Luftkissen und Sonnenstrom : Wo die Parteien Strom und Heizenergie kaufen

Eine Umfrage unter allen im Bundestag vertretenen Parteien zeigt viel Umweltbewusstsein in den Parteizentralen. Doch es gibt auch Überraschungen.

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Öko auf dem Dach. Solarzellen - hier auf dem Jakob-Kaiser-Haus des Bundestages - finden sich bei CDU, SPD und Grünen. Foto: Zenit Foto: Paul Langrock Agentur Zenit
Öko auf dem Dach. Solarzellen - hier auf dem Jakob-Kaiser-Haus des Bundestages - finden sich bei CDU, SPD und Grünen. Foto: ZenitFoto: Paul Langrock Agentur Zenit

Berlin - In den Wahlprogrammen aller im Bundestag vertretenen Parteien kann man Begriffe wie „Nachhaltigkeit“ und „Umweltschutz“ lesen, wobei die Parteien darunter recht unterschiedliche Dinge verstehen. Nicht zuletzt der Streit um das Energiekonzept der Bundesregierung macht das deutlich. Um sie an ihren Taten zu messen, hat der Tagesspiegel allen Bundesgeschäftsstellen die Frage gestellt: Woher beziehen Sie Ihren Strom, woher die Wärme? Woher also kommt die Energie in den Parteizentralen? In den Antworten spiegelt sich teilweise die energiepolitische Position der Parteien wieder, doch es gibt auch Überraschungen.

CDU

Bei der Wahl der Energieversorger gibt sich das Konrad-Adenauer-Haus in der Klingelhöferstraße in Tiergarten konservativ: Man beziehe Strom und Wärme jeweils über „einen regionalen Anbieter“, heißt es, ohne dass der Sprecher ein konkretes Unternehmen nennt. Man darf unterstellen, dass es sich um die ehemaligen Berliner Grundversorger Vattenfall (Bewag-Nachfolgerin) und Gasag handelt, die jeweils mehr als 80 Prozent aller Kunden in der Stadt versorgen.

Die Geschäftsstelle (Erstbezug im Jahr 2000) wird mit Fernwärme geheizt, die quasi als Abfallprodukt im Kraftwerk entsteht und insofern als umweltfreundlich gilt. Auf dem Dach der Parteizentrale steht eine Photovoltaikanlage, die den Strom ins Netz des Versorgers speist. Stolz ist man bei der CDU auf die gläserne Fassade des Gebäudes. Sie habe die Funktion einer „Klimahülle“, die im Sommer die Hitze und Feuchtigkeit des Gebäudes über Öffnungen abführt und zusätzliche Kühlung bewirkt. Im Winter erwärmt das Glas das einfallende Sonnenlicht „und bildet wie ein Treibhaus ein warmes Luftkissen um das Gebäude“, so die Auskunft.

FDP

Die Liberalen residieren in einem Gebäude, das 1912 für den Dominikanerorden gebaut wurde und denkmalgeschützt ist. Entsprechend eingeschränkt dürften die Möglichkeiten sein, energetische Sanierungen vorzunehmen. Der Partei gehört der 11 000 Quadratmeter große Komplex an der Reinhardstraße in Mitte. Allerdings nutzt die Geschäftsstelle im Thomas-Dehler-Haus nur zehn Prozent der Fläche, der Rest ist vermietet. Die Auskunft der FDP fällt knapp aus: Man solle einen Teil der Fragen an den Vermieter richten (also die FDP?). Die Räume der Geschäftsstelle würden mit Fernwärme von Vattenfall versorgt. Zudem beziehe die FDP von Vattenfall den Tarif „Öko Pur“.

SPD

Das Willy-Brandt-Haus in der Wilhelmstraße in Kreuzberg ist vier Jahre älter als die CDU-Zentrale, aber ökologisch fortschrittlicher: Der Strom für die Sozialdemokraten kommt vom Anbieter Lichtblick und stammt ausschließlich aus regenerativen Quellen. Die Wärme und ein Teil des Stroms werden im Keller in einem Blockheizkraftwerk erzeugt, das mit Gas befeuert wird. Die heißen Abgase werden in einem Drei-Wege-Katalysator gereinigt und für verschiedene Zwecke verwendet: Zum Erwärmen der Luft der Belüftungsanlage, des Wassers in den Heizkörpern und des Nutzwassers für die Wasserhähne. Im Sommer kann diese Wärme in Kombination mit einer Absorptionskältemaschine auch zur Kühlung des Gebäudes genutzt werden. Auf dem Dach steht eine 300 Quadratmeter große Photovoltaikanlage mit einer Spitzenleistung von 30 Kilowatt. Der auf das Dach niedergehende Regen wird aufgefangen und den Toilettenspülungen im Haus zugeführt.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Wer bei der Ökopartei Öko-Hightech vermutet, liegt falsch. Die Geschäftsstelle von Bündnis90/Die Grünen residiert in einem klassischen Altbau am Platz vor dem Neuen Tor, im Schatten der Charité. Der zu 100 Prozent regenerativ erzeugte Strom stammt wie bei den Sozialdemokraten von Lichtblick, beheizt wird das Haus mit Gas, das seit 2008 immerhin in einem modernen Brennwertkessel verbrannt wird. Seit dem Jahr 2000 haben die Grünen eine Photovoltaikanlage auf dem Dach stehen, mit einer theoretisch möglichen Spitzenleistung von 16 Kilowatt – „mehr Fläche bietet unser Dach leider nicht“, bedauert Bundesgeschäftsführerin Dorothea Staiger. Die Anlage der Grünen wurde mit öffentlichen Mitteln bezuschusst und muss daher den Strom 15 Jahre lang ins öffentliche Netz einspeisen. Ab 2015 dürfen die Grünen den Strom selber nutzen.

DIE LINKE

Die Bundesgeschäftsstelle der Linken sitzt im Karl-Liebknecht-Haus zwischen Alexanderplatz und der Volksbühne. Das Gebäude wurde 1910 erbaut, im Krieg teilweise zerstört und ist wie das der FDP denkmalgeschützt und daher nicht für eine Solaranlage geeignet. Die Linke bezieht den Strom von Vattenfall zum Tarif „Komfortstrom“. Zum 1. April kommenden Jahres erfolgt der Wechsel zum Anbieter Naturstrom. Bei der Wärme hat die Parteizentrale 1999 einen Contracting-Vertrag mit der „Dezentrale Energieversorgung GmbH“ in Berlin abgeschlossen – über 15 Jahre. Dieser Vertrag wurde während der Laufzeit mehrfach an Investoren weiterverkauft, teilt die Geschäftsstelle mit, zwischenzeitlich auch an den westdeutschen Energiekonzern RWE, dann an die Stadtwerke Hannover. Derzeit prüfe man mehrere „nachhaltige Lösungsmöglichkeiten“ für die Zeit ab 2014, wenn der Vertrag ausläuft: Im Gespräch sei auch ein Anschluss ans Fernwärmenetz oder der Einbau eines Blockheizkraftwerkes, heißt es.

CSU

Die CSU wird als bayerische Schwesterpartei der CDU oft vergessen. Die Umfrage wurde auch ins Franz-Josef-Strauß- Haus nach München geschickt. Dort teilte man mit, dass man zu solchen Fragen grundsätzlich keine Auskunft gebe.

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