Wirtschaft : Luftverkehr: Airlines erholen sich schwer von Anschlägen

bir/ro

Die Fluggesellschaften erholen sich nur schwer von den Terroranschlägen vergangener Woche. Auf der Nordatlantik-Strecke wurden zwar fast alle Flüge bis auf Verspätungen von rund einer Stunde normal abgefertigt, in den USA haben allerdings mehrere Fluggesellschaften Kürzungen ihrer Flugpläne und drastische Sparmaßnahmen angekündigt. Die angespannte Lage ließ die Kurse der Flugaktien in USA und in Europa denn auch weiter einbrechen.

Die drittgrößte US-Fluggesellschaft Delta Air Lines schloss sich anderen Fluggesellschaften an und strich ein Viertel ihrer Flüge. Zuvor hatten bereits Northwest Airlines und United Airlines ähnliche Flugstreichungen angekündigt. Sollte die US-Regierung der angeschlagenen Industrie nicht zur Hilfe kommen, müsse auch Delta Stellen streichen, vermeldete Vorstandschef Leo Mullin gestern: "Die Flugindustrie darf nicht das erste Opfer dieses Kriegs sein", sagte er.

Seit Freitag prüft der US-Senat einen Gesetzentwurf über Finanzhilfen in Höhe von 15 Milliarden Dollar für die Fluggesellschaften. Davon sollen 2,5 Milliarden Dollar direkt und 12,5 Milliarden Dollar als Darlehen zur Verfügung gestellt werden. Am Wochenende hatte die amerikanische Continental Airlines den Abbau von 12 000 Stellen angekündigt und von einem möglichen Konkurs im nächsten Monat gesprochen.

An der New Yorker Börse wurde gestern das Desaster der Fluggesellschaften perfekt gemacht: American Airlines verloren zum Marktbeginn fast die Hälfte, Northwest ging um 34 Prozent in die Knie. Delta Air Lines fielen über 27 Prozent auf rund 18 Dollar, United Airlines um 40 Prozent auf 18,50 Dollar. Die US-Investmentbank Lehman Brothers geht von einem Kollaps des Inland-Flugverkehrs und einer Abschwächung des internationalen Verkehrs aus. Der weltweite Flugverkehr sollte im laufenden Jahr um ein Prozent zurückgehen, heißt es in einer Studie der Bank.

In Europa ist die Fluggesellschaft British Airways von den Folgen des Terroranschlags am stärksten betroffen. Der Konzern hat drei Krisenstäbe eingerichtet und will bis Anfang kommender Woche über "angemessene Maßnahmen" entscheiden. Befürchtet wird ebenfalls ein drastischer Stellenabbau sowie Streckenstreichungen. Dem Traditionsunternehmen mit 58 000 Mitarbeitern droht der Sturz aus dem wichtigen FTSE-100-Index der Londoner Börse.

In den vergangenen Tagen verlor der Konzern an der Börse drastisch an Wert. Der Wert näherte sich gestern Mittag mit 163 Pence dem Ausgabekurs von 125 Pence weiter an. Nach Schätzungen der Deutschen Bank hat die Krise British Airways allein in der vergangenen Woche rund sieben Millionen oder umgerechnet 21 Millionen Mark pro Tag gekostet. Für den Konzern könnten sich damit langsam Finanzprobleme auftun. Bis Ende Juni hatte BA einen Schuldenberg von rund 20 Milliarden Mark angehäuft. Auch die britische Fluggesellschaft Virgin Atlantic kündigte gestern an, 1200Stellen streichen zu wollen.

Die Deutsche Lufthansa stellt den einzigen Direktflug von Berlin in die USA nach nur einem halben Jahr ein. Wegen der Folgen der Terroranschläge entfallen zudem täglich ein Hin- und Rückflug zwischen Frankfurt und New York sowie fünf Mal die Woche eine Verbindung zwischen Frankfurt und Washington. Ansonsten seien die Flüge von und nach Nordamerika bis auf sicherheitsbedingte Verspätungen von rund einer Stunde aber normal abgefertigt worden, hieß es. Die Aktie der Lufthansa hatte am Montag ebenfalls wieder stark nachgegeben. Bei Börsenschluss lag sie bei 11,27 Euro. Sie hat damit seit den Terroranschlägen vergange Woche rund ein Drittel ihres Wertes eingebüßt.

Nach Information der "Börsen-Zeitung" wird der Gewinn der Lufthansa in Folge der Terroranschläge in den USA deutlich einbrechen. Die Fluggesellschaft rechne für das laufende Jahr nur noch mit einem operativen Ergebnis von deutlich unter 500 Millionen Euro. Bislang sei die Lufthansa von 700 bis 750 Millionen Euro ausgegangen. Die Airline hatte wegen der schlechten US-Konjunktur schon im Sommer ihr ursprüngliches Ziel, mit einer Milliarde Euro in diesem Jahr wieder soviel verdienen zu können wie 2000, revidieren müssen. Durch die Misswirtschaft des früheren Managements deutlich geschwächt geht die Swissair Group in die weltweite Airline-Krise. Die Aktie erreichte mit 52 Schweizer Franken ein neues Mehrjahrestief.

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