Wirtschaft : Lufthansa-Partner US Airways insolvent

Gewerkschaften blockieren Sparpläne / Lufthansa rechnet nicht mit Auswirkungen auf Flugverkehr

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Washington/Berlin – Die amerikanische Fluggesellschaft US Airways, Partnerin der Deutschen Lufthansa im Luftfahrtbündnis Star Alliance, hat zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren Insolvenz angemeldet. Die Gewerkschaften hätten einem Kostensenkungsplan nicht zugestimmt, sagte der Chef der siebtgrößten amerikanischen Fluggesellschaft, Bruce Lakefield, in der Nacht zum Montag in Washington. Die Lufthansa rechnet bisher noch nicht mit Auswirkungen auf ihre Flüge, teilte eine Sprecherin am Montag mit. „Wir gehen davon aus, dass US Airways unter Gläubigerschutz weiterfliegen kann“, sagte die Sprecherin.

US Airways muss diesen Gläubigerschutz unter dem so genannten „Chapter Eleven“ jetzt beim Staat beantragen. Nur wenn dieser genehmigt wird, kann der Flugbetrieb weitergehen. Wenn nicht, wäre das für die Lufthansa eine Katastrophe: Sie kooperiert wöchentlich auf über 1000 Flügen mit US Airways .

Verbraucherschützer raten davon ab, direkt bei US Airways Tickets zu buchen. „Tickets fallen in die Insolvenzmasse und wären im Insolvenzfall weg“, sagt Sabine Fischer von der Verbraucherzentrale Brandenburg. Die Schieflage ihres US-Partners könnte die Lufthansa langfristig belasten. „Es könnte schon sein, dass Fluggäste ihre Tickets in die USA lieber bei einer anderen Fluggesellschaft buchen, die das gleiche Ziel anfliegt und bei der sie ebenfalls Meilen sammeln können“, sagt Uwe Weinreich von der Hypo- Vereinsbank in München.

Die „schwierige, aber notwendige Entscheidung“ sei getroffen worden, um die Bargeldreserven zu sichern und den Umstrukturierungsplan unter gerichtlicher Aufsicht zu beschleunigen, hieß es in der Begründung von US Airways. Die Attacken vom 11. September 2001 haben die zivile Luftfahrt der USA in ihre tiefste Krise gestürzt – jetzt tragen die hohen Ölkosten dazu bei, dass sie aus dieser nicht herauskommt. Am Sonntag sagte US Airways, die Kerosinkosten würden in diesem Jahr um 300 Millionen Dollar höher ausfallen als erwartet.

Neben US Airways haben auch die anderen großen Fluggesellschaften Probleme. United Airlines ist seit Dezember 2002 im Insolvenzverfahren, Hawaiian Airlines hat diesen Schritt im März 2003 unternommen, Delta Air Line will 6000 bis 7000 Mitarbeiter entlassen. Billig-Fluggesellschaften wie Southwest, Jet-Blue und America West wachsen dagegen rasant.

Im August 2002 hatte US Airways schon einmal Pleite gemacht. Danach garantierte die Regierung dem Unternehmen einen Kredit in Höhe von 900 Millionen Dollar, so dass US Airways im April 2003 aus dem Gläubigerschutz entlassen werden konnte.Einen neuen Reorganisierungsplan will die Fluglinie Ende des Jahres vorlegen. Kernpunkte des neuen Sparplans sind Kostensenkungen in Höhe von jährlich 1,5 Milliarden Dollar und Zugeständnisse seitens der Gewerkschaften in Höhe von 800 Millionen Dollar.Denn US Airways leidet vor allem unter einer starren Arbeitsordnung und hohen Lohnnebenleistungen. Die Gesellschaft steht zudem finanziell schlechter da als vor dem ersten Insolvenzantrag im August 2002.

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