Wirtschaft : Luftverkehr im Aufwind

Asien und Nordamerika legen zu, Europa schwächelt

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Berlin - Die Luftverkehrsbranche erholt sich schneller als erwartet. Die International Air Transport Association (IATA) geht davon aus, dass die 230 Fluggesellschaften, die Mitglied in dem Branchenverband sind, in diesem Jahr weniger Verlust machen werden, als bisher prognostiziert. Bereits im März hatte man das für 2010 erwartete Minus auf 2,5 Milliarden Dollar halbiert. Am Montag werde der Wert erneut korrigiert, kündigte IATA- Generaldirektor Giovanni Bisignani am Donnerstag in Berlin an. Hier findet von Sonntag bis Dienstag die Jahreshauptversammlung des Verbandes statt. IATA-Mitglieder wickeln – gemessen an den verfügbaren Sitzkilometern – 93 Prozent des weltweiten Flugverkehrs ab.

Wachstum erwarten die Fluggesellschaften insbesondere in Asien und Nordamerika, sagte Bisignani. Schwach bleibe die Entwicklung in Europa. Der nach 20 Jahren noch immer nicht realisierte einheitliche Luftraum, die Währungskrise und der Umgang mit der Aschewolke seien Belege für die Führungsschwäche der EU und der Regierungen Europas, kritisierte Bisignani. Sie würden es nicht verstehen, ihr Handeln zu koordinieren. So habe es nach dem Vulkanausbruch in Island fünf Tage gedauert, bis eine simple Telefonkonferenz organisiert worden sei. Die weitgehend überflüssigen Flugverbote hätten einen weltwirtschaftlichen Schaden von rund fünf Milliarden Dollar verursacht und allein die Fluggesellschaften 1,8 Milliarden Dollar gekostet.

Dennoch ist der IATA-Chef überzeugt, dass die Fluggesellschaften die Umsatzeinbußen von 80 Milliarden US-Dollar (rund 65 Milliarden Euro) des Krisenjahres 2009 binnen zwei Jahren wieder aufholen können. Für 2010 erwartet er einen Passagierzuwachs um sieben Prozent auf etwa 2,35 Milliarden Reisende. Das Luftfrachtvolumen soll sogar um 18 Prozent steigen. Die Nachfrage ist groß, die höhere Auslastung der Flugzeuge lässt die Ticketpreise um rund fünf Prozent in der Economy-Class steigen, bei Business- und First-Class um zehn Prozent. Dennoch kostet der Flug hier immer noch 16 Prozent weniger als vor der Wirtschaftskrise. Monatlich werden durchschnittlich 100 neue Flugzeuge an die Fluggesellschaften ausgeliefert, die zeitgleich weniger als 20 ältere Maschinen ausmustern. Im April wurden zusätzlich mehr als 50 stillgelegte Jets reaktiviert.

Auf ihrer Jahreshauptversammlung werden 700 Führungskräfte der Branche die Zukunft des Luftverkehrs diskutieren. Der braucht dringend neue Rahmenbedingungen, denn bisher fliegt man noch immer auf der Grundlage von 60 Jahre alten Vereinbarungen aus der Zeit der Propellermaschinen. Ohne bilaterale Abkommen sei keine Fluggesellschaft in der Lage, ihr Produkt auf dem Weltmarkt anzubieten, klagte Bisignani. Das sei ein großes Handicap gegenüber anderen Wirtschaftszweigen. Ebenfalls auf der Tagesordnung stehen Fragen der Sicherheitsbestimmungen. Rainer W. During

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