Wirtschaft : Lufthansa: Konjunktur belastet Ergebnis

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Die Lufthansa spürt die schwache Konjunktur in Europa und den USA: Der operative Gewinn rutschte in den ersten sechs Monaten des Jahres um knapp 70 Prozent auf nur noch 105 Millionen Euro ab. Nach Steuern verbuchte die Airline sogar einen Verlust von 43 Millionen Euro. Trotzdem ist der Vorstand zuversichtlich, für das gesamte Jahr das geplante operative Ergebnis von 700 bis 750 Millionen Euro realisieren zu können. An den Börsen wurde das mit Kursgewinnen quittiert.

Bereits im April - kurz nach der Tarifeinigung mit den Piloten - hatte Europas zweitgrößte Airline die Erwartungen für das laufende Jahr heruntergeschraubt. Neben den Streiks würden die schwächere Konjunktur und die hohen Kerosinpreise das Ergebnis drücken: Statt einer Milliarde Euro erwarteten die Lufthansa-Strategen nur noch bestenfalls 750 Millionen Euro.

Seit April hat sich an den Aussichten im Wesentlichen nicht viel verändert. Allerdings müsste die Konjunktur tatsächlich spätestens im vierten Quartal wieder anziehen, damit die Durchschnittserlöse pro Flugzeugsitz auch stabil bleiben und vor allem die Geschäfte im Frachtbereich wieder besser laufen. So gut wie das vergangene Jahr aber wird 2001 nicht. Für 2000 konnte die Lufthansa einen operativen Gewinn von einer Milliarde Euro verbuchen. Der Gewinn nach Steuern betrug 689 Millionen Euro.

Dennoch sind Analysten zuversichtlich, dass die Lufthansa trotz der schwierigen Lage ihre Ertragsziele erreicht: Jürgen Pieper, Luftfahrtexperte bei Metzler, stuft die Lufthansa-Aktie sogar von Verkaufen auf Halten hoch. Pieper räumt zwar ein, dass das Halbjahres-Ergebnis nicht gut sei. "Aber es gibt keine Gewinnwarnung." Alle negativen Faktoren, wie die Kosten für den hohen Tarifabschluss für die Piloten und die Aufwendungen für die Streiks im Frühjahr, seien im Halbjahres-Abschluss berücksichtigt. Die Deutsche Lufthansa habe zwar am Jahresanfang das Angebot zu stark ausgeweitet. Dieser Fehler werde jetzt aber mit Streckenstreichungen, die Stillegung mehrerer Jets und dem Einsatz kleinerer Maschinen korrigiert.

Trotz des schwierigen Umfeldes ist die Lufthansa im ersten Halbjahr weiter gewachsen: Der Umsatz kletterte um 13,7 Prozent auf 7,81 Milliarden Euro, die Zahl der Passagiere um 2,4 Prozent auf 23,1 Millionen. Allerdings waren die Lufthansa-Jets schwächer ausgelastet als noch vor einem Jahr. Der so genannte Sitzladefaktor sank um 1,4 Prozentpunkte auf 71,8 Prozent.

Neben der Konjunkturschwäche drückte der Pilotenabschluss, der Streik und die hohen Treibstoffpreise auf das Ergebnis. 75 Millionen Euro kostete der dreitägige Pilotenausstand, 85 Millionen Euro der Tarifvertrag für das Cockpit-Personal. Die Ausgaben für Treibstoff kletterten um fast ein Drittel auf 820 Millionen Euro. Der Konzern beschäftigte Ende Juni weltweit 85 800 Menschen, 26 Prozent mehr als Ende 2000.

All diese Faktoren drückten den operativen Gewinn auf nur noch 105 Millionen Euro, im reinen Passagierverkehr der Lufthansa waren es nur noch 49 Millionen Euro nach 253 Millionen Euro vor Jahresfrist. Allerdings konnte die Lufthansa Cityline, die vor allem innereuropäisch fliegt, ihr Ergebnis auf 30 Millionen Euro mehr als verdoppeln. Flau sieht die Lage im Cargo-Bereich aus, wo nur noch zwei Millionen Euro übrig blieben nach 82 Millionen Euro im Vorjahr. Dagegen erreichte die Lufthansa-Technik einen Gewinn von 56 Millionen Euro, nach einem Verlust von 33 Millionen Euro im Vorjahr. Weil das Finanzergebnis unter anderem durch ein saisonbedingtes Minus bei der Touristik-Tochter Thomas Cook - dort ist Karstadt-Quelle mit 50 Prozent beteiligt - einen Verlust von 205 Millionen Euro ausweist, rutschte der Lufthansa-Gewinn im ersten Halbjahr vor Steuern um satte 95 Prozent auf 24 Millionen Euro ab. Nach Steuern gab es sogar einen Verlust von 43 Millionen Euro, nach einem Gewinn von 460 Millionen Euro vor einem Jahr.

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