Wirtschaft : Lufthansa: Streiken ist Silber, Reden ist Gold

Rolf Obertreis

Wer ein um 40 Prozent höheres Gehalt fordert und das auch noch mit einem Streik durchsetzen will, scheint das Maß verloren zu haben. Zumal in einem Unternehmen, bei dem sich die Mehrheit der Angestellten mit einem vergleichsweise mageren Zuschlag von 3,5 Prozent zufrieden geben muss. So einfach ist es aber nicht. Denn es stellt sich die Frage, warum der Lufthansa-Vorstand über Jahre nicht gesehen hat, welches Forderungspotenzial sich bei den Piloten aufbaut. Schließlich weiß Vorstandschef Jürgen Weber sehr genau, was Piloten bei anderen Fluglinien verdienen. Und er weiß auch, dass die Lufthansa-Flugzeugführer über Jahre hin zurückgesteckt haben, um die Sanierung des Unternehmens zu gewährleisten. Mit verbalem Dank wollen sich die Piloten nicht mehr zufrieden geben. Immerhin ist die Lufthansa mittlerweile eine der profitabelsten Fluggesellschaften nicht nur in Europa, sondern weltweit. Jetzt ist die Situation verfahren und sehr bedrohlich. Und beide Seite haben Schuld. Nicht Streiks, sondern Gespräche sind notwendig. Sofort und ohne jede Verzögerung. Längst steht mehr auf dem Spiel als die Gehälter der 4 200 Piloten. Gäbe Weber der Forderung nach, würde er der Lufthansa jährlich zusätzliche Kosten von 300 oder sogar 400 Millionen Euro aufhalsen. Bleibt er hart, drohen wochenlange Streiks. Kunden werden verprellt und wechseln zu anderen Fluggesellschaften. Es wird eine Zerreißprobe, die dem Ansehen der Lufthansa empfindlich schaden könnte. Wie man es dreht und wendet: Piloten und Lufthansa-Vorstand müssen sofort wieder an den Verhandlungstisch. Nur wer miteinander redet, kann eine Lösung finden. Einen wochen- oder gar monatelangen Konflikt brächte die Lufthansa dahin, wo sie herkommt: In eine schwere Krise.

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