Wirtschaft : Lufthansa-Privatisierung startet in Kürze

Waigel erhofft sich Mehrerlös von gut 1,5 Mrd.DM / Rabatt für Privatanleger

BONN (Tsp/AFP/dpa).Bundesregierung und Lufthansa haben am Mittwoch den Endspurt für die vollständige Privatisierung der Fluggesellschaft eingeläutet.Der nach der Deutschen Telekom größte Börsengang in der deutschen Geschichte wird voraussichtlich bis zu 5 Mrd.DM einbringen und damit deutlich mehr als Bundesfinanzminister Theo Waigel bislang eingeplant hatte.Von 29.September bis 10.Oktober können Anleger die Aktien zeichnen, die ab 13.Oktober an der Börse gehandelt werden sollen.Der Bund und die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) halten bislang noch 37,5 Prozent an der viertgrößten Fluggesellschaft der Welt.Mit dem Slogan "Perspektiven, die beflügeln" startet die Lufthansa am heutigen Donnerstag ihre Werbekampagne für "das Börsenereignis 1997". Für private Anleger kündigte Waigel einen Preisvorteil an und bei frühzeitigem Kaufantrag auch eine bevorzugte Zuteilung."Ich bin zuversichtlich, auch diese Privatisierung wird ein Erfolg", sagte Waigel.Der Plazierungspreis wird sich am Börsenkurs der LH-Aktie in den ersten beiden Oktoberwochen orientieren und im Rahmen eines Versteigerungs- (Bookbuilding) Verfahrens festgelegt.Über die Preisspanne, zu der die Aktien gezeichnet werden können, und den Preisvorteil für Privatanleger machten Bundesregierung und Lufthansa keine Angaben.Anders als 1996 beim Börsengang der Telekom macht die Lufthansa auch keine Zusagen über die zu erwartende Dividende. Der Bund hatte im Dezember seine verbliebenen Anteile von 35,7 Prozent zunächst bei der KfW "geparkt".Er wollte damit seinen festen Willen zur Privatisierung beweisen, konnte eine Veräußerung aber aus rechtlichen Problemen zu diesem Zeitpunkt noch nicht vornehmen.Nun sollen diese Aktien gemeinsam mit 1,77 Prozent, die die KfW seit Mitte der fünfziger Jahre hielt, an der Börse veräußert werden.Beim gegenwärtigen Kurs der Lufthansa-Aktie entspricht dies einem Gesamtvolumen von etwa 5 Mrd.DM.Der Bund erhielt bereits im vergangenen Jahr von der KfW 2,1 Mrd.DM.Weitere 1,5 Mrd.DM an Einnahmen seien bereits eingeplant, sagte Waigel.Darüber hinaus sei somit noch einmal ein Erlös von einer Mrd.DM zu erwarten. Dieser Zugewinn ergibt sich aus dem gestiegenen Aktienkurs.Während die Lufthansa Ende vergangenen Jahres bei knapp über 20 DM je 5-DM-Aktie gehandelt wurde, kostete die Aktie am gestrigen Mittwoch zum Schluß des Parketthandels an der Börse in Frankfurt (Main) 36,40 DM, 50 Pfennig mehr als am Vortag.Mit einem Kursgewinn von gut 80 Prozent seit Ende 1996 gehört die Lufthansa nach eigenen Angaben zu den drei erfolgreichsten Werten im Dax. Lufthansa-Chef Jürgen Weber verwies bei der Präsentation der Kampagne für den Börsengang auf Erfolge bei der Umstrukturierung des Unternehmens.Erst in der vergangenen Woche präsentierte die Lufthansa mit einem auf fast 400 Mill.DM verdreifachten Vorsteuergewinn das beste Halbjahresergebnis in der Unternehmensgeschichte.Alle Lufthansa-Geschäftsfelder seien profitabel, betonte Weber.Dennoch würden die eingeleiteten Sparmaßnahmen fortgesetzt, um die Lufthansa zu "einer der effizientesten und profitabelsten Airlines der Welt" zu machen.Zudem verwies Weber auf die "strategische Zusammenarbeit mit den besten" ausländischen Fluggesellschaften in den Regionen der Erde.Dadurch habe die Lufthansa einen "mehrjährigen Vorsprung", den man auszubauen versuche.

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