Wirtschaft : Lufthansa-Vorstand mahnt Ausbau der Infrastruktur an

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Der gegenwärtige Einbruch in der internationalen Luftfahrtbranche irritiert Lufthansa-Vorstand Wolfgang Mayrhuber nicht. Bis 2015 werde sich das Luftverkehrsaufkommen verdoppeln, versicherte er am Mittwoch im Rahmen des Handelsblatt-Wirtschaftstreffs "Business Berlin". Im Vergleich zum Bruttosozialprodukt wachse der Luftverkehr rund doppelt so schnell. Und: auf Strecken über 400 Kilometer bleibe das Flugzeug das sicherste, schnellste, ökonomischste und ökologischste Verkehrsmittel. Deshalb forderte Mayrhuber einen adäquaten Ausbau der Infrastruktur: "Wenn wir wettbewerbsfähig sein wollen, müssen wir auch erreichbar sein." Das Gerangel um Slots, das sind die Abflug- und Landerechte von Fluggesellschaften, offenbare lediglich Kapazitätsengpässe. Außerdem müsse mit dem Hürdenlauf am Himmel in Europa endlich Schluss sein, sagte er und erinnerte daran, dass im Vergleich zu den USA in Europa 47-mal so viele Luftverkehrskontrollen existieren und etwa 30-mal so viele Programmiersprachen. Dagegen könnten die Amerikaner einen Sprint am Boden hinlegen.

Mayrhubers Wort hat Gewicht. Anfang April ist der 55-jährige Österreicher zum stellvertretenden Vorstandschef im Hause Lufthansa avanciert. Ende kommenden Jahres soll er Konzernchef Jürgen Weber beerben. Eine der wichtigsten Anforderungen Webers, dass sein Nachfolger die Besonderheiten der Unternehmenskultur kennen müsse, erfüllt Mayrhuber zur Genüge. Denn er gehört seit 32 Jahren zur Firma.

1970 stieg Mayrhuber bei Lufthansa als Ingenieur in der Triebwerksinstandhaltung in Hamburg ein. Ende 1992 wurde er - wie einst auch Jürgen Weber - Generalbevollmächtigter Technik. Zwischen 1994 und 2000 war er Vorstandschef der Lufthansa Technik AG. Und seit Januar vergangenen Jahres gehört er dem Lufthansa-Vorstand an. Als Zuständiger für die Passage Airline hat Mayrhuber damit bereits heute die Verantwortung für 30 000 Beschäftigte in Cockpit, Kabine und am Boden. Und hier genießt er Sympathie. Denn er gilt als jemand, der die Dinge beim Namen nennt - auch bei Einstellungsgesprächen: "Lieber einen Knick in der Biographie als ein Knick im Rückgrat."

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