Wirtschaft : Lufthansa: Wer nach oben will, kann auch tief fallen

Rolf Obertreis

Allmählich verspielen die Piloten ihren Kredit. 24 Prozent mehr Gehalt für ein Jahr sind nicht schlecht. Darf es im nächsten Jahr vielleicht noch etwas mehr sein? Bei allem Respekt vor der Top-Leistung der Flugzeugführer werden immer weniger Normalverdiener der Argumentation der Piloten folgen. Gleich zweimal hat die Lufthansa jetzt ihr Angebot verbessert. Immerhin einmal haben die Piloten sanfte Abstriche von ihrer ursprünglichen Forderung gemacht. Aber richtig bewegt hat sich bei ihnen nichts. Sie bleiben stur im Wissen darum, dass sie den Betrieb der Fluglinie lahm legen können. Allerdings boykottieren sie damit auch die Geschäfte ihres Unternehmens. Auf Dauer schneiden sich die Piloten damit ins eigene Fleisch. Auch ihre Gewinnbeteiligung wird mit jedem Streiktag dünner. Dass auch das Image der Lufthansa leidet und viele Passagiere künftig in andere Flugzeuge steigen werden, ist dabei noch gar nicht berücksichtigt. Risse im Lage der Piloten sind längst sichtbar, mit jedem Streiktag werden sie tiefer. Und sie werden den Lufthansa-Vorstand bestärken, nicht mehr viel mehr auf die eigene Offerte draufzulegen. Dass die Piloten allmählich auch einen Keil zwischen die 60 000 Lufthanseaten treiben, macht zumindest einige von ihnen nachdenklich. Dass ihre Hartnäckigkeit auch das gesamte Tarifgefüge der Republik allmählich erschüttert und IG Metall-Chef Klaus Zwickel zur Protestrufen bewegt, lässt die Flugzeugführer indessen kalt. Sie betrachten sich längst nicht mehr als normalen Teil der Arbeitnehmerschaft, sondern als elitären Zirkel. Sie bringen zweifellos Spitzenleistungen, die eine Top-Bezahlung verdient. Doch der Bogen ist überspannt: Die Stimmung könnte bald gegen die Piloten sein. Wer immer und ohne Rücksicht nach oben strebt, kann ganz tief fallen. Das mag sich weniger auf dem Konto bemerkbar machen. Allemal aber im Ansehen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben