Wirtschaft : Luxusautos und Gummibären für Chinas Verbraucher

Deutsche Konsumgütermesse / 100 Millionen Kunden im Visier SCHANGHAI/PEKING (cr/HB)."Mehr als 100 Millionen Chinesen kommen als Kunden für deutsche Konsumgüter in Betracht." Auf dieses beträchtliche Marktpotential hat Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt am Montag in Schanghai bei der Eröffnung der ersten deutschen Leistungsschau der Konsumgüterbranche im Ausland hingewiesen. Dieser rasch wachsende Markt ist von der deutschen Wirtschaft bislang allerdings vernachlässigt worden.Arend Oetker, Vorsitzender des Ausstellungskomitees der Konsugerma, sprach in Schanghai von "einem noch etwas zögerlichen Gesicht der Kooperation zwischen Deutschland und China" in diesem Bereich.Von dem deutschen Ausfuhrvolumen von 10,6 Mrd.DM nach China im vergangenen Jahr entfielen auf Konsumgüter nur 300 Mill.DM."Durchschnittlich verbraucht jeder Chinese pro Jahr deutsche Konsumgüter im Wert von nur 25 Pfennig", sagte Oetker.Und das, obwohl der chinesische Einzelhandelsumsatz zur Zeit bei 430 Mrd.DM liegt - immerhin 61 Prozent des deutschen Marktes für Konsumgüter (702 Mrd.DM).Der deutsche Marktanteil in China liegt bei lächerlich niedrigen 0,8 Promille.Oetker: "Hier sehen wir einen deutlichen Nachholbedarf." Wirtschaftsminister Rexrodt forderte die chinesische Regierung deshalb auf, die Einfuhrzölle für Konsumgüter zu senken. Die Präsentation deutscher Konsumgüter in der Volksrepublik umfaßt eine breite Warenpalette: Sie reicht von Gummibärchen und Moselwein über Staubsauger und Waschmaschinen bis zu Luxusautos.Vertreten sind die Sparten Heim und Handwerk, Essen und Trinken, Mode, Freizeit, Sport und Fahrzeuge sowie Inneneinrichtung.Über 170 Unternehmen präsentieren sich auf dem alten Messegelände im Herzen Schanghais. Mit der Messe soll den chinesischen Besuchern, die kostenlosen Zugang zu den Ausstellungshallen haben, auch ein Eindruck vom deutschen Lebensgefühl vermittelt werden.Dafür wurde ein offen gestaltetes deutsches Einfamilienhaus mit typischen Einrichtungsgegenständen ausgestattet.Eine Kultur- und Ereigniswoche begleitet das Ausstellungsangebot.Die Konsugerma nutzt ihren Auftritt, um die "führende deutsche Position bei der industriellen Formgebung" zu dokumentieren.Das Designzentrum Nordrhein-Westfalen zeigt in der Ausstellung "German Design Highlights" eine Auswahl hervorragend gestalteter Konsumgüter.Dazu zählen Brillen von Rodenstock, Besteck von WMF und ein Mobiltelefon von Siemens. Daß die deutsche Industrie trotz der Krise in Südostasien Vertrauen in die Entwicklung Asiens setzt, machte BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel deutlich: "Wir nehmen die Asienkrise ernst, aber wir sind sicher, daß die asiatischen Länder ihre Probleme meistern und auf dem Weltmarkt noch stärker sein werden als bisher." Das bietet vor allem mittelständischen Unternehmen eine Chance, die bislang allenfalls im Gefolge von Großunternehmen den Weg nach China fanden.Doch daß der Markt attraktiv ist, beweist das Engagement vom Solinger Klingenfabrikanten Zwilling: Er produziert in Schanghai seit zwei Jahren Messer für den asiatischen Markt.

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