Wirtschaft : Lufthansa: "Heute startet kein Flugzeug"

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Erstmals in der Geschichte der Lufthansa wollen die Piloten des Unternehmens am heutigen Freitag für zwölf Stunden die Arbeit niederlegen, um ein Einlenken bei den Tarifverhandlungen zu erzwingen. "Wir gehen davon aus, dass so gut wie kein Flugzeug starten wird", sagte ein Sprecher der Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) am Donnerstag in Frankfurt. In den kommenden vier Wochen sei für jeden Donnerstag eine 24-stündige Arbeitsniederlegung geplant.

Nach der Streikankündigung sagte Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow , das Unternehmen werde kein neues Angebot vorlegen. Erst müsse über die bei der letzten Verhandlungsrunde am 2. April vorgelegte Offerte mit Gehaltssteigerungen zwischen zehn und knapp 17 Prozent gesprochen werden. Die Lufthansa sei auf den Streik am heutigen Freitag vorbereitet. Alle Condor-Flüge seien gesichert, Verspätungen seien aber nicht auszuschließen. Bei Lufthansa würden die Piloten eingesetzt, die nicht bei Cockpit organisiert seien. Auch Flugzeugführer, die derzeit im Management eingesetzt sind, würden sich ins Cockpit setzen. Gleichwohl rät Jachnow allen Passagieren, die innerdeutsch fliegen wollen, auf die Bahn umzusteigen. Grafik: Die Gehälter der Piloten Die Lufthansa steht damit vor einer beispiellosen Zerreissprobe. VC fordert für die Piloten Gehaltserhöhungen zwischen 30 und über 40 Prozent. Grund: Der bislang fehlende Ausgleich für den Gehaltsverzicht der Piloten, den sie Anfang der neunziger Jahre zur Sanierung der Airline geleistet haben und die zum Teil deutlich höheren Pilotengehälter bei anderen Airlines. Lufthansa bietet bislang eine durchschnittliche Anhebung von maximal knapp 17 Prozent. Die Pilotenvereinigung hält dieses Angebot für eine Zumutung, weil es nur einer jährlichen Steigerung zwischen 1,6 und 7,8 Prozent entspreche. Lufthansa-Vorstandschef Jürgen Weber hatte in der vergangenen Woche noch einmal betont, dass die VC-Forderungen "nicht erfüllbar sind". Zugleich hatte er weitere Gesprächsbereitschaft signalisiert. "Es muss geredet werden."

Hinter vorgehaltener Hand spricht Weber von einer Wahl zwischen "Pest und Cholera". Hält er den Forderungen der Piloten stand, riskiert er wochenlange Streiks. Kunden würden verprellt und möglicherweise auf längere Zeit zur Konkurrenz wechseln. Gibt er nach, halst er dem Unternehmen jährlich zusätzliche Kosten zwischen 300 und 400 Millionen Euro auf, die voll auf das Ergebnis durchschlagen. Zusätzlich würde das Unternehmen einer großen innerbetrieblichen Belastung ausgesetzt. Denn für das Boden- und Kabinenpersonal ist ein Tarifabschluss mit einem Gehaltsplus von 3,5 Prozent bereits unter Dach und Fach. Franz-Eduard Macht, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Lufthansa, hat bereits vor einer Neiddiskussion innerhalb des Unternehmens gewarnt, wenn sich die Piloten mit ihren Gehaltsvorstellungen durchsetzten.

Zu möglichen Schadensersatzansprüchen ihrer Passagiere vertritt die Lufthansa die Rechtsauffassung, ein Streik sei ebenso wie schlechtes Wetter oder Flugsicherungsprobleme auf "höhere Gewalt" zurückzuführen. Eine Beförderungspflicht der Lufthansa bestehe "nur im Rahmen ihrer Möglichkeiten". Daraus folgert das Unternehmen, dass "bei Unvermögen zur Leistung ohne Verschulden die Fluggesellschaft von ihrer Leistungsverpflichtung befreit wird". Für finanzielle Schäden aus Verspätungen werde die Lufthansa also nur dann Schadensersatz leisten, "wenn die Unregelmäßigkeiten auf eigenes Verschulden zurückzuführen sind". Und das sei im Falle eines Streiks nicht gegeben.

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