Wirtschaft : Luxus aus Stahl und Messing

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Ohne Digitalkameras geht es nicht mehr. Selbst der Traditionshersteller Leica hat im Mai ein digitales Modell auf den Markt gebracht. Und natürlich ist das Leica-Modell ganz exklusiv: „Mehr Speicherraum, manuelle Fokussierung, größerer LTD-Display auf der Rückseite“, schwärmt Vorstand Ralf Coenen. Auch der Preis ist für eine Kompaktkamera in der oberen Klasse: 1200 Euro. Leica-Kameras sind eben etwas Besonderes. In Handarbeit gefertigt, viele noch aus Stahl und Messing gebaut, sind die Apparate das Kultobjekt schlechthin unter den Fotografiebegeisterten. Dass der französische Luxuskonzern Hermès vor zwei Jahren bei den Mittelhessen als Hauptaktionär eingestiegen ist, passt also.

Die Expertise kam Leica gerade recht, denn seit 1998 strukturiert die Traditionsfirma um – und konzentriert sich voll auf ihre Nischenstrategie im so genannten High End Markt. Also auf die Kunden, die Wert auf Qualität legen und dafür auch bereit sind, zu zahlen. Seinen weltweit bekannten Markenn will das Unternehmen jetzt optimal ausnutzen, um wieder Gewinne zu erwirtschaften. Nach dem Börsengang 1996 rutschten die Ergebnisse nämlich erst einmal in die roten Zahlen. 1998 stand Leica kurz vor der Zahlungsunfähigkeit.

Bis 2002 wollen die Solmser es geschafft haben, wieder profitabel zu werden. Nicht zuletzt dadurch, dass sie sich auf ihre Kernkompetenz konzentrieren und das Marken- und Kultimage der Leica breiter kommunizieren. „Bisher sind wir leider vor allem bei über fünfzigjährigen Männern bekannt“, sagt Coenen. Durch die Vergangenheit hat der Name Potenzial: Schließlich war die Leica die erste Kompaktkamera überhaupt, die auf den Markt kam. Vor 75 Jahren präsentierte die Firma Leitz die Taschenkamera auf der Leipziger Frühjahrsmesse. Die Idee war aus der Not heraus entstanden: Das Mikroskop- und Fernglasgeschäft des Wetzlarer Unternehmens Leitz lief nicht besonders gut. Da entschied man sich, die Idee des Leiters der Versuchsabteilung, Oskar Barnack, groß herauszubringen: den Kleinbildpionier Leica (von Leitz und Camera). Der Amateurfotograf Barnack hatte die Kamera entwickelt, weil er die damals üblichen schweren Plattenkameras leid war. Die Leica wurde zum Verkaufsschlager und rettete das Unternehmen vor dem drohenden Aus.

Noch immer ist das von Barnack erfundene Messsuchersystem der Trumpf bei Leica, die so gennannte „M-Reihe“. Das Besondere: das System ist präziser, schneller und leiser als bei Spiegelreflexkameras. Die berühmtesten Fotografen, wie zum Beispiel der Franzose Henri Cartier-Bresson, haben mit der Leica fotografiert.

Trotz Digitalkamera: Die traditionelle Technik werde bei Leica nicht aussterben, betont Coenen. „Genauso wie große Musikfans noch immer Plattenspieler haben, werden die anspruchsvollen Fotografen weiterhin analog fotografieren“. Flora Wisdorff

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