Luftverkehr : Deutsche Bank setzt auf Air Berlin

Ein Achtel der Fluggesellschaft gehört dem Geldhaus. Das nährt Übernahmegerüchte und hilft der Aktie.

Rainer W. During,Rolf Obertreis

Berlin/Frankfurt am Main - Air Berlin hat gestiegene Passagierzahlen vorgelegt und bleibt Gegenstand von Übernahmespekulationen. Im ersten Halbjahr beförderte die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft 10,1 Millionen Passagiere, 11,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Die Auslastung legte um 0,8 Punkte auf 74,2 Prozent zu. Im Juni wurden 2,2 Millionen Reisende gezählt und damit sogar 13,9 Prozent mehr.

Nach starken Kursgewinnen Ende der vorigen Woche legte die Aktie am Montag nochmals zu – zeitweise um sechs Prozent auf 17,28 Euro. Der Titel schloss bei 17 Euro, das war ein Plus von 4,2 Prozent. Hintergrund ist die Nachricht, dass die Deutsche Bank mittlerweile 12,75 Prozent der Aktien hält. Allerdings liegen sie überwiegend oder ganz bei der Investment-Tochter DWS und nicht direkt bei der Bank. Weder Ryanair noch Air France – beide Namen kursieren als mögliche Käufer – äußerten sich.

Trotzdem sagte Jürgen Pieper, Luftfahrtanalyst des Bankhauses Metzler, der Gedanke an eine Übernahme sei nicht abwegig. „Air Berlin hat keinen Großaktionär und ist mit einer Marktkapitalisierung von einer Milliarde Euro nicht sehr teuer.“ Doch werde es kaum zu einer schnellen Übernahme kommen. „Die Deutsche Bank agiert als klassischer Investor und betrachtet Air Berlin einfach als gute Geldanlage.“ Zudem entfernen sich Air Berlin und Ryanair geschäftspolitisch immer weiter voneinander. „Air Berlin verabschiedet sich mehr und mehr aus dem Billig-Segment und schielt auch auf die Langstrecke“, sagte Pieper. Dies zeige auch die jüngste Bestellung von 25 Maschinen der neuen Boeing 787 Dreamliner. Ähnlich sieht es Sören Wiedau von der Berliner Weberbank. „Air Berlin hat eine ganz andere Strategie als Ryanair und richtet sich eher an Geschäftsreisende.“ Allerdings bleibe Air Berlin durchaus ein Übernahmekandidat und komme für größere europäische Airlines in Frage.

„Wir haben keine Erkenntnisse, dass irgendjemand gezielt etwas aufkauft“, sagte Air-Berlin-Sprecher Peter Hauptvogel. Die Deutsche Bank sei von Anfang an beim Börsengang dabei gewesen. Ob sie im Auftrag Dritter handele, wisse man nicht. „Wir fahren unsere eigene Strategie und lassen uns von Gerüchten nicht beeinflussen.“ Ryanair wolle zu solchen Spekulationen keinen Kommentar abgeben, sagte die Deutschlandchefin des irischen Billigfliegers, Katja Zarbock. Air Berlin verfolge aber „schon eine andere Philosophie“ als Ryanair, fügte sie hinzu. Wie Air France äußerten sich auch die beiden anderen deutschen Billigflieger, Germanwings und Tuifly, nicht.

Air Berlin und Ryanair gelten als erbitterte Konkurrenten. Ryanair-Chef Michael O’Leary hatte sich vor gut einem Jahr über den damaligen Börsengang von Air Berlin abfällig geäußert. Das Unternehmen werde nie an Gewinn, Preise und Service des irischen Billigfliegers herankommen. „Die Leute sind dumm, wenn sie Air-Berlin-Aktien kaufen“, sagte er.

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