Lufthansa : In der Luft

Am Dienstag endet die Friedenspflicht bei der Lufthansa. Die Piloten drohen, ein neuer Streik sei jederzeit möglich.

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Bitte anschnallen. Vor zwei Wochen hatten die Piloten gestreikt. Jetzt wollen sie erst einmal weiterverhandeln. Foto: dpadpa

Berlin – Ab Dienstag dürften die Lufthansa-Piloten wieder streiken, doch derzeit schlägt die Pilotenvereinigung Cockpit eher versöhnliche Töne an. „Es gibt zur Zeit keinen Grund anzunehmen, dass am Dienstag gestreikt wird“, sagte Jörg Handwerg, Sprecher der Vereinigung Cockpit (VC Cockpit), dem Tagesspiegel. Dennoch ist die Streikdrohung nicht völlig vom Tisch. Ein Streik sei „jederzeit möglich“, warnt Handwerg, „innerhalb weniger Stunden“. Die Piloten fordern Arbeitsplatzsicherheit und eine klare Abgrenzung der Lufthansa-Piloten zu den neuen, günstigeren Fluggesellschaften im Konzern. Auch die Forderung nach 6,4 Prozent mehr Gehalt ist wieder auf dem Tisch, gilt jedoch nicht als Kernforderung der Gewerkschaft. Die Verhandlungen laufen. Zum Stand der Gespräche wollen sich weder die Lufthansa noch VC Cockpit äußern.

In der Nacht zum Dienstag endet die Friedenspflicht, auf die sich die Pilotenvereinigung und die Lufthansa am Montag vor zwei Wochen vor dem Arbeitsgericht Frankfurt geeinigt hatten. Das Unternehmen hatte den ursprünglich auf vier Tage angesetzten Streik der rund 4000 Lufthansa-Piloten bereits nach einem Tag vor Gericht gestoppt. Dennoch hatte bereits der eine Streiktag den Flugverkehr erheblich durcheinandergebracht. Etwa die Hälfte aller Lufthansa-Flüge war am Montag vor zwei Wochen ausgefallen, fast eine Woche lang war der Flugplan anschließend noch beeinträchtigt gewesen.

Gerd Billen, Vorstand des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, forderte die Tarifparteien am Sonntag auf, im Interesse der Kunden einen erneuten Streik zu vermeiden. „Unternehmen und Gewerkschaft sollten sich vernünftig an einen Tisch setzen und Kompromisse finden“, sagte Billen dem Tagesspiegel. Die Verbraucher seien genug gebeutelt worden durch stehende Züge und kaputte S-Bahnen. „Es wäre gut, wenn der Verkehr jetzt mal funktioniert“, betonte der oberste deutsche Verbraucherschützer. Doch nicht nur die Piloten könnten den Verkehr durcheinanderbringen, falls die Verhandlungen stocken. Auch mit dem Kabinen- und dem Bodenpersonal stehen der Lufthansa Tarifauseinandersetzungen ins Haus.

Am Mittwoch beginnen die Verhandlungen mit der Gewerkschaft der Flugbegleiter Ufo. Ufo fordert für die rund 16 000 Flugbegleiter eine 40-Stunden-Woche, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sowie einen Anspruch auf geregelte Pausen. Joachim Müller, Leiter der Abteilung Tarifpolitik, stellt sich auf harte Verhandlungen ein. „Von der Lufthansa ist bisher kein vernünftiger Vorschlag gekommen“, sagte Müller dem Tagesspiegel. Mit den parallelen Tarifkonflikten scheine die Fluggesellschaft überfordert zu sein, meint Müller. „Die Lufthansa starrt auf die Piloten wie das Kaninchen auf die Schlange.“ Ufo will den Termin am Mittwoch abwarten, bevor über das weitere Vorgehen entschieden wird. Klar ist aber: „Ohne eine Mindestausstattung mit Flugbegleitern dürfen die Maschinen nicht abheben“, warnt Müller vor der Macht der Beschäftigten, wie die Piloten den Betrieb lahmzulegen.

Auch die Gewerkschaft Verdi, die 50 000 Beschäftigte am Boden und in der Kabine vertritt, ist notfalls zum Streik bereit. Verdi geht es vorrangig um Arbeitsplatzsicherheit und eine Ergebnisbeteiligung der Beschäftigten. Zudem soll die Leiharbeit im Konzern begrenzt werden. Die ersten Gespräche endeten ergebnislos und wurden auf den 15. April vertagt. „Das wird eine lange Tarifrunde“, glaubt Verdi-Sprecherin Cornelia Haß.

Die Lufthansa ist in einer schwierigen Lage. Sie steht unter einem massiven Kostendruck, den die Billigflieger ausüben. Zudem buchen immer mehr Geschäftsreisende Economy statt Business oder First Class. Im vergangenen Jahr rutschte Europas größte Fluggesellschaft erstmals seit sechs Jahren wieder in die roten Zahlen. Unter dem Strich stand einen Verlust von 112 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte die Airline trotz der Wirtschaftskrise noch einen Gewinn von 542 Millionen Euro eingeflogen. Konzernchef Wolfgang Mayrhuber will nun mit einem Sparprogramm in die schwarzen Zahlen zurückkehren. Das Projekt „Climb 2011“ soll helfen, im Passagierbereich jährlich eine Milliarde Euro einzusparen. Dazu will die Lufthansa Stellen im Verwaltungsbereich kürzen. Auch bei den Personalkosten soll der Rotstift angesetzt werden.

„Wenn unsere Forderungen erfüllt werden, wird die Lufthansa ihr Ziel, bei den Personalkosten zehn Prozent zu sparen, nicht erreichen“, beschreibt Verdi-Sprecherin Haß die Konfliktlage. Zudem beobachtet jede Gewerkschaft genau, was die Lufthansa in den jeweils anderen Tarifgesprächen verspricht. „Wir werden nicht zulassen, dass Zugeständnisse bei den Piloten auf Kosten unserer Mitglieder gehen“, kündigte Haß an.

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