Wirtschaft : Lufthansa: Piloten-Streik rund um die Uhr

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Die Lufthansa will einen Großteil der Fluggäste trotz der für heute angekündigten neuen Piloten-Streiks durch Rückgriff auf Partnergesellschaften befördern. Auch am Frankfurter Flughafen wurde Zusatzpersonal rekrutiert, um Engpässe zu vermeiden. In Branchenkreisen und an der Börse werden die Aussichten auf eine schnelle Einigung im Tarifstreit mittlerweile als gering erachtet. Der Kurs der Lufthansa-Aktie gab am Mittwoch nach.

Rund die Hälfte aller von deutschen Flughäfen abgehenden Lufthansa- und Condor-Flüge würden sichergestellt werden, kündigte Lufthansa am Mittwoch an. So werde versucht, durch Rückgriff auf die Tochter Lufthansa Cityline, aber auch andere Partnergesellschaften, die nicht vom Streik betroffen seien, die Flugausfälle so gering wie möglich zu halten. Die Maschinen von Lufthansa-Cityline und von Eurowings sind nicht von dem Streik betroffen, weil dort andere Tarifverträge gelten. Insgesamt 39 Kontinental- und Inlandsflüge sowie 20 Interkontinentalmaschinen sollen laut Notflugplan heute ab Frankfurt starten, sagte Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow am Mittwoch. Wegen des angekündigten Streiks hat die Lufthansa-Tochter C & N Touristic bereits acht Passagierflüge in Feriengebiete von Donnerstagmorgen auf den späten Mittwochabend vorverlegt.

Auch der Frankfurter Flughafen hat Vorbeugemaßnahmen ergriffen. Mit dem Einsatz zusätzlichen Personals will der Flughafen Engpässe infolge des angekündigten Piloten-Streik verhindern. Zusätzliche Flughafen-Mitarbeiter würden eingesetzt, um Fluggäste mit Informationen über die aktuelle Lage und mögliche Ersatz-Verbindungen zu versorgen, hieß es. An den regionalen Flughäfen wurden keine besonderen Maßnahmen geplant. Es sei in erster Linie Aufgabe der betroffenen Fluggesellschaften, die Passagiere zu informieren, hieß es auf Anfrage in Berlin.

Ein Ende des Tarifkonflikts ist nicht abzusehen, nachdem die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) auch das zweite verbesserte Angebot der Lufthansa als "völlig unzureichend" abgelehnt hat. Zwei Tage lang hatten VC und Lufthansa-Vorstandsmitglied Stefan Lauer in Wiesbaden über die Gehälter der 4200 Lufthansa- und Condor-Piloten verhandelt. Näher gekommen sind sie im Tarifstreit nicht. Bei der Bewertung der Zahlen liegen beide Seiten weiter meilenweit auseinander. Während die Fluglinie die Offerte bezogen auf die Grundgehälter auf durchschnittlich 10,6 Prozent beziffert, ergibt sie für VC lediglich einen Zuschlag von rund zwei Prozent für die nächsten vier Jahre zuzüglich Inflationsausgleich und einer möglichen Gewinnbeteiligung.

Die von der Lufthansa errechnete Anhebung würde dazu führen, dass ein Co-Pilot im ersten Berufsjahr mit einem Grundgehalt von brutto knapp 106 000 Mark pro Jahr nach Hause gehen könnte, ein Plus von rund 7,2 Prozent. Mit der Gewinnbeteiligung kämen für 2001 noch einmal 17 700 Mark dazu, so dass er insgesamt fast 124 00 Mark verdienen würde, 17,9 Prozent mehr als 2000. Ein Jumbo-Kapitän im 24. Berufsjahr käme auf ein Jahres-Grundgehalt brutto von knapp 338 000 Mark, ein Zuschlag von 8,50 Prozent. Die Gewinnbeteiligung läge bei gut 56 300 Mark, so dass er insgesamt gut 394 300 Mark auf dem Konto hätte. Dies wäre gegenüber 2000 ein Zuschlag von über 18 Prozent. Für die Jahre 2002 bis 2004 - so lange soll der Tarifvertrag laufen - will die Lufthansa allerdings nur den Inflationsausgleich zahlen und eine variable Vergütung je nach Höhe des Gewinns.

Bei VC rechnet man anders. "Lufthansa bietet uns nur eine Erhöhung des Grundgehalts von zwei Prozent, verteilt über die nächsten vier Jahre. Der große Knackpunkt ist die vierjährige Laufzeit", sagt VC-Sprecher Niels Stüben. Das von der Airline errechnete Plus von 10,6 Prozent teile sich zudem je zur Hälfte auf die Erhöhung des Grundgehalts und auf Strukturmaßnahmen. Letztere seien allerdings auf jeden einzelnen Piloten bezogen und damit schwer zu beziffern. Dazu gehört unter anderem, dass das Gehalt nicht mehr nur alle zwei Jahre, sondern jährlich angehoben wird. Dass die Lufthansa von 2002 bis 2004 nur den Inflationsausgleich drauflegen will und zusätzlich eine Gewinnbeteiligung von maximal zwei Monatsgehältern bietet, ist den rund 3800 bei Cockpit organisierten Lufthansa-Piloten zu wenig. Schließlich bestehe auch das Risiko, dass die variable Vergütung gegen Null tendiere - nämlich dann, wenn das Ergebnis der Airline gering ausfällt oder unter dem Strich sogar ein Verlust steht. Konkrete Berechnungen anhand von Gehältern für bestimmte Piloten lehnt VC-Sprecher Stüben ab. Mit solchen Zahlen sei in der Vergangenheit nicht fair umgegangen worden.

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