Wirtschaft : Luxuswagen und das billigste Auto der Welt Indische Tata hat nun Jaguar und Nano im Programm

London / Frankfurt am Main - Das indische Industriekonglomerat Tata setzt seine Einkaufstour in Großbritannien fort. Nach dem Teehersteller Tetley und dem Stahlriesen Corus hat das weit verzweigte Familienunternehmen nun die Automarken Jaguar und Land Rover geschluckt. Analysten fragen sich allerdings, wie Sport- und Geländewagen der Luxusklasse zu den Billigautos und Lastwagen des indischen Herstellers passen.

Für die Beschäftigten von Jaguar und Land Rover endet eine längere Periode der Unsicherheit. Ford beendet mit dem Verkauf an Tata für umgerechnet 1,5 Milliarden Euro seinen kostspieligen Ausflug in die Luxusklasse. Der US-Konzern hat mehr als das Doppelte für die beiden Marken bezahlt und außerdem etliche Milliarden Dollar in sie investiert. Die dritte britische Marke, Aston Martin, hat Ford bereits für 570 Millionen Euro an eine Investorengruppe aus Nahost verkauft. Nun bleibt nur Volvo als europäische Luxusmarke von Ford übrig.

Jaguar und Land Rover sind die ersten bekannten westlichen Marken, die in indische Hände gelangen. Das Unternehmen ist Indiens führender Lastwagenhersteller, hat aber erst 1999 begonnen, Autos zu bauen. Mit dem Kleinwagen Indica erreichte es vielen Skeptikern zum Trotz einen Marktanteil von rund 20 Prozent. Auf dem Genfer Autosalon stellte Tata Motors vor wenigen Wochen den Billigwagen Nano für 1700 Euro vor.

Die klangvollen Luxusmarken Jaguar und Land Rover sollen Tata Motors nun helfen, auch die kaufkräftigen Oberschichten in Schwellenländern anzusprechen. Zugleich muss der Konzern aber sicherstellen, dass das Image der Marken in Europa und den USA nicht leidet. Jaguar etwa erlitt dort seit Jahresanfang einen Umsatzeinbruch von einem Drittel.

Um die Qualität der Produkte zu sichern, hat Tata mit Ford umfangreiche Liefervereinbarungen geschlossen. Ford wird weiterhin Bauteile sowie Technologien liefern und Forschungs- und Entwicklungsleistungen bereitstellen.

Nach guten Erfahrungen mit der Übernahme von Corus durch Tata hatten sich die britischen Gewerkschaften früh für die Inder als neue Besitzer der beiden Automarken ausgesprochen. „Das sind wirklich gute Nachrichten für die britische Autoindustrie und die Beschäftigten und Zulieferer von Jaguar und Land Rover“, sagte Roger Maddison vom Gewerkschaftsbund Unite. Tata habe schriftliche Garantien für die fünf Werke abgegeben, was die Beschäftigtenzahlen anbelange. Bei Jaguar und Land Rover arbeiten 16 000 Menschen. Ford wird außerdem 600 Millionen Dollar in die Pensionskassen einschießen, sobald der Verkauf abgeschlossen ist.

Branchenexperten sind eher skeptisch. Jaguar in die Gewinnzone zu führen sei eine große Herausforderung, warnen Analysten. Die Aktie von Tata Motors rutschte am Mittwoch um vier Prozent ab. Ford bekommt durch den Deal Geld für die Sanierung des US-Geschäfts in die Kasse. Vorstandschef Alan Mulally will das kriselnde Unternehmen auf seine Kernmarke konzentrieren. Der Konzern steckt in der tiefsten Krise seiner über 100-jährigen Geschichte und musste 2006 einen Verlust von fast 13 Milliarden Dollar hinnehmen. dih/hz (HB)

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