Wirtschaft : Luxusklagen

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Amerikas Attacke auf illegale Vorgänge im Geschäft der Börsenanalysten zeigt Nachwirkungen in Europa. Der Geist des New Yorker Generalstaatsanwaltes Eliot Spitzer schien in dem Pariser Gerichtssaal zu weilen, wo eine Anhörung wegen der Klage des Luxusgüterkonzerns LVMH gegen Morgan Stanley stattfand. LVMH verlangt 100 Millionen Euro von der Investmentbank. Deren StarAnalystin, Claire Kent, habe über Jahre hinweg befangene Untersuchungsergebnisse abgeliefert. Man muss dazu wissen, dass die Investment-Sparte von Morgan Stanley Geschäfte mit LMVHs Langzeitrivalen Gucci machte.

Morgan Stanley zahlte im Zuge von Spitzers 1,4 Milliarden Dollar schwerer Generaloffensive gegen angeblich befangene Analysten 125 Millionen Dollar und verwahrt sich gegen die Vorwürfe. Die Bank reichte eine 10 Millionen Euro-Gegenklage ein, weil LVMH das französische Gerichtssystem ausnutze und Vorwürfe erhebe, die jeder Grundlage entbehrten.

Morgan Stanleys Probleme sind verständlich. Ohne die Übereinkunft mit Spitzer, die der öffentlichen Anprangerung der Missstände unter den Analysten an der Wall Street folgte, hätte LMVH keinen Präzedenzfall für Vorwürfe gehabt. Aber dieser Fall in Europa liegt ein wenig anders als die Vorfälle in Amerika, wo die Analysten beschuldigt wurden, Aktien der Gesellschaften anzupreisen, die bevorzugte Kunden ihrer angeschlossenen Bankhäuser waren.

Der Milliardär Bernard Arnault, dem LMVH gehört, und Domenico De Sole von Gucci pflegen eine lange und bittere Rivalität. Morgan Stanley half Gucci 1999, LMVHs Übernahmepläne zu durchkreuzen, und die Bank vermittelte auch den weißen Ritter Pinault Printemps Redoute, derzeitiger Besitzer des italienischen Modehauses. Frau Kent erzürnte LMVH. Dem britischen „Sunday Telegraph“ zu Folge wurde ihr 2001 verboten, bei Analysten-Beratungen Fragen zu stellen.

Ob Morgan Stanley seine Analysen von LMVH verfälschte, um Gucci glücklich zu machen, muss das Gericht entscheiden. Aber diese Auseinandersetzung begann lange vor dem Kreuzzug des New Yorker Generalstaatsanwaltes. Die Pariser Rechtsanwälte schulden jetzt Spitzer etwas dafür, dass er ihnen neue Arbeit verschafft hat.

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