Wirtschaft : Lufthansa will Air Berlin auf Distanz halten

Marktführer baut Streckennetz mit Korea-Flügen aus

Juliane Schäuble

Busan - An der Aussprache muss Wolfgang Mayrhuber noch feilen. Als der Lufthansa-Chef mit launigen Worten die neue Flugstrecke München-Seoul-Busan in Betrieb nimmt, verbessern ihn die anwesenden Koreaner lachend. Auf der ersten Silbe müsse er den Namen von Südkoreas größter Hafenstadt betonen, raten sie. Die Stimmung ist aufgeräumt, kurz vor dem Eröffnungsflug sind am Gate H48 im Terminal 2 des Münchner Flughafens nur fröhliche Gesichter zu sehen.

Für Fluglinien ist das Langstreckengeschäft die wichtigste Geldquelle – und Südkorea gehört für Mayrhuber „zu den weltweit dynamischsten und wichtigsten Wirtschaftsnationen“. Mehr als zehn Millionen Überseereisen unternehmen Südkoreaner jährlich. Ein Großteil sind Geschäftsreisen, weltweit erfolgreiche Konzerne wie Samsung oder Hyundai sorgen für regen Reiseverkehr. Dreimal wöchentlich startet nun ein Airbus A340- 300 von München Richtung Südkorea.

Erfolgreiche neue Interkontinentalstrecken kann die Lufthansa gut gebrauchen. Denn in diesem Bereich wächst Europas zweitgrößter Fluglinie im Heimatland gerade ein neuer Konkurrent heran. Mit der Übernahme der Fluglinie LTU durch Air Berlin wird das Langstreckengeschäft schwieriger. Zudem reißen Spekulationen, der Billigflieger wolle als Nächstes die Charterfluggesellschaft Condor eingliedern, nicht ab. Lufthansa hält noch 24,9 Prozent an Condor, die restlichen 75,1 Prozent besitzt der Reisekonzern Thomas Cook. Noch dementiert die Lufthansa, dass es Verhandlungen über eine Trennung von Condor gebe. Interesse an Condor dürfte Air Berlin gleichwohl haben: Damit fielen der Firma zahlreiche neue Strecken und Landerechte zu. „Wir nehmen den Wettbewerb ernst“, sagt daher Mayrhuber nach Ankunft in Busan. Ein neues Sparprogramm werde „möglicherweise noch in diesem Jahr“ kommen. Details verriet er nicht. Wie lange die Lufthansa noch allein bestehen kann, ist unklar. „Wir müssen im Merging eine Rolle spielen“, sagt der Vorstandschef. Strategisch wären die spanische Iberia oder Alitalia ideal. Aber Mayrhuber mahnt, Zukäufe müssten sich auch rechnen.

Verschärft wird der Wettbewerb noch durch die Liberalisierung im transatlantischen Flugverkehr, für die die EU-Kommission vor zwei Wochen den Weg frei räumte. Wenn das Abkommen mit den USA im nächsten Frühjahr in Kraft treten wird, kann jede europäische Fluglinie von Deutschland aus in die USA fliegen. Bisher dürfen das neben der Lufthansa nur die LTU und amerikanische Gesellschaften.

Welche Flughäfen die Lufthansa künftig für US-Flüge nutzen will, verrät Mayrhuber noch nicht. Aber: Mailand etwa, so deutet er an, sei ein starker Markt. Auch bei neuen Strecken gibt sich der Airline- Chef zurückhaltend. Derzeit würden mehrere Destinationen in Asien geprüft, Indien werde immer interessanter. Angeflogen würden diese Ziele dann von Frankfurt und München. Und Berlin? „Wir warten auf den BBI“, antwortet der Lufthansa-Chef. Berlin wachse im Lufthansa-Netzwerk derzeit am schnellsten. Allerdings nicht im interkontinentalen Bereich. Die Hauptstadt habe eine „Riesenchance“ nach der Wende verpasst, indem der neue Großflughafen nicht vorangetrieben worden sei. Auch weise die Region strukturelle Schwächen auf; die Kaufkraft ist geringer als in anderen Teilen Deutschlands.

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