Wirtschaft : Lufthansa sieht Sicherheit als Staatsaufgabe

Konzernchef Mayrhuber: Bund sollte Kosten tragen

Bernd Hops

Berlin - In der Debatte um Terrorismusbekämpfung hat die Lufthansa vor überzogenen Sicherheitsvorschriften an Flughäfen gewarnt. „Die Maßnahmen müssen auf ihre Sinnhaftigkeit überprüft werden“, sagte ein Konzernsprecher am Mittwoch. Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber hatte der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ gesagt, die zusätzlichen Kosten etwa durch doppelte Kontrollen oder durch das erhöhte Gepäckaufkommen für den Frachtraum, wenn Handgepäck nur eingeschränkt erlaubt wird, erreichten „schnell drei bis vier Euro je Passagier“. Mayrhuber forderte den Bund auf, Belastungen zu tragen. „Wenn der Staat eine hoheitliche Aufgabe hat, ist es doch die, für die Sicherheit seiner Bürger zu sorgen.“

Nach den vereitelten Anschlägen, die auf Maschinen auf dem Weg vom Flughafen London- Heathrow in die USA verübt werden sollten, waren die Sicherheitsvorschriften verschärft worden. So ist die Mitnahme von Flüssigkeiten – wie zum Beispiel Getränke – nicht mehr erlaubt. Wegen stärkerer Kontrollen in Heathrow wurden die Unternehmen von dem dortigen Flughafenbetreiber BAA aufgefordert, ihre Flüge von und nach Heathrow zu reduzieren.

Teilweise überlegen Fluggesellschaften, ob sie die BAA wegen der Geschäftsverluste in London verklagen. Kritisiert werden die teilweise chaotischen Zustände. British Airways, das größte Luftfahrtunternehmen in Heathrow, teilte bereits mit, eine Klage zu prüfen. Auch die Lufthansa will sich das Thema jetzt anschauen. Eine Klage schloss ein Sprecher nicht aus. „Wir haben uns aber bis jetzt mit anderen Dingen beschäftigt.“ Die Lufthansa musste noch am Sonntagabend elf Maschinen leer von Heathrow wieder wegfliegen lassen, weil die Passagiere nicht schnell genug durch die Sicherheitskontrollen kamen.

Uwe Weinreich, Luftfahrt-Analyst bei der Hypo-Vereinsbank, hält die Schätzungen Mayrhubers zur höheren Kostenbelastung für realistisch. „Wenn die Sicherheitsvorkehrungen verschärft werden, dann sind steigende Kosten zu erwarten. Das liegt auf der Hand.“ Die Belastungen müssten aber eigentlich vom Bund getragen werden. „Sicherheit ist eine hoheitliche Aufgabe“, sagte Weinreich. Mögliche zusätzliche Kosten könnten aber von den Unternehmen geschultert werden, auch von US-Linien. Problematisch seien die verschärften Kontrollen für Billigflieger. Schließlich basiere deren Geschäftsmodell auf einem schnellen Umlauf der Maschinen.

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