Luftverkehrsbinnenmarkt : Vor 15 Jahren begann die Liberalisierung

Seit 1987 dürfen EU-Fluggesellschaften frei zwischen allen Mitgliedsstaaten fliegen.

von
Große Konkurrenz. Wo viele fliegen sinkt der Preis.
Große Konkurrenz. Wo viele fliegen sinkt der Preis.Foto: picture alliance / dpa

„Die Erträge aus Ticketverkäufen in Europa sind seit 2003 rückläufig und werden weiter fallen“, sagt Martin Gaus, Chef der lettischen Air Baltic und Ex-Chef des von Air Berlin geschluckten Billigfliegers dba. Auch das ist eine Folge der vor einem Vierteljahrhundert eingeleiteten Liberalisierung des Luftverkehrs. Sie erfolgte in drei Schritten ab 1987, seit 1997 gilt der europäische Luftverkehrsbinnenmarkt mit der Aufhebung der Kabotage-Einschränkungen als vollendet. Das heißt: Seither dürfen EU-Fluggesellschaften frei zwischen allen Mitgliedsstaaten fliegen. Bereits in den ersten fünf Jahren gab es bei den grenzüberschreitenden Verbindungen einen Zuwachs um 75 Prozent, die Zahl der Inlandsrouten in den EU-Staaten stieg um zwölf Prozent.

Profitiert haben insbesondere die Billigflieger wie Easyjet und Ryanair, die nunmehr ganz Europa mit Verbindungen zu Niedrigstpreisen überziehen. Den großen Netzwerkcarriern wie Lufthansa, British Airways, Air France oder KLM dienen die Kurzstrecken dagegen überwiegend als Zubringer zu ihren Langstreckendrehkreuzen. Darüber hinaus versuchen sie, den neuen Konkurrenten durch eigene Niedrigtarife Paroli zu bieten. Zieht sich der Wettbewerber dann wieder zurück, steigen die Ticketpreise erneut an. So wurden nach einer Studie der Beratungsfirma Advito die Flugpreise zwischen Belgien und den deutschsprachigen Ländern drastisch erhöht, seit hier die Lufthansa-Gruppe dominanter Verkehrsträger ist.

Ein Trend, der auch auf den Langstrecken zu beobachten ist, wo die Airlines innerhalb der drei großen Allianzen Star Alliance (Lufthansa), Oneworld (Air Berlin) und Skyteam (Air France und KLM) zunehmend kooperieren statt konkurrieren. Mit immer neuen Gebühren für aufgegebenes Gepäck, Sitzplatzwahl und Bordmahlzeiten nähern sich die Endpreise der Billigflieger immer häufiger der vermeintlich teuren Konkurrenz an. Und die Wirtschaftskrise zwingt beide Seiten zu einer Angleichung der Geschäftsmodelle: Während Air Berlin einen statischen Billigtarif für „preissensitive Kunden“ einführt, reagiert Easyjet mit einem umbuchbaren Flexi-Tarif für Geschäftskunden.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar