Wirtschaft : Lufthansa: Piloten bekommen 230 Millionen Mark mehr

ro

Die Auseinandersetzung zwischen der Lufthansa und ihren 4200 Piloten ist beendet. Nach dem Schlichterspruch von Ex-Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher erhalten die Piloten bei einer Laufzeit des Tarifvertrags von drei Jahren und drei Monaten für die nächsten beiden Jahre eine Erhöhung ihrer Festgehälter um 14,8 Prozent. Über die gesamte Laufzeit liegt sie bei etwa 19 Prozent. Dazu kommt jeweils eine Ergebnisbeteiligung.

Nach den Worten von Genscher sei es für beide Seiten schwierig gewesen, der Empfehlung zuzustimmen. Es gebe keine Sieger und keine Besiegten. Der Abschluss sei nicht nur gut für das Unternehmen, seine Mitarbeiter und seine Kunden, sondern auch gut für den Standort Deutschland. "Insgesamt sollte dieser Tarifstreit ein einmaliges Ereignis sein, dass sich in Form und Umfang nicht wiederholt", sagte Genscher am Freitag in Frankfurt. Sowohl Cockpit-Vertreter Michael Tarp als auch Lufthansa-Personalvorstand und Verhandlungsführer Stefan Lauer dankten Genscher ausdrücklich. "Er hat mit ausgeprägtem Gespür für die brisante Lage die Brücken geschlagen, die sich jetzt als tragfähig für die Mitarbeiter wie das Unternehmen erweisen müssen", sagte Lauer.

Der Manager bezifferte die Belastungen für sein Unternehmen aus dem Tarifabschluss auf 230 Millionen Mark allein für das laufende Jahr. Dazu gesellen sich noch einmal Rückstellungen in deutlicher zweistelliger Millionenhöhe. "Wir haben dem Schlichterspruch zugestimmt, weil nach den wiederholten Streiks ein Schlusspunkt gesetzt werden muss, um weiteren Schaden von Kunden, Mitarbeitern und dem Unternehmen abzuwenden", sagte Lauer. Die Situation innerhalb der Lufthansa müsse sich wieder entspannen, schließlich sei die Gemeinsamkeit eine Grundlage des Erfolges der Lufthansa. Man habe dem Vorschlag Genschers auch zugestimmt, weil er etliche innovative und zukunftsfähige Elemente enthalte, wie etwa die lange Laufzeit oder die Festschreibung einer variablen Vergütung, womit der wirtschaftliche Erfolg auch bei den Piloten ähnlich wie beim Management zu einem wichtigen Bestandteil der Bezahlung werde. Insgesamt könne Lufthansa die Belastungen nur mit weiterem Wachstum verkraften.

Nach Ansicht von Tarp, dem Verhandlungsführer der Vereinigung Cockpit (VC), haben die Piloten mit der Schlichtungsempfehlung, die Genscher nach zwölftägigen intensiven Gesprächen vorgelegt hatte, ihre wesentlichen Ziele erreicht. "Unsere Einkommensstrukturen werden jetzt an die anderer renommierter Airlines in Europa angepasst." VC hatte ursprünglich Zuschläge von bis zu 40 Prozent gefordert und dies unter anderem mit dem deutlichen Rückstand gegenüber den Einkommen der Piloten anderer Airlines begründet. Bis zum Scheitern der Verhandlungen am 22. Mai hatte VC diese Forderung auf 24 Prozent plus Prämien reduziert. Die Lufthansa hatte zuletzt 13,6 Prozent plus Ergebnisbeteiligung angeboten. An insgesamt drei Tagen hatten die Lufthansa-Flugzeugführer mit ihrem Streik die Airline weitgehend lahmgelegt.

Im einzelnen erhalten die 4200 Piloten von Lufthansa und Condor rückwirkend zum 1. Februar eine Erhöhung der Grundgehälter um drei Prozent. Dazu kommt zum 1. Mai eine Strukturanpassung um durchschnittlich neun Prozent. Für die restliche Laufzeit des Tarifvertrages - er endet am 30. April 2004 - werden die Grundgehälter jeweils am 1. Februar 2002 und 2003 an die durchschnittliche Tarifentwicklung in Westdeutschland angepasst. Sollten die Ergebnisse der Lufthansa allerdings signifikant besser oder schlechter ausfallen, ist eine andere Regelung möglich, die letztlich ein Schlichter bestimmt. Dazu gibt es am 1. Mai 2002 eine weitere Strukturanpassung um 2,8 Prozent. Schließlich erhalten die Piloten eine Gewinnbeteiligung, die sich nach dem Ergebnis des jeweiligen Geschäftsfeldes richtet. Für 2000 beläuft sie sich auf zwei Monatsgehälter. Die Mindestflugstunden für die Piloten erhöhen sich durch den Tarifabschluss von 73 auf 75 Stunden pro Monat.

0 Kommentare

Neuester Kommentar