Wirtschaft : Luxus-Aktien: Der Glanz der verblasst

Deborah Ball

Nachdem die Titel der europäischen Luxusgut-Hersteller während einer fast ein Jahr andauernden Hausse in die Höhe geklettert sind, macht sich unter den Analysten nun Ernüchterung breit. Ihr hohes Kursniveau haben Luxus-Aktien wie LVMH, Moët-Hennessy, Louis Vuitton, Bulgari und Gucci den haussierenden Aktienmärkten, dem starken US-Wachstum, der Euro-Schwäche und schließlich der Erholung der wichtigen asiatischen Märkte zu verdanken. Während der vergangenen zwölf Monate gewann die Gucci-Aktie 46 Prozent, LVMH 51 Prozent und Bulgari sogar 106 Prozent.

Motor der Luxus-Aktien war und bleibt der "Vermögenseffekt" - die starken Zuflüsse zu den Privatvermögen durch die lange Hausse an den Aktienmärkten. Demnächst aber könnten die erwartete Abkühlung des globalen Wirtschaftswachstums und ein möglicher Rückgang des Vermögenseffekts die Unternehmensgewinne in diesem Sektor schmälern. Die Gewinne für das erste Halbjahr, die für die kommenden Wochen anstehen, dürften noch recht kräftig ausfallen. Doch die Analysten fragen sich bereits, wann die zweistelligen Wachstumsraten, mit denen die Luxusanbieter bisher aufwarteten, ausbleiben. Folglich haben die Analysten eine ganze Reihe von Luxus-Titeln herabgestuft. Merrill Lynch empfahl kürzlich sogar, den gesamten Sektor im Portfolio unterzugewichten und stufte die Einzeltitel LVMH, Christian Dior und Richemont herab - hauptsächlich wegen ihrer Aktienkurse, in denen inzwischen reichlich Luft enthalten sei.

Ein Name aber bleibt auf vielen Kauf-Empfehlungen: Bulgari. Obwohl auch die Aktie während des vergangenen Jahres schon enorm gestiegen ist (Donnerstag Nachmittag in Mailand: 12,09 Euro), sehen Analysten den italienischen Juwelier weiterhin als Gewinner. Denn erstens hat sich die Unternehmensstrategie, die Produktlinie zu diversifizieren und das Vertriebsnetz auszuweiten, auf Umsatz und Profit ausgewirkt. Zweitens hat Bulgari als einer der kleineren europäischen Luxus-Anbieter noch Wachstumspotenzial. Drittens schätzen die Analysten die Tatsache, dass Bulgari sein Wachstum organisch gestaltet und nicht von Akquisitionen abhängig ist. "Die Bulgari-Aktie gehört zwar zu den am höchsten bewerteten ihres Umfeldes", urteilt Andrew Gowen, Analyst bei Lehman Brothers. "Doch das Unternehmen hat einen starken Markennamen und wächst kräftig."

Bei Gucci dagegen spalten sich die Meinungen: Die einen sprechen der Aktie des italienischen Modehauses nur noch wenig Aufwärts-Potenzial zu - weil die Relaunch-Pläne für die jüngst erworbene Tochter Yves Saint Laurent (YSL) enorme Risiken berge. Die anderen wiederum setzen gerade auf die YSL-Akquisition und vertrauen auf die Leistungen des Gucci-Managements, das die Akquisition als Katalysator für neues Wachstum zu nutzen verstehen werde. Dies werde sich in einigen Jahren zeigen - also genau dann, wenn die Konkurrenz sich nach neuen Expansionsmöglichkeiten umsehen muss. Einem Report von Merrill Lynch zufolge dürfte YSL ab dem Geschäftsjahr 2002/03 spürbar zum Gucci-Ergebnis beitragen.

Ernüchtert fällt das Analystenurteil für LVMH aus. Die Aktie der französischen Gruppe hat 1999 bereits die Kursziele der Analysten hinter sich gelassen und bewegt sich auf einem Allzeithoch (Donnerstag in Paris: 89,20 Euro). Anders als Gucci hat LMVH keinen Wachstumsmotor. Den jüngsten Akquisitionen wie der römischen Modegruppe Fendi und dem Nischen-Designhaus Pucci fehlt die Größe, um die LVMH-Bilanz maßgeblich zu beeinflussen. Optimisten unter den Analysten setzen auf die starke strategische Position, durch die LVMH auch eine führende Rolle bei der Konsolidierung des Sektors übernehmen könne.

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