und auch den großen Tarifkonflikt von 1974 konnte er nicht verhindern. Als Außenminister machte er dann die Ostpolitik zu seinem Markenzeichen, die 1987 in Davos ihren Höhepunkte hatte: die Entscheidung den damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow zu unterstützen. Dafür wurde Genscher von den Alliierten zwar oft gescholten, doch Genscher stand alle Unstimmigkeiten durch: denn er war nicht nur ein guter Zuhörer und überzeugender Gesprächspartner, sondern auch ein erfahrener Taktiker. Diese Eigenschaften kamen Genscher nun bei der Schlichtung des Lufthansa-Streits zu gute. Zwar lobte er am Freitag immer wieder seine Verhandlungspartner von der Lufthansa und der Pilotenvereinigung Cockpit. Doch er ließ auch klar durchblicken, dass seiner Meinung nach ohne ihn nichts gelaufen wäre. Auch die Piloten waren sehr angetan von Genschers Auftritt, obwohl sie ihm am Anfang der Schlichtung noch sehr skeptisch gegenüberstanden. Sie hatten gefürchtet, dass kein Außenstehender die Besonderheiten ihres Berufes und damit die Höhe ihrer Forderungen verstehen würde. In Genscher aber war ein solcher neutraler Experte gefunden.

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