Wirtschaft : Luxemburg hat bei Investmentfonds die Nase vorn

Anlagevarianten weiter gesteckt / Fonds-Novelle soll den Abstand verkleinern und das Geschäft in Deutschland ankurbeln

DÜSSELDORF (rez). Der Frühling kommt am 1.März.Zumindest für die Manager von Investmentfonds in Deutschland, die darauf hoffen, daß die Ankündigung des Bonner Finanzstaatssekretärs Jürgen Stark wahr wird, das Dritte Finanzmarktförderungsgesetz trete an diesem Tag in Kraft.Politiker und Finanzspezialisten bauen darauf, daß der Fondsstandort Deutschland gegenüber Luxemburg etwas aufholen kann. Beim Fondsverband BVI ­ dem Bundesverband Deutscher Investmentgesellschaften ­ wird frohlockt, daß das neue Gesetz, das auch die Verjährungsfristen für fehlerhafte Anlageberatung und die Prospekthaftung neu regelt, den Finanzstandort Deutschland auf ein neues Fundament stellen könne: Neben Pensionssondervermögen für die Altersvorsorge wollen die Politiker künftig auch neue Fondskonzepte zulassen, wie Aktienlaufzeitfonds, Fonds, die exakt einen Aktienindex abbilden, Dach- und Unterfonds und geschlossene Wertpapierfonds.Zudem sollen auch Derivate stärker bei der Fondsbildung eingesetzt werden.Trotz genereller positiver Resonanz sind aber auch kritische Stimmen zur Reform der Investmentanlage zu hören: Experten sehen für Deutschland keine Chance, mit Luxemburg gleich zu ziehen. So empfinden Fondsmanager beispielsweise das Fehlen von Garantiefonds als Manko.Denn man könne etwa Laufzeitfonds absichern, aber keinen Mindestrückzahlungswert garantieren.Ängstlichen Anlegern könnte damit unnötigerweise der Weg zur Aktie versperrt bleiben.Bedenken äußerte der Bundesverband Deutscher Investment-Gesellschaften auch zur Aufnahme geschlossener Wertpapierfonds in den Katalog von Fondsgesellschaften.Mit diesem Typ werde nämlich Venture Capital beschafft, deshalb sollte es nicht mit einer Vermögensanlage per Fonds gemischt werden, warnt der Verband.Derivate könnten nicht so stark eingesetzt werden wie in Luxemburg, merkt ein Banker der Fondsgesellschaft DWS an. Bislang sind immerhin 3380 der mehr als 16 000 europäischen Fonds in Europas Fonds-Mekka aufgelegt: Luxemburg vereint mit 351,6 Mrd.Dollar nach Frankreich das zweitgrößte Fondsvermögen auf sich, während die 647 Publikumssondervermögen in Deutschland einen Wert von gut 134 Mrd.Dollar haben, weniger als 10 Prozent des gesamten Volumens in Europa.Den im Vergleich zu 3482 ausländischen Fonds geringen Anteil deutscher Fonds am deutschen Markt interpretiert Udo Behrenwaldt, DWS-Geschäftsführer, als Ausdruck internationaler Arbeitsteilung und als Zeichen für verstärkten Standortwettbewerb wichtiger Fondszentren. Welche Vorteile bietet nun ein Standort ohne eigenes großes Absatzhinterland wie Luxemburg, die dem Finanzstandort Deutschland fehlen? Für Behrenwaldt sind dafür vor allem anlagepolitische, steuerliche und Vertriebs-Gründe wichtig.Das Land setzte im Jahre 1988 als erstes Mitglied der Europäischen Union die europäische Investmentrichtlinie um und behielt deren weit gesteckten Anlagespielraum bei.So können dort zahlreiche Fondskonzepte zugelassen werden, die in Deutschland (noch) nicht erlaubt sind, aber in den EU-Staaten verkauft werden können.Außerdem gilt die Aufsichtsbehörde in unserem westlichen Nachbarland neuen Konzepten gegenüber als recht aufgeschlossen.So werden Emerging Market Fonds überwiegend in Luxemburg aufgelegt, weil die Manager über geschlossene Fonds preisgünstiger investieren können.In Luxemburg sind außerdem Fonds mit garantiertem Mindestwert möglich.Zugelassen sind dort zudem Investmentfonds, die ihre Schwerpunkte auf den Kauf und Verkauf von Optionen und Termingeschäften setzen. Doch nicht nur die unterschiedlichen Fondstypen bringen den Luxemburgern neue Kunden und Anlagegelder.Aspekte der immer wichtigeren Vertriebskonzepte sind laut DWS für Deutschland neben guter Beratung die Möglichkeit, Anlegern Produkte in D-Mark anzubieten.In Luxemburg aufgelegte Fonds können in Portionen geteilt und auf unterschiedliche Währungen lauten.Zum anderen können die Beschäftigte in dem Land mehre Sprachen, was immer wichtiger wird. Spitzenreiter der Fondsverwaltung ist allerdings nicht das Erzherzogtum sondern Irland mit seinen niedrigen Personalkosten und Steuersätzen.Steuerlich belastet der Luxemburger Fiskus den Anleger zwar in der Regel mit 0,06 Prozent des Fondvermögens.Aber dafür gibt es keine Quellensteuer.Auch die Fondsgesellschaften werden mit einem niedrigeren Steuersatz belastet als in Deutschland.Auf Kapitalerträge etwa zahlen sie in Luxemburg 39,34 Prozent, während in Deutschland für einbehaltene Erträge etwa in Frankfurt (Main) knapp 59 Prozent (Gewerbeertragsteuer: 20,5 Prozent) und für ausgeschüttete Erträge 46 Prozent Steuern erhoben werden.Insofern ist es nicht nur das Finanzmarktförderungsgesetz, sondern auch die große Steuerreform, deren Wohl und Wehe Deutschland das Frühlingswetter mitbestimmen wird.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar