Lufthansa-Streik : "Die Auswirkungen nehmen von Tag zu Tag zu"

Die Streiks bei der Lufthansa gehen weiter. Der Verdi-Arbeitskampf hat inzwischen auch Berlin erreicht, Dienstagabend soll Stuttgart folgen. Die Gewerkschaft fordert 9,8 Prozent mehr Geld, das Flugunternehmen will aber nur 6,7 Prozent zahlen. Dabei vermeldete das Unternehmen am Dienstag für das erste Halbjahr Gewinne.

Streik
So sieht Streik aus. Ein Lufthanseat spielt an seinem Arbeitsplatz in Hamburg Fußball. -Foto: dpa

Frankfurt/MainNach den ersten Stilllegungen von Flugzeugen wegen des Streiks bei der Lufthansa müssen Passagiere in den nächsten Tagen verschärft mit Ausfällen und Verspätungen rechnen. "Die Auswirkungen auf den Flugverkehr nehmen jetzt von Tag zu Tag zu", sagte Verdi-Verhandlungsführer Erhard Ott am Dienstag. 70 Flüge in Europa mussten am zweiten Streiktag gestrichen werden, nachdem Techniker neun Maschinen nicht gewartet hatten. Von den Ausfällen seien aber nur etwa drei Prozent aller Flüge betroffen, erklärte das Unternehmen. Lufthansa verfügt insgesamt über mehr als 500 Flugzeuge.

"Die Streiks wirken", sagte Ott. Am Dienstag hätten sich wie bereits am Vortag etwa 5000 Beschäftigte an dem Streik beteiligt. Die Kosten für Lufthansa durch Buchungsrückgänge und die Vergabe von Wartungs- und Cateringaufträgen an Drittfirmen seien hoch. Lufthansa habe es in der Hand, durch ein verbessertes Angebot die Beeinträchtigungen für die Passagiere abzuwenden.

Alle Lufthansa-Standorte streiken

Die Gewerkschaft Verdi hatte neben den Schwerpunkten in Frankfurt und Hamburg erstmals auch Berlin in die Arbeitskämpfe involviert. Am Abend sollte Stuttgart folgen. "Ab Dienstagabend sind alle Standorte der Lufthansa in Deutschland in den Arbeitskampf einbezogen", hieß es in einer Verdi-Mitteilung. Allerdings seien die Geschäftsfelder je nach Standort unterschiedlich in dem seit Montag null Uhr laufenden Streik mitaufgenommen.

Nach Einschätzung des Tarifexperten Hagen Lesch vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kann der Streik angesichts konkurrierender Gewerkschaften bei Lufthansa verheerende Folgen haben. "Da geht es dann um das Aufschaukeln von Lohnforderungen", sagte Lesch. "Verdi will ihren Mitgliedern zeigen, dass sie alles tut, um das Maximale herauszuholen." Dadurch könne die Gewerkschaft auch neue Mitglieder gewinnen.

Verdi fordert 9,8 Prozent mehr Geld

Die Arbeitsniederlegungen betreffen vor allem die Wartung und das Catering. In diesen Bereichen hat Verdi relativ viele Mitglieder. Das Kabinenpersonal, das meist bei der konkurrierenden Gewerkschaft Ufo organisiert ist, beteiligte sich nicht. Ufo will später 15 Prozent mehr Geld durchsetzen, Verdi fordert 9,8 Prozent. Auch die Piloten der Konzernmutter, die von der Vereinigung Cockpit vertreten werden, befinden sich nicht im Streik. Hier drohen aber Arbeitskämpfe bei zwei Töchtern.

Die Lufthansa versucht mit einem Bündel an Maßnahmen, die Folgen für die Passagiere abzufedern. Bei den gestrichenen Flügen handelte es sich jeweils um Strecken, die mehrfach täglich bedient werden. Daher konnten Flüge zusammengelegt werden, sagte ein Sprecher. Vereinzelt sei auf innerdeutschen Strecken auch das Catering eingeschränkt gewesen. Die Folgen für die Fluggäste seien insgesamt aber gering gehalten worden.

"Das kostet richtig Geld"

Nach Angaben von Verdi setzt das Unternehmen bei der Verpflegung auf Drittfirmen. Für die technische Wartung würden ausländische Fluggesellschaften, die ihre Maschinen in Deutschland normalerweise von Lufthansa warten lassen, inzwischen mit eigenen Technikern anreisen. "Das kostet richtig Geld", sagte Verdi-Sprecher Harald Reutter.

