Wirtschaft : M-Dax: Mit Nebenwerten durch die Krise

rp/swi

Sowohl der M-Dax, der Index der mittelgroßen deutschen Aktien, als auch der S-Dax für die kleinen Titel haben den Dax-30 im Jahresverlauf weit hinter sich gelassen. Während die Indizes der kleinen und mittelgroßen Aktien noch einen satten Anstieg seit Jahresbeginn aufweisen, liegt der große Bruder inzwischen sogar im Minus.

Für Michael Schubert von der Bankgesellschaft Berlin kommt die Entwicklung nicht überraschend. Denn sobald der Gesamtmarkt "ins Straucheln kommt, kommt der M-Dax immer besser ins Spiel", sagt er. Diese Werte profitierten vor allem von der konjunkturellen Entwicklung. Trotz gewisser Abschwächungsanzeichen sei diese gut, entsprechend "läuft der M-Dax". Wenn die Technologiewerte wieder anziehen, wird sich laut Schubert der Abstand zwischen M-Dax und Dax verringern. Dabei müsse auch gesehen werden, dass bei den Indizes die "Aussagekraft als Messlatte für den Gesamtmarkt" nicht mehr wie früher gilt. Spezielle Aspekte, wie die Entwicklung im TMT-Bereich (Technologie, Medien und Telekommunikation), haben nach seiner Beobachtung an Bedeutung gewonnen und kämen gerade in Marktphasen wie der aktuellen zum Tragen.

Thomas Teetz von HSBC Trinkaus und Burkhardt sieht für den "Schwenk zur Old Economy" mehrere Ursachen. Zum einen seien die mittelgroßen Titel in den vergangenen Jahren stark vernachlässigt worden. Nicht zuletzt, weil sich die Anleger auf den Neuen Markt oder auf die Dax- und Euro-Stoxx-Werte konzentriert haben. Viele der Anleger sähen nun den Neuen Markt skeptischer, wollten sich aber nicht von der Aktienanlage generell verabschieden. In M-Dax-Aktien hätten sie Alternativen gefunden, die zudem durch eine niedrige Bewertung lockten. Außerdem sei die positive M-Dax-Entwicklung durch die relativ gute wirtschaftliche Entwicklung begünstigt worden. Beispielsweise habe der Konsumgüter- oder Pharmabereich gut verdient. HSBC-Analyst Teetz kann sich vorstellen, dass diese Entwicklung noch drei Monate anhalten wird. Vor allem, weil bei den TMT-Aktien "noch kein Boden gefunden wurde". Allerdings sei die niedrige Bewertung bei vielen M-Dax-Werten inzwischen aufgezehrt.

Eine eher geringe Bedeutung misst Teetz den S-Dax-Aktien zu. Zwar fänden sich auch hier interessante Investments unter den größeren Titeln, doch leide das Segment nach wie vor unter mangelnder Liquidität. Der S-Dax bildet 100 Werte des Small-Cap-Bereichs ab. Dirk Bach von der DG-Bank beschreibt ein weiteres Problem: "Der S-Dax ist sehr heterogen. Trends sind nur schwer festzumachen. Sicher ist das eine oder andere gute Unternehmen im S-Dax versteckt, aber der große Wurf ist nicht gelungen." Auch sei die Informationsbeschaffung für Privatanleger schwierig.

DG-Analyst Bach bezeichnet den Aufschwung des M-Dax als "Rückkehr zur Vernunft". Bei den Aktien gebe es ein gesundes Wachstum bei einer gesunden Bewertung. Langfristig werde sich der Trend aber wieder zu Gunsten des Neuen Marktes umkehren. "Die Anleger gucken hauptsächlich auf den Neuen Markt und wollen da auch wieder rein." Michael Klein, Leiter der Aktienanalyse bei Sal. Oppenheim, sieht im M-Dax viele profitable Unternehmen, die im Zuge des Aufschwungs in der New Economy vernachlässigt wurden. "Da sind viele, die richtig dicke schwarze Zahlen schreiben. Und es gibt viele, die noch immer unterbewertet sind." Und er ergänzt: "Die Unternehmen im M-Dax machen mehr Gewinn als die Unternehmen am Neuen Markt überhaupt an Umsatz planen." Da die Geschäftsmodelle stimmten, hätten die Titel noch einiges Potenzial. Zum Kauf empfiehlt Sal. Oppenheim Altana, Douglas, Fresenius, Klöckner-Werke, WCM und Porsche. Bei den Pharmawerten müsse man aber "genau hinsehen, weil einige schon überbewertet sind". Auf "Akkumulieren" (bei Schwäche nachkaufen) stehen: Bewag, Boss, Fielmann, Merck, MG Technologies, Stinnes und Wella.

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