Wirtschaft : Luftverkehr: Lufhansa verliert Millionen

Entgegen den Hoffnungen einiger Fluglinien wird der Luftverkehr von und nach Nordamerika voraussichtlich auch am Donnerstag bis auf weiteres still stehen. Die Deutsche Lufthansa zog ihre ursprüngliche Ankündigung zurück, sechs Flüge in die USA starten zu lassen. "Wir haben dafür kein grünes Licht bekommen", sagte eine Firmensprecherin auf Anfrage in Frankfurt. Damit fielen bei der Linie seit Dienstag bereits fast 80 Transatlantik-Flüge aus. Auch die anderen internationalen Fluggesellschaften strichen erneut ihre Nordamerika-Verbindungen. Nach Einschätzung von Analysten wird die Lufthansa ihre bereits nach unten korrigierten Ergebnisziele 2001 nicht mehr erreichen. Die Aktie gab am Donnerstag nach zunächst fester Tendenz erneut nach.

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Osama bin Laden: Amerikas Staatsfeind Nummer 1 gilt als der Hauptverdächtige Über das wirtschaftliche Ausmaß der Streichungen konnte Lufthansa-Sprecherin Christine Ritz noch keine Angaben machen. "Natürlich fallen Erträge aus, und es entstehen Kosten", räumte sie ein. Eine aussagekräftige Prognose der Belastung sei jedoch noch nicht möglich, zumal das Ende der Beschränkungen noch nicht abzusehen sei. Die Lufthansa erzielte im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben etwa ein Fünftel ihrer Verkehrserlöse mit Passagieren auf Nordamerika-Strecken. Konzern-Chef Jürgen Weber hatte bereits gesagt, es sei mit klaren Einschnitten für die internationale Luftfahrt zu rechnen.

Analysten schätzten den Umsatzausfall für die Lufthansa durch den momentanen Wegfall der Nordamerika-Routen auf täglich rund zehn Millionen Euro. Insofern sei das Ausmaß der Streichungen bisher noch nicht so dramatisch, sagte ein Lufthansa-Experte. Fraglich seien vielmehr die weiteren Einbußen in Folge einer sinkenden Nachfrage aus Angst vor weiteren Anschlägen und Terrorakten. Relativ sicher sind sich die Branchenkenner, dass die Lufthansa ihren für 2001 angepeilten operativen Gewinn von 700 bis 750 Millionen Euro nicht mehr erreichen kann. Dabei war diese Prognose von der Lufthansa auf Grund der kostspieligen Piloten-Streiks und Tarifanhebungen bereits von zuvor rund einer Milliarde Euro reduziert worden.

Auch Uwe Weinreich, Lufthansa-Analyst der Hypo-Vereinsbank, hält es für unwahrscheinlich, dass die Lufthansa ihre gesteckten Gewinnmarken 2001 einhalten kann. "Niemand im Markt erwartet noch, dass die Lufthansa ihre Prognose aufrechterhält. Ich glaube, dass sie (beim operativen Gewinn) deutlich unter 700 Millionen Euro, wahrscheinlich sogar unter einer halben Milliarde liegen wird", sagte Weinreich. Der Konzern habe schließlich bereits früher eingeräumt, dass das Ergebnisziel von der weiteren konjunkturellen Entwicklung abhänge. Weinreich sagte für die kommenden Monate für alle großen Fluglinien einen "dramatischen Einbruch" der Zahl der Nordamerika-Verbindungen voraus. Zusätzliche Belastung für die Branche könnte von möglichen Militäraktionen der USA als Vergeltung für die Terroranschläge ausgehen.

Der Aktienkurs der Deutschen Lufthansa erholte sich am Donnerstag von den jüngsten Einbrüchen zunächst leicht, fiel dann jedoch ins Minus und notierte gegen Mittag mit 12,27 Euro, nachdem sie am Mittwoch bereits mit 11,30 Euro auf das niedrigste Niveau seit fast viereinhalb Jahren notiert hatte. Das britische Investmenthaus Schroder Salomon Smith Barney hatte kurz zuvor die gesamte europäische Flugindustrie wegen der Anschläge in den USA beziehungsweise deren Auswirkungen auf die Branche zurückgestuft und das Kursziel für die Lufthansa-Aktie auf 17,50 Euro reduziert. Europaweit gerieten die Papiere von Fluglinien deutlich unter Druck.

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