Lufthansa-Streik : Bis zu 70 Flüge fallen aus

Der Arbeitskampf bei der Lufthansa hat die Hauptstadt erreicht, vier Flüge sind am Dienstag ausgefallen. Insgesamt sollen bis zu 70 Flüge gestrichen werden. Das Unternehmen signalisiert Dialogbereitschaft.

Lufthansa
Passagiere müssen mit Behinderungen durch den Streik rechnen. -Foto: dpa

Berlin/Frankfurt (Main)/HamburgDer Streik der Gewerkschaft Verdi bei der Lufthansa hat jetzt auch Auswirkungen auf Berlin, wie der Flughafeninformationsdienst berichtet. Der Flug von Frankfurt/Main nach Berlin-Tegel, der am Dienstag um 7:50 Uhr landen sollte, wurde bereits gestrichen. Drei weitere Flüge von und nach Berlin sind ausgefallen, dabei handle es sich um zwei Flüge von Tegel nach Frankfurt/ Main und einen nach München. Die meisten anderen Flüge konnten nahezu pünktlich starten.

Während in Berlin am Montag nicht gestreikt wurde, beteiligte sich am Dienstag in Tegel die gesamte Schicht an der Arbeitsniederlegung, sagte Verdi-Sprecherin Doris Fiedler. In Schönefeld seien es etwa vier Fünftel von 100 Mitarbeitern. Der Ausstand werde seine volle Wirkung aber erst in den nächsten Tagen entfalten.

Am Montag hatte der Streik kaum Auswirkungen

Auch am zweiten Tag des Streikes sind die Schwerpunkte Frankfurt und Hamburg. Neben Berlin sollen aber auch zusätzlich Stuttgart und Nürnberg in den Arbeitskampf miteinbezogen werden, teilte Verdi mit.

Am Montag hatte die Lufthansa trotz des Ausstandes von zunächst rund 5000 Mitarbeitern ihren Flugplan einhalten können. Dabei setzte das Unternehmen auf einen Notfallplan. Für die nächsten Tage erwartet die Gewerkschaft allerdings Störungen, von denen dann auch Fluggäste betroffen sein dürften. Am Montag führte der Streik lediglich dazu, dass Passagiere auf einigen Flügen ohne Essen auskommen mussten.

Streik der Techniker führt zu Ausfällen

Am Dienstag muss die Lufthansa allerdings neun Maschinen außer Dienst stellen, die wegen des Technikerstreiks nicht gewartet werden konnten, 18 Flüge sind bereits ausgefallen. Angaben des Unternehmens zufolge, fallen am Dienstag voraussichtlich 70 Flüge aus. Betroffen seien vor allem innerdeutsche und innereuropäische Verbindungen, die mehrmals am Tag geflogen würden, erklärte ein Sprecher der Lufthansa: "Das sind drei Prozent aller Flüge, die wir heute durchführen wollen."

Die Gewerkschaft verlangt für die rund 50.000 Lufthansa-Mitarbeiter am Boden und in der Kabine 9,8 Prozent mehr Geld bei einem Jahr Laufzeit. Lufthansa hatte bisher schrittweise 6,7 Prozent bei 21 Monaten Laufzeit sowie eine Einmalzahlung angeboten. Verdi hat ausgerechnet, dieses Angebot entspreche auf ein Jahr gesehen rund 3,8 Prozent mehr Geld. Das ist der Gewerkschaft nicht genug. Sie will die Streiks fortsetzen, bis Lufthansa ein deutlich nachgebessertes Angebot vorlegt.

Lufthansa signalisiert Dialogbereitschaft

Lufthansa versucht mit einem Bündel von Maßnahmen, die Folgen des Streiks abzufedern. Unter anderem hat das Unternehmen angekündigt, Wartungsarbeiten, Abfertigung und Catering nach Möglichkeit von Drittfirmen ausführen zu lassen. Trotz dieser Maßnahmen trauen vor allem Geschäftskunden der momentanen Situation wohl nicht: Die Zahl der Buchungen in diesem Bereich ist nach Gewerkschaftsangaben bereits zurückgegangen.

Die Auswirkungen des Streiks haben erste Folgen: Lufthansa-Sprecher Klaus Walther fordert die Gewerkschaft auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. "Das Angebot liegt auf dem Tisch und Verhandlungen sind aus unserer Sicht jederzeit und sofort möglich. Unsere Türen sind offen. Wir sind dialogbereit", erklärte Walther.

Der Tourismus-Beauftragte der Bundesregierung, Ernst Hinsken, wirft der Verdi vor, mit ihrem Streik die Konjunktur bei der Lufthansa zu gefährden. "Streiks wie bei der Lufthansa könnten zu einem ernsthaften Risiko für die Konjunktur in Deutschland werden", sagte Hinsken der "Passauer Neue Presse". Auch die Gewerkschaften könnten kein Interesse daran haben, dass die Lufthansa Millionen-Verluste mache und an Leistungsfähigkeit verliere, sagte Hinsken und fügte hinzu: "Ich appelliere an die Vernunft".

Der unbefristete Streik hatte am Montag um Mitternacht begonnen. Zuvor hatten mehr als 90 Prozent der betroffenen Verdi-Mitglieder in einer Urabstimmung für den Arbeitskampf gestimmt. Zu der Zahl der Lufthansa-Beschäftigten bei Verdi, macht die Gewerkschaft keine Angaben. Das Kabinenpersonal ist nach Angaben der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation (UFO) überwiegend bei ihr organisiert und nimmt nicht am Streik teil. Die Piloten werden mehrheitlich von der Vereinigung Cockpit vertreten. (jg/dpa/AFP)

0 Kommentare

Neuester Kommentar