Wirtschaft : Lufthansa sauer auf Rolls-Royce

Hersteller räumt ein Problem mit Triebwerk des Airbus A380 ein

J. Koenen & K. Slodczyk (HB)
Fehler im System. Qantas hat bei drei seiner Airbus A380 Öllecks in den Rolls-RoyceTriebwerken festgestellt. Foto: dpa
Fehler im System. Qantas hat bei drei seiner Airbus A380 Öllecks in den Rolls-RoyceTriebwerken festgestellt. Foto: dpaFoto: dpa

Frankfurt am Main/London - Eigentlich war die Welt von Lufthansa wieder weitgehend im Lot. Die Hektik nach der Explosion eines A380-Triebwerks der australischen Fluglinie Qantas hatte sich gelegt. Die eigenen drei A380 waren untersucht und ohne Befund wieder in die Luft entlassen worden.

Doch dann äußerte sich am Montagabend der britische Triebwerkshersteller Rolls-Royce, der unter anderem auch in Dahlewitz bei Berlin produziert, zu dem Vorfall. Die Explosion des Qantas-Triebwerks vom Typ Trent 900 habe nichts zu tun mit der Explosion einer Turbine des Typs Trent 1000 im August, hieß es. Der größere Bruder, der das Großraumflugzeug Dreamliner von Boeing befeuern soll, war den Technikern von Rolls-Royce auf einem Prüfstand um die Ohren geflogen. Der A380-Fall sei aber „ein Vorfall speziell des Trent 900“, hieß es.

Vor allem der letzte Satz hat große Bedeutung für die Lufthansa. Offiziell will sich der Konzern zwar nicht äußern. Wer aber mit Führungskräften spricht, merkt: Die Airline hegt einen gewaltigen Groll gegen Rolls-Royce. „Rolls- Royce hat damit erklärt, dass es offensichtlich ein Problem mit dem A380-Triebwerk gibt. Wir haben alles geprüft, alles ist in Ordnung. Aber so ein Satz hilft nicht gerade, bei unseren Passagieren Vertrauen zu schaffen“, wettert ein Lufthansa-Manager. Letztlich habe Rolls- Royce nur das eigene Prestigeprojekt Dreamliner retten wollen.

Was von Rolls-Royce als Beruhigungspille gedacht war, hat die Stimmung endgültig verdorben. Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber – so ist aus Unternehmenskreisen zu hören – habe sich persönlich eingeschaltet und stehe in direktem Kontakt mit Rolls-Royce-Chef John Rose. Und er ist nicht der Einzige. Auch die Verantwortlichen von Singapore Airlines, der dritten Fluggesellschaft im A380-Bund, die auf die Turbinen aus London setzt, machen mächtig Druck. Denn jeder, der derzeit in eine A380 steigt, hat die Bilder von Singapur vor Augen. Erst als das Qantas-Flugzeug wieder am Boden stand, wurde das Ausmaß des Unglücks sichtbar. Teile des geborstenen Triebwerks hatten den Flügel durchschlagen, knapp am Tank vorbei. „Jeder hier weiß, dass die Ursachenforschung dauert. Aber etwas mehr Informationen wären gut gewesen, auch für unsere Passagiere“, klagt ein Lufthansa-Manager. Doch darauf werden alle Beteiligten noch warten müssen. Rolls-Royce will vor Freitag, dem Tag, an dem es seine Zahlen präsentiert, nichts Neues bekannt geben.

Bis dahin bleibt Raum für Spekulationen. So berichten australische Medien, dass Qantas seine Triebwerke stärker belastet als Lufthansa und Singapore Airlines. Tatsächlich haben die Australier Triebwerke des Typs Trent 900-72 einbauen lassen. 72 steht für eine Schubkraft von 72 000 Pound. Lufthansa dagegen nutzt die 70er-Variante, mit 70 000 Pound. Die Mehrleistung wird nach Aussagen von Fachleuten alleine durch eine andere Chip-Steuerung erreicht. Die mechanischen Bauteile sind dagegen identisch, werden aber durch die Mehrleistung stärker belastet. Ob das die Ursache für das Unglück ist, bleibt offen. Denn auch die besser motorisierten Triebwerke haben eine Behördenzulassung.J. Koenen & K. Slodczyk (HB)

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