Wirtschaft : Luxuswohnungen in Berlin knapp

BERLIN (chi).Auf dem Wohnungsmarkt in Berlin könnte es schneller wieder zu Engpässen kommen als zunächst erwartet.Nach den gewaltigen Angebotsüberhängen der vergangenen Jahre mit Leerständen und sinkenden Mieten zeichnet sich zumindest nach Angaben des Landesverbandes Freier Wohnungsunternehmen seit einigen Monaten sowohl im Wohn- wie im Gewerbebereich eine deutliche Trendwende ab: "Die Nachfrage steigt bemerkbar, seit vier Monaten deutlich, seit zwei Monaten so, daß wir sie voraussichtlich nicht befriedigen können", sagte Verbandsvorsitzender Klaus Groth am Mittwoch in Berlin.Der Grund: Der Umzug von Regierung und aller damit verbundenen Institutionen kommt nun doch ins Rollen.

Allein über die vom Verband eingerichtete "Botschaftsbörse" gebe es 1500 Anfragen für größere Wohnungen mit 120 bis 200 Quadratmetern überwiegend für Innenstadt- und bessere Wohnlagen und fast ausschließlich für den Westteil der Stadt."Anfragen, die wir nicht erfüllen können", sagte Groth.Die japanische Botschaft beispielsweise habe 25 bis 30 DM pro Quadratmeter geboten und dennoch keine entsprechenden Objekte gefunden.Für kleine Wohnungen und Studios gebe es dagegen kaum Nachfrage.Eindringlich forderte Groth die Senatsverwaltung auf, Grundstücke für den Wohnungsbau zur Verfügung zu stellen, notfalls durch Umwidmung gewerblicher Flächen.Das seit Monaten anhaltende Tauziehen um den Grundstücks- und Liegenschaftsfonds des Senats müsse rasch beendet werden."Wenn es bis Frühjahr keine Entscheidung gibt, dann wird es eng", so der Verbandschef.

Die Mitgliedsunternehmen des Verbandes haben 1998 ihre Neubautätigkeit deutlich zurückgefahren.Nach dem Rekordjahr 1997 mit Investitionen von 15,4 Mrd.DM sind es in diesem Jahr 10,8 Mrd.DM, ein Drittel weniger.Die Zahl der fertiggestellten Wohnungen ging sogar um 41 Prozent zurück, bei Büro- und Gewerbeflächen gab es ein Minus von 14 Prozent.Für 1999 erwartet Groth einen weiteren Rückgang der Neubaufertigstellungen um 17 Prozent, vor allem im Mietwohnungsbau.Hier wirke sich die Diskussion um die Steuerreform verheerend aus.Sollte die Regierung ihre Vorhaben durchsetzen und die steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten für Sanierungen und Denkmalschutz streichen, "dann ist es mit der Reaktivierung der Innenstädte vorbei."

Die wirtschaftliche Lage der 250 Verbandsunternehmen bezeichnete Groth dennoch als gut.Pleiten habe es nicht gegeben, auch weil die Banken mitspielten - im Vorlauf auf "gute Zukunftsperspektiven".

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar