Wirtschaft : Luftverkehr: Assekuranz stiehlt sich aus der Verantwortung

Martina Ohm

Zehn Tage nach den Terroranschlägen in den USA rückt allmählich ins Bewusstsein, wie stark die Erschütterungen in verschieden Wirtschaftszweigen sind. Die Achterbahnfahrt der Aktienkurse und die alarmierenden Nachrichten aus der Luftfahrtbranche belegen die Dramatik. Zu den verbliebenen Fixpunkten im unternehmerischen Koordinatensystem gehört die bittere Erkenntnis, dass es Sicherheit nicht zum Nulltarif gibt und Restrisiken bleiben. Aktuelles Beispiel: Die Versicherungswirtschaft. Weil das Unfassbare Realität geworden ist, stiehlt sich die Assekuranz jetzt aus der Verantwortung. Ultimativ wurden die Fluggesellschaften vor vollendete Tatsachen gestellt: In Zukunft werden die Versicherungen für Drittschäden an Gebäuden, wie sie in den USA entstanden sind, nicht mehr im gewohnten Umfang geradestehen. Mehr noch: Die Assekuranz haftet künftig nicht nur lediglich für ein Bruchteil der Risiken, sondern schraubt die Prämienzahlungen in astronomische Höhen. In der Branche heißt das wohl Schadensbegrenzung. Die Fluggesellschaften freilich bringt dieses Geschäftsgebahren auf gefährliche Weise zusätzlich in die Klemme - und die Regierungen in Zugzwang. Denn ohne dass der Staat mit eigener Haftung kurzfristig in die Bresche springt, müssten die Flieger nächste Woche am Boden bleiben. Wie kein Autofahrer ohne ausreichende Haftpflichtversicherung seinen Wagen bewegen darf, so dürfen auch die Airlines nicht ohne adäquaten Versicherungsschutz an den Start. Soll der Flugverkehr nicht zum Erliegen kommen, bleiben Bundesregierung und EU keine Alternative zu einer entsprechenden Patronatserklärung, wie sie die US-Regierung für ihre Airlines bereits abgegeben hat. Ob das aber eine Dauerlösung sein kann? Es sieht danach aus. Die Politik hat keine Wahl. Denn die Bewältigung der Folgen von Terroranschlägen und Krieg fordert in erster Linie die Hilfe des Staates.

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