Wirtschaft : Lufthansa will mit Sparprogramm durch die Krise

Fluggesellschaft ist 2002 in die Gewinnzone zurückgekehrt/Skepsis für das laufende Jahr – 31 Jets aus dem Verkehr gezogen

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München (ro). Nach der Rückkehr in die Gewinnzone im Jahr 2002 hat die Lufthansa ihre Erwartungen für das laufende Jahr gesenkt: „Aus heutiger Sicht kann das Ergebnis des Jahres 2002 nicht wieder erreicht werden“, sagte Firmenchef Jürgen Weber bei der Vorlage der Bilanz in München. Terrorangst, Wirtschaftsflaute und Konsumverzicht beeinträchtigten die Branche massiv. Ein Ende der „größten Krise der Weltluftfahrt“ sei nicht absehbar, „und sie wird durch den Irakkrieg verlängert“. Wegen der unsicheren Situation wollte Weber keine genaue Prognose abgeben. Je nach Verlauf des Golfkriegs würden das Flugangebot weiter reduziert, Maschinen stillgelegt und die Arbeitszeit ohne Lohnausgleich verkürzt.

Im vergangenen Jahr verdiente die Lufthansa nach Steuern 717 Millionen Euro. 2001 hatte sie noch einen Verlust von 633 Millionen Euro verbucht; das operative Ergebnis lag bei 718 Millionen Euro, die Aktionäre sollen wieder eine Dividende von 60 Cent erhalten. In den ersten drei Monaten 2003 gab es offenbar deutliche Buchungsrückgänge. Weber sieht die Lufthansa dennoch in einer guten Position. Sie werde aus der derzeitigen Krise gestärkt hervorgehen.

Anfang kommender Woche setzt die Lufthansa ein weiteres Sparpaket in Kraft: Auf Langstrecken sollen kleinere Flugzeuge eingesetzt werden, laufende ITProjekte werden gestoppt, Werbemaßnahmen eingeschränkt. Zudem werden weitere Flugzeuge aus dem Verkehr genommen. Eine Zahl nannte Weber nicht. Fest steht seit längerem, dass bei der Lufthansa und ihren Tochtergesellschaften vom 1. April an insgesamt 31 Jets stillgelegt werden. Möglicherweise nutzt die Lufthansa auch den neuen Tarifvertrag, der die Reduzierung der Arbeitszeit von 37,5 auf 35 Wochenstunden mit entsprechenden Lohnabschlägen vorsieht. Mit dem bereits im Februar verkündeten Sparpaket sollen die Kosten in diesem Jahr um 100 Millionen Euro gedrückt werden. 2002 waren die Ausgaben um rund 900 Millionen Euro reduziert worden. Dennoch werden bis Mitte 2004 in Frankfurt und München in ein eigens für Top-Kunden reserviertes Terminal rund 30 Millionen Euro investiert.

Nachdem die Geschäfte in den ersten neun Monaten 2002 gut gelaufen seien, gab es seit November wegen der Irak-Krise, der Terrorfurcht und der lahmenden Konjunktur einen kontinuierlichen Rückgang der Nachfrage. Geschäftsreisende wechselten in die Economy-Class oder verzichteten ganz auf die Reise. Auch Privatkunden hielten sich zurück. 44 Millionen Passagiere wurden 2002 transportiert (minus 3,8 Prozent). Trotzdem erhöhte sich die Auslastung der Jets um 2,4 Prozentpunkte auf 73,9 Prozent. Der Umsatz kletterte um 1,7 Prozent auf 17 Milliarden Euro. Gleichzeitig konnte die Lufthansa den Aufwand um 5,4 Prozent auf knapp 17,5 Milliarden Euro drücken. Die Treibstoffkosten lagen bei 1,3 Milliarden Euro und damit knapp 17 Prozent niedriger als 2001. Bis auf den Touristik-Ableger Thomas Cook mit einem Verlust von 67 Millionen Euro konnten alle Geschäftsfelder Gewinne erwirtschaften.

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