Die Gewerkschaft werde den Arbeitskampf fortsetzen, bis Lufthansa ein deutlich verbessertes Angebot signalisiere. "Die Einladungen zu Kaffeekränzchen reichen nicht", sagte Reutter zu der Aufforderung von Lufthansa, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Es sei bereits in vier Runden erfolglos verhandelt worden, nun müsse das Unternehmen sich bewegen. "Wir sind notfalls in der Lage, die Streiks lange aufrechtzuhalten", sagte der Sprecher.

Die Lufthansa zeigt sich gesprächsbereit

Lufthansa-Sprecher Klaus Walther forderte die Gewerkschaft Verdi auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. "Das Angebot liegt auf dem Tisch und Verhandlungen sind aus unserer Sicht jederzeit und sofort möglich. Unsere Türen sind offen. Wir sind dialogbereit", sagte Walther im Nachrichtensender n-tv.

Die Gewerkschaft fordert für rund 50.000 Lufthansa-Beschäftigte am Boden und in der Kabine 9,8 Prozent mehr Geld. Lufthansa hatte zuletzt gestaffelt 6,7 Prozent mehr Geld bei 21 Monaten Laufzeit und eine Einmalzahlung angeboten.

Am Mittwoch geht der Arbeitskampf in Berlin weiter

Am größten Berliner Flughafen Tegel wurden am zweiten Streiktag fünf Flüge gestrichen - drei von insgesamt 13 Flügen zum Drehkreuz Frankfurt sowie zwei von 14 Flügen nach München, wie ein Unternehmenssprecher sagte. Die Passagiere seien aber auf andere Verbindungen umgebucht worden. In Düsseldorf wurden sechs innerdeutsche Flüge gestrichen. In Stuttgart waren für den Abend 60 Techniker und Servicemitarbeiter zum Streik aufgerufen. Mittwoch will Verdi ihren Streik an den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld fortsetzen. Die dortigen Beschäftigten in der Technik und der Ersatzteillogistik sind weiterhin zum Ausstand aufgerufen, wie die Gewerkschaft mitteilte.

Nach Einschätzung von Experten kann ein längerer Streik für Lufthansa vor allem Einbußen bei den Geschäftsreisenden nach sich ziehen. "Mit Vollzahlern der Business- und First-Class verdient das Unternehmen Geld", sagte der Hamburger Luftfahrt-Experte Cord Schellenberg.

Lufthansa vermeldet trotzdem Gewinn

Trotz der hohen Ölpreise steigerte die Lufthansa übrigens im ersten Halbjahr 2008 ihren Gewinn. Wie das Unternehmen am Dienstag in Frankfurt mitteilte, kletterte der dementsprechende Gewinn um etwa 45 Prozent auf 705 Millionen Euro. Diese Entwicklung spiegele die stabile Entwicklung und die Einbeziehung der Swiss in die Bilanz wider. Allein die Swiss, die seit dem 3. Quartal 2007 in der Bilanz konsolidiert wird, habe 157 der 219 Millionen Euro Ergebnissteigerung gebracht.

Der Umsatz stieg um fast 20 Prozent auf 12,1 Milliarden Euro. Unter dem Strich sank das Ergebnis allerdings um mehr als die Hälfte von 992 auf 402 Millionen Euro. Hier waren im Vorjahr allerdings Sondereffekte enthalten. So hatte allein der Verkauf der Anteile am Tourismuskonzern Thomas Cook 503 Millionen Euro in die Kassen gespült. Analysten hatten im Schnitt mit einem leicht höheren operativen Gewinn und Nettoergebnis bei dem DAX-Unternehmen gerechnet.

Für das Gesamtjahr bekräftigte der Vorstand seine Prognose. Er gehe unverändert davon aus, dass das Unternehmen 2008 am operativen Ergebnis des Vorjahres anknüpfen könne. Damals hatte Lufthansa einen Rekordwert von 1,4 Milliarden Euro eingeflogen. Risiken lägen aber in einer "erneuten und nachhaltigen Erhöhung der Treibstoffpreise", einem anhaltenden Wirtschaftsabschwung und in den derzeit noch nicht absehbaren Auswirkungen der Streiks in der laufenden Tarifrunde. Die Einzelheiten ihrer Bilanz will Lufthansa an diesem Mittwoch vorstellen. (sg/dpa)

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