Machtkampf bei Conti : Dämpfer für Schaeffler: Keine Stimme im Aufsichtsrat

Der Autozulieferer Schaeffler hat im Machtkampf bei Continental vor Gericht eine Schlappe erlitten. Der designierte neue Conti-Aufsichtsratschef Rolf Koerfer darf nicht an der Sitzung des Aufsichtsrats in Frankfurt teilnehmen. Schaeffler droht mit rechtlichen Schritten.

"Wir warten jetzt die endgültige Entscheidung des Landgerichts ab und behalten uns rechtliche Schritte vor", erklärte Sprecher Detlef Sieverdingbeck am Donnerstag in Herzogenaurach. Letztlich entscheide ohnehin die Hauptversammlung über die Besetzung des Aufsichtsrats, sagte Sieverdingbeck. "Wir gehen weiter davon aus, dass Herr Koerfer zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Conti gewählt wird."

Koerfer wird aus dem Aktionärskreis ein Interessenkonflikt vorgeworfen. Er sollte ursprünglich am Freitag zum Conti-Aufsichtsratschef gewählt werden. Das Landgericht Hannover hielt auch nach einer Einwendung Koerfers an seiner vorläufigen Entscheidung fest, Koerfers Bestellung in das Gremium durch das Amtsgericht vorübergehend außer Kraft zu setzen.

Aufsichtsrat hat "große Bedenken"

Koerfer hatte argumentiert, der einstweiligen Anordnung des Landgerichts fehle die Rechtsgrundlage. Die Kammer wies dies zurück. Sie halte die Einwendungen für "nicht durchgreifend". Das Gericht will nun endgültig entscheiden, sobald alle Äußerungen der Beteiligten vorliegen. Die Continental-Aufsichtsräte haben bis zum 10. März Gelegenheit zur Stellungnahme.

Koerfer wird vorgeworfen, er könne als Chefberater der Schaeffler-Gruppe den Aufsichtsratsvorsitz bei Conti nicht ausüben. Denn laut Gesetz müsse er in diesem Amt allein die Interessen der Continental AG vertreten. In Kreisen des Aufsichtsrats hatte es geheißen, in dem Gremium gebe es inzwischen "große Bedenken" gegen Koerfer als neuen Vorsitzenden - denn seit seiner Bestellung Ende Januar habe sich die Lage "dramatisch verändert". Zudem hieß es, das Gremium erwarte von der Schaeffler-Führung ein "belastbares" Zukunfts-Konzept.

Schaeffler benötigt Staatshilfen

Schaeffler sieht keinen Interessenkonflikt bei Koerfer. Der fränkische Autozulieferer hatte sich durch die auf Pump finanzierte Übernahme des Conti-Konzerns hoch verschuldet, hat einen Milliarden- Kapitalbedarf und bittet um Staatshilfen. Das Familienunternehmen aus Herzogenaurach erarbeitet derzeit mit den Banken ein Konzept zur Zukunft von Schaeffler. In der Branche gilt es als möglich, dass die Banken Kredite in Eigenkapital, also Aktien und Anteile, umwandeln und damit bei Schaeffler faktisch das Sagen bekommen. Der bisherige Conti-Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg hatte sich Ende Januar auf Druck von Schaeffler bereiterklärt, seinen Posten zur Verfügung zu stellen. Solange allerdings kein neuer Aufsichtsratsvorsitzender gewählt ist, bleibt von Grünberg im Amt.

Conti und Schaeffler hatten Ende Januar vereinbart, die Kooperation zwischen den Automobilsparten beider Konzerne voranzutreiben. Geplant ist zudem die Ausgliederung der Conti- Reifensparte. Der Conti-Aufsichtsrat bot der Schaeffler-Gruppe vier Mandate an, wie dies in der im Sommer 2008 nach einer wochenlangen Übernahmeschlacht vereinbarten Investorenvereinbarung vorgesehen gewesen sei. Neben Koerfer wurden Firmeneigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler, ihr Sohn Georg sowie Geschäftsführer Jürgen Geißinger nominiert. Schaeffler hält knapp unter 50 Prozent an Conti und hat weitere 40 Prozent bei Banken geparkt. (küs/dpa)

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