Machtkampf bei Volkswgen : Piëch sagt Teilnahme an Porsche-Treffen ab

Er wäre das erste Mal öffentlich auf Martin Winterkorn getroffen, doch nun sagte Ferdinand Piëch seine Teilnahme an der Hauptversammlung der Porsche-Holding ab. Sein Kontrahent Winterkorn demonstriert Gelassenheit.

Nicht anwesend: Ferdinand Piëch bleibt der Hauptversammlung der Porsche-Holding fern.
Nicht anwesend: Ferdinand Piëch bleibt der Hauptversammlung der Porsche-Holding fern.Foto: dpa

Nach dem Machtkampf bei Volkswagen geht VW-Hauptaktionär Porsche SE von einem Verbleib des zurückgetretenen Aufsichtsratschefs Ferdinand Piech als Aktionär aus. Die Porsche SE werde auch in Zukunft ihre Verantwortung als Großaktionär für den Volkswagen-Konzern wahrnehmen, sagte der Aufsichtsratschef der Holding, Wolfgang Porsche, am Mittwoch am Rande der Hauptversammlung in Stuttgart. Auf die Frage, ob das seinen Cousin Ferdinand Piech einschließe, ergänzte Porsche: “Wahrscheinlich ja“. Piech, der dem Aufsichtsrat der Holding angehört, blieb dem Aktionärstreffen fern. Ein Grund dafür wurde nicht genannt. Er hatte einem Sprecher zufolge tags zuvor auch nicht an der Aufsichtsratssitzung teilgenommen, was bisher äußerst selten vorgekommen ist.

Winterkorn versucht die Wogen zu glätten: "Haben 30 Jahre erfolgreich zusammengearbeitet"

Piech war im vergangenen Monat nach einem Machtkampf um VW-Chef Martin Winterkorn vom Aufsichtsratsvorsitz bei Volkswagen zurückgetreten. Der Firmenpatriarch hatte versucht, seinen langjährigen Vertrauten Winterkorn zu demontieren. Doch im Aufsichtsrat hatten sich die Arbeitnehmer, das mit gut 20 Prozent an VW beteiligte Land Niedersachsen und auch die Familie Porsche mit seinem Cousin Wolfgang Porsche gegen Piech gestellt.

Nun versuchen Winterkorn und die Familie, die Risse zu kitten. Winterkorn sagte vor dem Aktionärstreffen bei einem Rundgang durch die Ausstellung der neuesten Porsche-Modelle, er sei nicht überrascht, dass Piech der Hauptversammlung fern bleibe. Piech ist mit gut 13 Prozent an der Porsche SE beteiligt und verfügt damit über gut drei Prozent der VW-Stammaktien. Er hatte Insidern zufolge im Streit über Winterkorn mit einem Verkauf seiner Anteile gedroht. Die Zusammenarbeit mit Piech bei der Porsche SE werde weitergehen wie bisher, erklärte der VW-Chef ebenso wie Porsche-Chef Matthias Müller, den Piech als Nachfolger von Winterkorn ins Spiel gebracht haben soll. “Wir haben über 30 Jahre erfolgreich zusammengearbeitet“, betonte Winterkorn.

Schadensersatzklagen über fünf Milliarden Euro

Dieses Jahr werde sowohl für die Porsche SE als auch für den VW-Konzern erfolgreich. “Wir werden dafür sorgen, dass Ruhe einkehrt.“ Die Porsche SE verdiente im ersten Quartal 870 Millionen Euro nach 728 Millionen Euro im Vorjahr. Die Nettoliquidität blieb mit 2,25 Milliarden Euro nahezu unverändert gegenüber dem Jahresende 2014. Die Holding plant mit dem Geld Übernahmen und hat im vergangenen Jahr für 41 Millionen Euro die US-Firma INRIX, einen Spezialist für Pkw-Bordcomputer und Verkehrsinformationen, gekauft. Allerdings sieht sich die Porsche SE mehreren Schadensersatzklagen über gut fünf Milliarden Euro im Zusammenhang mit der gescheiterten Übernahme des VW-Konzerns gegenüber.


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