Luxusindustrie : Kleckern, nicht klotzen

In der Krise wandelt sich der Luxusbegriff: Große Modekonzerne melden enorme Verluste und Schmuck liegt zurzeit wie Blei in der Auslage der Juweliere. Jetzt muss in der Branche umgedacht werden.

Adrian Pickshaus
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Ende einer Luxusmarke: Das französische Modelabel Lacroix stellte den Insolvenzantrag. -Foto: dpa

BerlinIm Publikum flossen Tränen. Feine Damen der Pariser Gesellschaft, bekannte Schauspieler und Modejournalisten – sie alle trauerten am Rande des Laufstegs. Und stellten die bange Frage: Sollte die Modenschau für die kommende Herbst-Winter-Saison wirklich die letzte des renommierten Hauses Christian Lacroix sein? Zwei Monate nach dem Insolvenzantrag sah es stark danach aus. Das Schicksal eines der wichtigsten französischen Modelabels ist nur ein Beispiel, viele Edelmarken kämpfen ums Überleben. Denn in der Wirtschaftskrise werden viele Luxusgüter zu Ladenhütern.

Das bekommt auch der weltgrößte Produzent zu spüren. Der französische Konzern Moët Hennessy – Louis Vuitton (LVMH), der die Rechte an rund 60 Luxusmarken hält, legte am Montagabend in Paris Zahlen vor. Der Gewinn ist im ersten Halbjahr um 23 Prozent eingebrochen, von 891 Millionen Euro im Zeitraum des Vorjahrs auf nun 687 Millionen. Immerhin konnte der Umsatz von 7,79 Milliarden Euro um 0,2 Prozent auf 7,81 Milliarden leicht gesteigert werden. Ein genauer Blick auf die Zahlen verrät: Es funkelt in Zukunft weniger an Hälsen und Handgelenken. Und Cognacschwenker und Sektflöten sind in Krisenzeiten eher halbleer als halbvoll. Denn LVMH verlor vor allem bei Schmuck und alkoholhaltigen Getränken drastisch an Boden. Die Sparte Wein und Spirituosen, zu der berühmte Champagner wie Veuve Clicquot oder der Nobel-Wodka Belvedere gehören, brach um 41 Prozent ein. Bei Uhren und Schmuck ging der Gewinn sogar um 71 Prozent zurück. Nur beim Geschäft mit Kleidung und Lederwaren, wozu auch die besonders bei Prominenten beliebten Louis-Vuitton-Taschen zählen, gab es eine Gewinnsteigerung um sieben Prozent. Schmuck liegt zurzeit wie Blei in der Auslage der Juweliere.

„Die Unternehmen haben zu lange die Sehnsüchte der breiten Masse bedient“

Auch deutsche Hersteller leiden unter der Krise, wie Arnd Einhorn bestätigt. Der Sprecher des sächsischen Luxusuhrenherstellers A. Lange & Söhne berichtet von einer sinkenden Nachfrage. „Viele Kunden verzichten jetzt bewusst auf teure Uhren.“ Trotzdem blicke das Unternehmen, das jährlich nur 5000 Stücke fertigt, optimistisch in die Zukunft. Die Sachsen haben einen Vorteil: Sie haben vor allem den deutschen Markt im Auge. Und das Konsumklima in Deutschland ist trotz Krise weiter günstig. Regionalisierung und gesteigerte Exklusivität auf der einen, breite Aufstellung im Portfolio auf der anderen Seite. Das seien die Herausforderungen der Luxusproduzenten, die sich aus der aktuellen Krise ergäben, sagt Markus Pfeiffer, Mitautor der „Luxury Brands Studie 2009“. „Die Unternehmen haben zu lange die Sehnsüchte der breiten Masse bedient.“ Das habe zwar zu riesigen Wachstumsraten vor der Krise geführt, Markenkerne seien aber durch die günstigeren Produktlinien verwässert worden. „Der Luxusbegriff wandelt sich gerade. Protziges Bling-Bling wird es weiter in China und Russland geben. Aber in den westlichen Ländern geht der Trend hin zu Hinterhofdesignern, die von einem Entwurf nur fünf Kleider produzieren.“ 

Für Christian Lacroix zeigt sich dennoch ein schmaler Silberstreif am Horizont. Montagabend lief im Insolvenzverfahren die Frist für Übernahmeangebote ab, drei Offerten liegen inzwischen vor. Aussichtsreichster Kandidat ist die italienische Unternehmensgruppe Borletti. Sie will die Hälfte der 125 Beschäftigten übernehmen. Und natürlich den ganzen Mythos.

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