Wirtschaft : Lufthansa-Maschinen sind wieder voll

Betriebsgewinn soll verachtfacht werden / Harte Verhandlungen mit den Gewerkschaften

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Die Lufthansa hat auch im August wieder mehr Passagiere befördert und zählte mit 4,5 Millionen 13,6 Prozent mehr Fluggäste als ein Jahr zuvor. Insgesamt stiegen zwischen Januar und August 12,4 Prozent mehr Menschen in Lufthansa-Maschinen als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Auch die Auslastung der Jets ist um 1,3 Punkte auf 73,9 Prozent geklettert. Insofern bleiben die Aussichten für die Lufthansa gut, in diesem Jahr wie geplant den Betriebsgewinn von 36 Millionen in 2003 auf rund 300 Millionen Euro zu steigern. Im ersten Halbjahr waren es 33 Millionen Euro. Von Problemen wie bei der Alitalia ist bei der Lufthansa trotz laufender Gespräche über weitere Einsparungen weit und breit nichts in Sicht.

Die Lufthansa ist nicht nur deutlich größer als Alitalia, transportiert weit mehr Passagiere und kann damit ihren Kostenblock anders einsetzen. Sie profitiert auch von einer starken Stellung im internationalen Verkehr. Dabei spielen die Verbindungen nach Asien eine besondere Rolle. Dort und vor allem auf den Strecken nach und von China schreibt die Lufthansa ihre höchsten Gewinne. Mit ihren Heim-Flughäfen in Frankfurt am Main und München fliegt sie generell von zwei der am stärksten frequentierten Airports Europas, während die Heimat-Flughäfen von Alitalia nur eine zweitrangige Rolle spielen.

Generell hat die Lufthansa seit ihrer schweren Krise Anfang der neunziger Jahre konsequent die Kosten im Blick, sich erfolgreich beim Treibstoffkauf gegen Preisrisiken abgesichert und bis auf 2001 und 2003, als Terroranschläge, Irak-Krieg und die Lungenseuche Sars zu einem Einbruch im Fluggeschäft führten, jedes Jahr mit Gewinn abgeschlossen. Derzeit ringen Vorstand und Gewerkschaft darum, wie Einsparungen und Effizienzverbesserungen im Volumen von 1,2 Milliarden Euro bis 2005 umgesetzt werden können. Qualität, Sicherheit, Pünktlichkeit und vor allem auch Innovationen wie etwa Internet an Bord zählt Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber ebenfalls zu den Vorzügen der Lufthansa. Als wichtiges Standbein erweist sich für die deutsche Airline die Einbindung in die von ihr selbst mitgegründete Star-Allianz. Sie ist heute mit annähernd 20 Airlines das weltweit größte und erfolgreichste Netzwerk.

Gleichwohl hat auch die Lufthansa Probleme: Der globale Einstieg ins Catering-Geschäft hat sich nicht ausgezahlt, und das Tourismus-Geschäft mit der Tochter Thomas Cook, an der Karstadt-Quelle die Hälfte hält, steckt immer noch in den roten Zahlen.

Wichtiger Faktor für den Erfolg der Lufthansa ist allerdings auch das Mitziehen der Gewerkschaften. Die Verhandlungen sind zwar hart, aber Streiks bleiben die Ausnahme. Im Gegenzug verzichtet die Lufthansa seit Jahren auf Entlassungen. Für Vorstandschef Mayrhuber wären sie nur das allerletzte Mittel.

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