Luftverkehrsabgabe : Germanwings droht mit Abwanderung

Vom Sparen spricht die Bundesregierung. Dabei schafft sie für die Luftfahrtbranche eine neue Abgabe. Airlines und Flughafenbetreiber sind empört.

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Der Begriff steht ganz oben auf der Sparliste der Bundesregierung vom vergangenen Wochenende, gleich in Zeile Zwei unter „ökologische Luftverkehrsabgabe“. Die soll in den vier Jahren 2011 bis 2014 jeweils eine Milliarde Euro Einnahmen bringen. Der Punkt ist mit einem Sternchen versehen. Im Kleingedruckten heißt es, dass man den Betrag 2013 und 2014 gegebenenfalls durch CO2-Emissionszertifikate einnehmen könne.

Viel mehr ist nicht bekannt über diesen Plan, offenbar auch nicht, welches Ministerium die Federführung bei der konkreten Ausgestaltung dieser Flugabgabe hat: Umwelt? Verkehr? Finanzen? Gerüchte und konkrete Vorschläge gibt es dafür um so mehr.

So überraschte der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Patrick Döring, in der „Neuen Westfälischen“ mit einer sozialistischen Idee: Fluggäste der ersten Klasse sollten „stärker herangezogen werden als die einfachen Passagiere der sogenannten Holzklasse“. Basierend auf der Zahl des jährlichen Flugaufkommens gehen die meisten Fluggesellschaften davon aus, dass sie für jeden Passagier und Flug zehn bis 15 Euro abführen müssen. Diesen Betrag würden die Gesellschaften gesondert auf der Rechnung ausweisen und sich vollständig vom Fluggast zurückholen, wie ein Sprecher der Lufthansa-Tochter Germanwings sagte: „Anders könnten wir gar nicht überleben“. Germanwings prüfe jetzt, Teile des Unternehmens und der Flüge vom Flughafen Köln/Bonn ins niederländische Maastricht zu verlegen, das nur rund 60 Kilometer entfernt liege. Allerdings wolle man erst abwarten.

Die deutschen Flughäfen warnen derweil vor Jobverlusten und schrumpfenden Passagierzahlen. „Wir erwarten nach einer ersten groben Schätzung einen Passagierrückgang von drei Prozent“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbands ADV, Ralph Beisel, der Agentur Reuters. Vor allem bei Billigfliegern könnten Passagiere ausbleiben, wenn die Abgabe die Tickets im Verhältnis besonders stark verteuere. Sollte die Abgabe eingeführt werden, sehe der ADV rund 10 000 Arbeitsplätze in der Branche in Gefahr.

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