Wirtschaft : Lufthansa rechnet 2004 wieder mit Gewinn

Konzernchef Mayrhuber: „Wir haben die Krise bewältigt“ / Piloten protestieren gegen Sparkurs beim Personal

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Frankfurt (Main) /Berlin (ro/fw). Nach einem Rekordverlust von fast einer Milliarde Euro erwartet die Lufthansa in diesem Jahr eine Rückkehr in die Gewinnzone. „Wir haben gespart und aufgeräumt. Lufthansa hat die Krise bewältigt“, sagte LufthansaChef Wolfgang Mayrhuber am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt (Main). Um sein Ziel zu erreichen, wieder schwarze Zahlen zu schreiben, setzt Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber weiter auf seinen Sparkurs. In diesem Jahr sollen die Kosten um 430 Millionen Euro sinken, 234 Millionen Euro seien bereits realisiert. „Wir sind voll im Plan“, sagte der Lufthansa-Chef. Spätestens in zwei Jahren sollen insgesamt 1,2 Milliarden Euro eingespart sein.

Bislang sei das Jahr 2004 gut verlaufen, Auswirkungen des Anschlags von Madrid spürt die Lufthansa laut Mayrhuber bisher nicht. Vergangenes Jahr war der Umsatz der Lufthansa um sechs Prozent auf 16 Milliarden Euro geschrumpft. Der Konzernverlust betrug 984 Millionen Euro.

Um seinen Sparkurs „Mehr Arbeit für das gleiche Geld“ auch beim Personal durchsetzen zu können, stehen Mayrhuber noch harte Verhandlungen mit den Gewerkschaften bevor. Bei den Personalkosten plant Lufthansa 2004 bereits mit 105 Millionen Euro Einsparungen. Bei den Piloten kassierte er am Donnerstag jedoch eine Absage: „Die Lufthansa weigert sich, im Gegenzug für Zugeständnisse unsererseits die Arbeitsplätze langfristig zu sichern“, sagte Tarifexperte Rüdiger Fach von der Pilotengewerkschaft VC Cockpit dem Tagesspiegel.

Auch die Führungsriege spart

Ohne die Sicherung der Arbeitsplätze könne es keine Einigung geben, sagte Fach. Die VC Cockpit werde sich nun zunächst mit den anderen Gewerkschaften beraten. Auch die Gewerkschaft Verdi, die für das Bodenpersonal Gespräche führt, hatte vergangene Woche Mayrhuber eine erste Absage erteilt. Die Gewerkschaften befürchten, dass die niedrigen Personalkosten der Lufthansa-Beteiligung Germanwings überall im Konzern durchgesetzt werden sollen. Mayrhuber hat es jedenfalls eilig mit dem Sparen beim Personal: „Wir brauchen schnell Ergebnisse. Die Alternative wäre die Verlängerung des Einstellungsstopps oder gar ein Abbau von Arbeitsplätzen", sagte Mayrhuber auf der Bilanzpressekonferenz. Ende 2003 beschäftigte Lufthansa weltweit 93 246 Mitarbeiter, rund 550 weniger als ein Jahr zuvor.

Dass auch die Führungsriege am Sparkurs teil hat, zeigt die Lufthansa: Für 2003 überwies sie ihrem gesamten dreiköpfigen (bis Juni allerdings vierköpfigen) Vorstand rund 1,8 Millionen Euro als Festgehalt. Eine Tantieme gab es wegen des Verlustes von knapp einer Milliarde Euro nicht. Lufthansa-Chef Mayrhuber musste sich mit 500 000 Euro begnügen. Für 2002 hatte die Airline noch Festgehälter von zwei Millionen Euro sowie Boni von 1,7 Millionen Euro gezahlt. Zum Vergleich: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann konnte 2003 elf Millionen Euro einstreichen.

Die Lufthansa litt im vergangenen Jahr nicht nur unter den Folgen des Irak-Kriegs, der Seuche Sars, der schwachen Konjunktur und der Konkurrenz der Billigflieger. Auch die schlechten Ergebnisse der Touristik-Tochter Thomas Cook sowie der Catering-Tochter LSG Sky Chefs belasteten das Unternehmen. 2003 war ein Verlust von 262 Millionen Euro aufgelaufen, vom dem die Hälfte auf Lufthansa entfällt. Bei LSG war wegen hoher Abschreibungen ein Verlust von 826 Millionen Euro angefallen.

Trotzdem will Mayrhuber die Töchter nicht verkaufen. LSG Sky Chefs und Thomas Cook sollen laut Finanzchef Karl-Ludwig Kley spätestens in drei Jahren wieder schwarze Zahlen schreiben. Operativ erwarte der Vorstand bei LSG schon 2005 ein positives Ergebnis. Andere Geschäftsbereiche würden verkauft. An der Regionalfluggesellschaft Eurowings, deren Tochter der Billigflieger Germanwings ist, erhöhte die Lufthansa ihren Anteil von derzeit knapp 25 auf 49 Prozent zum 1. April.

In diesem Jahr will sich die Fluggesellschaft vor allem darauf konzentrieren, ihre neue Business Class ausbauen. Dazu gehört auch der Internet-Zugang in der Luft. Das ab Frühjahr mögliche Breitband-Surfen wird zwischen zehn und 30 US-Dollar kosten. Dies gab Hersteller Boeing bekannt. Die Lufthansa wird als erste Fluggesellschaft den Dienst anbieten. Ein Startpaket von 30 Minuten kostet knapp zehn US-Dollar, jede weitere Minute 0,25 Dollar. Für den gesamten Flug auf einer Langstrecke von mehr als sechs Stunden fallen pauschal 30 Dollar am.

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