Luftverkehr : US-Milliardär will bei Air Berlin einsteigen

Bei der Fluggesellschaft Air Berlin ein neuer Hauptaktionär einsteigen. Der US-Milliardär Leonard Blawatnik übernimmt einen 18,56-Prozent-Anteil übernehmen, den der Investor Vatas gerade verkauft hat.

BerlinDer russischstämmige Investor Blawatnik steigt bei der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin ein. Seine Investmentgesellschaft Access Industries übernimmt das Aktienpaket über knapp 18,6 Prozent vom Finanzinvestor Vatas, sagte ein Air-Berlin-Sprecher am Freitag und bestätigte damit einen Vorabbericht der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagausgabe). Die zuletzt nach mehreren Gewinnwarnungen stark eingebrochene Aktie legte im Tagesverlauf um mehr als fünf Prozent auf 7,71 Euro zu.

Die Beteiligungsfirma Vatas habe bereits am Donnerstag über ihre Tochterfirma Haarlem One darüber informiert, das Aktienpaket rund drei Monate nach dem Einstieg wieder verkauft zu haben, teilte Air Berlin am Freitag mit. Air Berlin zufolge fand der Verkauf der Anteile bereits am 1. April statt und somit genau einen Tag, nachdem die Fluglinie den Aktienmarkt mit einer Gewinnwarnung für das laufende Jahr überrascht hatte. Die Aktie hatte am 31. März allerdings bereits vor der offiziellen Mitteilung um mehr als acht Prozent nachgegeben und war im SDAX unter 7,50 Euro gefallen, so dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) eine Untersuchung einleitete.

Vermögen auf russischem Energiemarkt gemacht

Blawatnik hält Air Berlin derzeit für unterbewertet und betrachtet den Einstieg als lohnende Investition, wie die Zeitung berichtet. Die Air-Berlin-Aktie hat innerhalb des vergangenen Jahres fast zwei Drittel ihres Wertes verloren. Das US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" führt Blawatnik auf der Liste der reichsten Menschen auf Platz 113. Sein Vermögen wird auf etwa acht Milliarden US-Dollar geschätzt. Der 50-Jährige war 1978 im Alter von 21 Jahren aus Russland ausgewandert. Obwohl er völlig mittellos in den USA ankam, schaffte er es, einen Platz an der Eliteuniversität Harvard zu ergattern. 1986 gründete er seine Investmentfirma Access Industries. Sein Vermögen machte Blawatnik in der russischen Öl- und Gasindustrie sowie als Besitzer des niederländischen Chemiekonzerns Basell Holding.

Für Vatas dürfte der Ausstieg zum jetzigen Zeitpunkt ein großes Verlustgeschäft sein. Vatas hatte sich erst vor etwa drei Monaten bei Air Berlin eingekauft, als die Aktie mit etwa 13 Euro gehandelt wurde. Am Donnerstag lag sie bei etwa 7,70 Euro. Geschäftsführer der Investmentgesellschaft ist Lars Windhorst, in den 90er Jahren gefeierter Jungunternehmer, der mit Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) auf Reisen ging. Vatas gehört dem südafrikanische Unternehmer Robert Hersov. (mhz/ddp)

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