Wirtschaft : Lufthansa-Privatisierung in der heißen Phase

Interessenten können jetzt zeichnen / Image des "Staatscarriers" international längst abgelegt FRANKFURT (MAIN) (oe).Die Restprivatisierung der Lufthansa ist in den Endspurt eingetreten.Lufthansa-Vorstandsvorsitzender, Jürgen Weber, und Vertreter der plazierenden Banken zeigten sich am Montag zum Auftakt der zweiwöchigen Zeichungsfrist für rund 143 Mill.neue Lufthansa-Aktien aus Bundesbesitz zuversichtlich, daß sowohl private wie auch institutionelle Anleger aus dem In- und Ausland die Papiere kaufen werden.Zwei Drittel der neuen Aktien sollen im Inland plaziert werden.Er rechne damit, daß es zu einer Überzeichnung kommen werde, sagte Hansgeorg Hofmann vom Vorstand der Dresdner Bank. Schon im Vorfeld sei deutlich geworden, daß die Lufthansa-Aktien von vielen Anlegern als attraktives Investment erkannt worden seien.Die Bundesregierung erwartet aus dem Verkauf ihrer 35,7prozentigen Beteiligung plus der 1,8 Prozent der Kreditanstalt für Wiederaufbau einen Gewinn von 4,5 bis 5 Mrd.DM.Dies seien rund 700 bis 800 Mill.DM mehr als bisher eingeplant, sagte Finanzstaatsekretär Manfred Overhaus.Er bezeichnete die Privatisierung als einen Meilenstein auf dem Weg zum schlanken Staat. Weber machte zum Beginn seiner zweiwöchigen Werbetour noch einmal deutlich, welche Vorteile neue Lufthansa-Aktionäre (außer dem Ausgaberabatt von 1 DM) erwartet.So sei die Fluglinie durch die Einbindung in die größte Allianz von Fluggesellschaften eine der erfolgversprechendsten Airlines auf der Welt.Die Lufthansa habe das Image eines "Staatscarriers" international längst abgestreift und sei in allen Sparten innovativ und wettbewerbsfähig."Unser Kostensenkungsprogramm ist auf einem erfolgreichen Weg und wird unsere Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig stärken", sagte Weber.Schon in diesem Jahr werde sich dies durch einen Rekordgewinn von über 1 Mrd.DM vor Steuern bemerkbar machen."Und wenn der Gewinn steigt, wird auch die Dividende steigen können", betonte der Lufthansa-Chef.Hofmann wies darauf hin, daß die Lufthansa unter dem Gesichtspunkt der inneren Finanzkraft bereits jetzt eine internationale Spitzenposition einnehme.Allein seit 1992 hat die Fluglinie ihre Nettoverschuldung von über 6 Mrd.DM auf rund 800 Mill.DM in diesem Jahr gedrückt. Alles in allem hält Weber das Lufthansa-Papier für eine "sexy Aktie", die noch erhebliches Potential nach oben habe.Erst in den nächsten Jahren würden die Auswirkungen der Umstrukturierung und der Kostensenkungsmaßnahmen voll sichtbar werden.Auch erste Stellungnahmen von Börsenexperten halten einen weiteren Aufwärtstrend der Lufthansa-Aktie für durchaus möglich.In etwa zwei Jahren, so meinten einige Analysten, könnte das Papier schon 45 bis 50 DM kosten, am Montag kletterte der Kurs auf fast 34 DM. Das offenbar gute Klima für die Börsenplazierung könnte allerdings durch das Bundeskartellamt gestört werden.Nachdem der Streit zwischen der Lufthansa und den Wettbewerbshütern über das Vielfliegerprogramm Miles & More beigelegt worden ist, hat die Behörde nun Bedenken gegen die geplante Fusion der LH-Tochter Condor mit dem Reiseveranstalter Neckermann NUR.Die anstehenden Zusammenschlüsse in der Reisebranche (neben Condor/NUR noch der von Hapag-Lloyd und Preussag) seien "wettbewerblich problematisch", hieß in einem Schreiben des Kartellamts-Präsidenten, Dieter Wolf, an den Tourismusausschuß des Bundestages.Langfristig könnten auch Auswirkungen auf die Preise für Urlaubsreisen nicht ausgeschlossen werden.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben