Wirtschaft : Lust auf High-Tech-Firmen

GÜTERSLOH / SANTA BARBARA (rtr).Der Bertelsmann-Konzern hält Ausschau nach Wagnisbeteiligungen an High-Tech-Firmen.Jan Hendric Buettner, General Partner der Bertelsmann-Tochter Bertelsmann Ventures, erklärte, dafür könnten Finanzmittel bereitgestellt werden, die wesentlich über dem Startkapital der in Santa Barbara, Kalifornien, angesiedelten Gesellschaft von 25 Mill.Dollar lägen.Ziel der Beteligungsfirma sei es, Profit zu machen, Technologie und Know-how zu übertragen sowie Trends und Märkte zu erkennen.Das Interesse gelte innovativen Medien- und Internetfirmen.Bertelsmann Ventures wolle nicht nur in den USA, sondern auch in Europa in vielversprechende High-Tech-Firmen investieren, sagte Buettner.Mit diesem Engagement wolle Bertelsmann Marktentwicklungen frühzeitig erkennen."Der Witz am Internet-Business ist, daß wir durch die rasante Entwicklung noch gar nicht wissen, wo die Bedrohungen im einzelnen wirklich liegen." Als jetzt schon erkennbare mögliche Gefahren neuer High-Tech-Angebote für das Medien-Stammgeschäft nannte er die Möglichkeit, aus dem Internet Musikaufnahmen direkt auf den PC herunterzuladen oder elektronisch Buchpublikationen abzurufen.Interessengebiete bei der Suche nach Beteiligungen seien zum Beispiel Anbieter von Internet-Inhalten, von Bildungsdiensten, von Internet-Telefonie, von virtuellen Büros und Telearbeitskonzepten.Insgesamt sei nicht mehr als eine Investition pro Quartal geplant.Um die Selbständigkeit der Firmen zu erhalten, seien nur Minderheitsbeteiligungen zwischen 25 und 30 Prozent vorgesehen.

"Wir müssen schnell sein, denn wir sind hier in einem Umfeld, in dem schnell Ideen hochkommen und schnell Geld investiert wird", sagte Buettner.Der Markt innovativer Internet-Firmen entwickle sich "nicht über Riesengeld und Größe, sondern über Schnelligkeit und richtige Leute".Während in Konzernen lange intern über Vorhaben diskutiert werde, könne jemand anders schon längst Marktführer sein, sagte Buettner.

Bei den Beteiligungsfirmen und ihrer Entwicklung sei das wichtigste, möglichst schnell eine Marke und eine große Kundenbasis aufzubauen, sagte Buettner."Heute kann man so schnell wie noch nie eine Marke aufbauen." Als Beispiele nannte er den Online-Dienst AOL, bei dem Bertelsmann auch engagiert ist, und das Internet-Buchkaufhaus Amazon .Vor kurzem hatte Bertelsmann Ventures sich an der US-Firma NuvoMedia beteiligt, die ein tragbares und wiederaufladbares elektronisches Buch entwickelt hat.

Als Beispiel für den raschen Aufbau einer Kundenbasis nannte Buettner die kürzlich vom Online-Dienst AOL übernommene israelische Internet-Firma Mirabilis.Sie habe sich anfangs einzig auf Kundenfang begeben.Ohne Erlöse habe sie mit ihrer Technik ICQ Millionen von Kunden gewonnen und könne sich nun überlegen, wie damit Geld zu verdienen sei.ICQ ist eine Technik, die Internet-Nutzer informiert, sobald Freunde oder Geschäftspartner sich zur gleichen Zeit wie sie ins Netz eingewählt haben.

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