Wirtschaft : Lufthansa unterschätzt Ufo

Die Gewerkschaft der Flugbegleiter verursacht mit ihrem Streik mehr Schaden als erwartet. Eine Einigung ist vorerst nicht in Sicht.

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„Ein gehöriges Maß an Spaß“ gehöre dazu, schreibt die Ufo in ihrer Streikfibel. Für Passagiere gab es wenig zu lachen. Foto: dpa
„Ein gehöriges Maß an Spaß“ gehöre dazu, schreibt die Ufo in ihrer Streikfibel. Für Passagiere gab es wenig zu lachen. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Wie streikt man eigentlich? Noch nie in der langen Geschichte der Lufthansa haben Mitarbeiter des Kabinenpersonals die Arbeit niedergelegt. Da scheint die Frage berechtigt. So verteilte die Unabhängige Flugbegleiter-Organisation (Ufo) eine sogenannte Streikfibel an ihre Mitglieder, um sie für die Premiere am Freitag in Frankfurt am Main zu wappnen. „Es ist Dein Recht, die Arbeit für die Dauer des Arbeitskampfes niederzulegen. Nutze Dein Recht!“, heißt es darin. Der bestreikte Arbeitgeber dürfe einem nicht kündigen, er dürfe auch keine schwarzen Listen mit Streikenden führen. Und: Es spreche absolut nichts dagegen, den Streik „mit einem gehörigen Maß an Spaß und Freude zu bewältigen“.

Am Ende des Tages hatten die in der Ufo organisierten Flugbegleiter tatsächlich deutlich mehr zu lachen als ihr Arbeitgeber Lufthansa. Der wurde offenbar von der Entschlossenheit der Stewardessen und Stewards überrascht. Hatte die Airline am späten Donnerstag noch damit gerechnet, dass sie rund drei Viertel der zwischen fünf und 13 Uhr angesetzten Flüge ab Frankfurt würde abwickeln können, lautete die Bilanz am Freitagnachmittag: Mehr als die Hälfte, 190 von 360 Flügen fielen aus. 26 000 Passagiere waren direkt betroffen. Viele mussten sich in teils mehre hundert Meter lange Schlangen einreihen, die sich vor den Schaltern der Lufthansa bildeten.

Die Aktion brachte den Flughafen zum Kollaps. Weil Stellplätze auf den Rollbahnen knapp wurden, sperrte die Deutsche Flugsicherung den Flughafen zeitweilig für alle eingehenden Flüge aus Europa, wodurch auch andere Fluggesellschaften getroffen wurden. Die europäische Flugsicherung Eurocontrol schätzte, dass europaweit wegen der Aktion rund 350 Flüge annulliert oder mindestens eine Stunde verspätet sein würden. So hatte die Frankfurter-Ufo-Aktion auch vereinzelt Auswirkungen auf die großen Flughäfen in München, Düsseldorf und Berlin-Tegel. Dort blieb die Lage allerdings ruhig.

„Das war ein Riesenerfolg, auch wenn es uns für die Passagiere und die Kollegen am Boden leidtut. Aber das muss jetzt sein“, sagte ein Ufo-Sprecher in einer ersten Bewertung. Die Lage an den deutschen Flughäfen dürfte sich nur vorübergehend entspannen. „Es werden sehr bald weitere Streikmaßnahmen stattfinden. So lange, bis die Lufthansa sich eines Besseren besinnt“, sagte er. Die Gewerkschaft ließ bis zum frühen Abend aber offen, ob sie am heutigen Samstag gleich zur nächsten Aktion aufrufen wird. Zunächst wolle sie diese erste Streikaktion auswerten. Ufo will Streikaktionen nur sechs bis sieben Stunden vor Beginn ankündigen, um es der Lufthansa so unmöglich zu machen, nicht organisierte Flugbegleiter zu den Streikorten zu befördern.

Die Lufthansa-Geschäftsführung versuchte am Freitag etwas Schärfe aus dem Konflikt zu nehmen, ohne sich allerdings öffentlich erkennbar zu bewegen. Die Gesellschaft forderte die Gewerkschaft auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Das vorgelegte Angebot sei dafür eine ausreichende Grundlage, sagte Lufthansa-Sprecher Klaus Walther in einem TV-Interview. „Wir haben Top-Flugbegleiter, die sind besser als die Flugbegleiter anderer Airlines, deshalb verdienen sie auch mehr.“ Die Lufthansa habe 3,5 Prozent mehr Gehalt und den Verzicht auf Leiharbeit und betriebsbedingte Kündigungen angeboten: „Wir denken, das ist eine gute Basis zu verhandeln.“

Zugleich habe man für die Forderungen der Gewerkschaft wenig Verständnis: „Die Lufthansa ist kein Unternehmen, das so bombig dasteht“, erklärte ein Sprecher. Passage-Vorstand Peter Gerber schrieb in einem Beitrag der Mitarbeiterzeitschrift „Lufthanseat“ vom Freitag: „Angesichts der schwierigen Wettbewerbslage brauchen wir einen Beitrag von allen Beschäftigen.“ Ufo-Chef Nicoley Baublies sagte dagegen: „Wir sind auf einen sehr langen Arbeitskampf eingerichtet.“ Die Streiks sollten in den nächsten Wochen verschärft werden. Der Arbeitskampf könne auch bis Herbst oder Winter dauern. „Ich habe warme Schuhe dabei“, sagte er. mit dapd/AFP/rtr

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