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Lufthansa und Ufo einigen sich auf Schlichtung : Friedenspflicht ab Mitternacht

Die Lufthansa geht auf eine zentrale Forderung der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo ein: Es soll keine Leiharbeit bei den Kabinen-Crews mehr geben. Am Abend einigten sich Gewerkschaft und Fluggesellschaft auch auf eine Schlichtung - weitere Streiks wird es also vorerst nicht geben.

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In den Streit zwischen der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo und der Lufthansa kommt Bewegung: Die Lufthansa beendet den Einsatz von Leih-Stewardessen in Berlin. Die Kräfte der Aviation Power sollen im kommende Jahr ein Übernahmeangebot erhalten, teilte die Fluggesellschaft in Frankfurt mit. Damit geht sie auf eine maßgebliche Forderung der Gewerkschaft Ufo ein. “Lufthansa verzichtet einseitig, auf absehbare Zeit und ohne weitere Vorbedingungen auf den Einsatz von externen Kabinencrews in Berlin“, erklärte Vorstandschef Christoph Franz am Freitag.

Es wird auch eine Schlichtung zwischen der Fluggesellschaft und der Gewerkschaft geben. Das bestätigte ein Sprecher der Lufthansa in Frankfurt am Main. Ein Schlichter wird noch gesucht. Während der Schlichtung gilt Friedenspflicht. Im Schlichtungsverfahren geht es nach Angaben von Ufo in erster Linie um die Vergütungsfragen. Parallel dazu sollen aber über alle anderen strittigen Fragen wie Leiharbeit verhandelt werden. Die Tarifparteien wollen bis Mittwoch (12. September) ein Schlichtungsabkommen unterzeichnen, in dem die Verhandlungsgegenstände festgelegt werden. Über die Person des Schlichters soll möglichst bis Ende kommender Woche Einvernehmen erzielt werden.

Europas größte Fluggesellschaft musste am Freitag weit mehr als die Hälfte ihrer Flüge streichen, das sind etwa 1000 von 1800 Flügen. Rund 100.000 Passagiere sind von dem bislang beispiellosen Ausstand betroffen. „Es ist ein bitterer Tag“, sagte ein Sprecher. Im Laufe des Tages könne es immer noch zu kurzfristigen Streichungen kommen.

Video: 100.000 Passagiere vom Ufo-Streik betroffen

Ufo-Chef Nicoley Baublies zeigte sich bereit zu einer Rückkehr an den Verhandlungstisch. „Wir sind hier nicht angetreten, um irgendwelche Privilegien durchzuprügeln. Wir sind bereit, Kompromisse zu machen. Es dürfen nur keine faulen Kompromisse sein“, sagte er im ZDF. Für die kommenden Tage schloss der Gewerkschafter weitere Streiks nach den drei bisherigen Wellen aus. Die mögliche Schlichtung verglich er mit einer Paar-Therapie: „Da braucht man manchmal einen Therapeuten, der sagt: Jetzt mal runterkommen.“ Die Lufthansa bestätigte eine anvisierte Schlichtung zunächst nicht. Es gebe „zarte Kontakte“ mit der Gewerkschaft Ufo, sagte Lufthansa-Sprecher Klaus Walther. Über den Inhalt der Gespräche habe man Stillschweigen vereinbart. Die in Medien genannten Schlichter-Kandidaten kommentierte Walther nicht. Ins Spiel gebracht wurden der frühere SPD-Chefs Franz Müntefering, der Hamburger Ex-Bürgermeister Henning Voscherau und der frühere Verfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier.

Gewerkschaft: Lufthansa hat quasi kapituliert

An den Lufthansa-Schaltern herrscht Leere. Die meisten Passagiere waren vorgewarnt. Foto: Marius Gerads
An den Lufthansa-Schaltern herrscht Leere. Die meisten Passagiere waren vorgewarnt.Foto: Marius Gerads

Den Kontakt zwischen den Tarifparteien hat Baublies eigenen Angaben zufolge wieder hergestellt. Die Lufthansa habe quasi kapituliert, indem sie für Freitag fast alles gestrichen habe. Daher habe er den ersten Schritt gemacht.
Lufthansa-Chef Christoph Franz hatte den Streik als „völlig unverhältnismäßig“ bezeichnet. Die Entwicklung sei „quasi aus heiterem Himmel“ nach eineinhalb Jahren Gesprächen gekommen, hatte er am Donnerstagabend im ZDF gesagt.

Selbst die Pilotenstreiks aus den Jahren 2001 und 2010 hatten nicht eine derart durchschlagende Wirkung. Das Restprogramm der Lufthansa besteht wesentlich aus Flügen nicht bestreikter Tochtergesellschaften wie Germanwings. Nur wenige Überseeziele sollen am Freitag von Frankfurt und München angeflogen werden. Der Streikaufruf ging an rund 18.000 Beschäftigte an sämtlichen Lufthansa-Standorte Frankfurt, München, Düsseldorf, Berlin, Hamburg und Stuttgart.

Der flächendeckende 24-Stunden-Streik der Flugbegleiter hat Auswirkungen auf den Lufthansa-Flugplan bis weit in die kommende Woche hinein. Für Samstag bis Donnerstag nächster Woche hat die Airline am Freitagnachmittag auf ihrer Website 41 weitere Flugausfälle angekündigt.

Kein Chaos in Berlin-Tegel

In Berlin sicherten die von Ufo bekämpften Leiharbeiter die Europaflüge, wie Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber berichtete. Gleichwohl fielen in der Hauptstadt zwei Drittel aller Lufthansa-Verbindungen aus. Viele Passagiere konnten aber auf Tochtergesellschaften wie Germanwings oder Swiss umgebucht werden. Die meisten Passagiere seien vorgewarnt gewesen und deshalb besser auf den Streik eingestellt als noch am Dienstag, sagte ein Lufthansa-Mitarbeiter am Schalter in Tegel dem Tagespiegel. "Wenn doch noch Reisende kommen, die nicht Bescheid wissen, buchen wir einen einen anderen Flug oder eine Bahnfahrt für sie", sagte der Lufthansa-Mitarbeiter. Die Schalter sind wie an normalen Tagen geöffnet. Die Stimmung unter den Reisenden sei friedlich.

Auch der Flughafen hatte sich auf einen möglichen Ansturm von Passagieren vorbereitet. Für die Wartenden habe der Flughafen Getränke bereit gestellt, sagte Sprecher Leif Erichsen. Für Kinder gebe es Spiele. Um die Fluggäste so gut es geht zu informieren, sei an allen Positionen „mehr Personal als üblich“ eingesetzt worden.

Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt blieb es am Vormittag zunächst ruhig, wie ein Lufthansa-Sprecher sagte. Mit 55 000 SMS und E-Mails habe die Fluggesellschaft ihre Gäste schon früh über Flugausfälle informiert.

Auch in Hamburg wurden etwa zwei Drittel der Flüge abgesagt, während auf kleineren Airports wenig vom Streik zu spüren war. Dort sind vor allem die Regionaltöchter der Lufthansa unterwegs, die nicht bestreikt werden. Ufo fordert in dem seit 13 Monaten währenden Tarifkonflikt fünf Prozent mehr Lohn, das Ende der Leiharbeit und Schutz gegen die Auslagerung von Jobs. Lufthansa bietet bei einer längeren Laufzeit 3,5 Prozent Lohnerhöhung, plant aber eine große konzerninterne Billigtochter mit niedrigeren Gehaltstarifen. Für die verbleibenden Lufthanseaten will das Unternehmen die Gehaltsstufen abflachen und für Neueinsteiger niedrigere Bedingungen durchsetzen.

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